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    Die Peanuts - Der Film
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Die Peanuts - Der Film
    Von Carsten Baumgardt
    Charles M. Schulz war ein eigenwilliger Kauz. Bevor der Erfinder der Peanuts im Jahr 2000 nach 17.897 gezeichneten Comicstrips im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit starb, verfügte er, dass kein anderer Zeichner sein Werk fortführen dürfe. Aber so richtig hat das mit dem testamentarischen Ende der Peanuts dann doch nicht hingehauen:  Schulz‘ ehemalige Kollegin Vicki Scott widersetzte sich dem Verbot und brachte 2012 neue Peanuts-Geschichten als Comic heraus. Aber wenn die Dämme schon brechen, dann soll das Erbe von Charles M. Schulz wenigstens in Familienhand bleiben – das dachten sich zumindest sein Sohn Craig und sein Enkel Brian, die daraufhin gemeinsam mit Cornelius Uliano das Drehbuch zum inzwischen fünften Peanuts-Kinofilm verfassten. Mit Regisseur Steve Martino („Ice Age 4“, „Horton hört ein Hu“) fanden die Erben zudem einen treuen Vasallen, der den Geist der Comicstrips bewahrt, selbst wenn er sich den aktuellen Genre-Standards nicht vollkommen entziehen kann: „Die Peanuts - Der Film“ ist trotz moderner 3D-Technik eine angenehm altmodische und warmherzige Animationskomödie.

    An seiner Schule irgendwo im Mittleren Westen der USA ist der Junge Charlie Brown (Stimme im Original: Noah Schnapp) nicht nur der ewige Außenseiter, sondern ein echter Verlierer, dem nichts zu gelingen scheint. Nur sein treuer Hund Snoopy (Bill Melendez) und sein bester Freund Linus (Alexander Garfin) stehen immer zu ihm. Als nebenan ein kleines rothaariges Mädchen (Francesca Capaldi) einzieht, ist es um Charlie Brown geschehen: Er ist bis über beide Ohren verliebt! Dumm nur, dass er sich in Gegenwart seiner neuen Klassenkameradin am liebsten vor Nervosität unsichtbar machen würde. Als Charlie aufgrund einer Verwechslung die beste Punktzahl in einem Schultest erzielt, wendet sich jedoch das Blatt. Plötzlich ist der notorische Pechvogel beliebt – was sein Selbstbewusstsein enorm hebt und eine wahre Hysterie um seine Person auslöst...


    Mit den Peanuts-Geschichten um eine Handvoll Vorortkinder, die sich fern der Welt der (sprachlosen) Erwachsenen behaupten müssen, verarbeitete der legendäre Schöpfer Charles M. Schulz auch seine eigene Kindheit im Mittleren Westen. Schulz‘ Alter Ego ist Charlie Brown, ein sympathischer Pechvogel, der meistens auf die Nase fällt - egal was er probiert. Die ersten Comicstrips mit den Kugelköpfen erschienen bereits 1947, von 1950 bis 2000 waren sie täglich als „Die Peanuts“ in zahlreichen amerikanischen Zeitungen zu lesen. Dazu gab es im Lauf der Jahre Buchausgaben, Fernsehspecials und vier abendfüllende Kino-Zeichentrickfilme (1969 bis 1980). Obwohl die Figuren immer wieder mit ganz verschiedenen Problemen zu kämpfen haben, steht „Die Peanuts“ auch für ein Heile-Welt-Amerika, das sich seit den späten 1940ern bis nicht grundlegend geändert hat. Und so sind auch im Jahr 2015 familiäre Werte immer noch wichtig, es geht um Ehrlichkeit, Freundschaft und Gemeinschaft. Es wird nichts mit der Brechstange auf hip oder modern getrimmt, sondern „Die Peanuts – Der Film“ bleibt konsequent altmodisch! Das einzige Zugeständnis an die veränderten Sehgewohnheiten sind die 3D-Animationen, die naturgemäß wesentlich plastischer wirken als die Zeitungszeichnungen von Schulz, ohne dass deswegen die stilistische Klarheit und Einfachheit der Vorgabe aufgegeben würde.

    Die harmlos-liebevolle Geschichte des Films ist aus den besten Comicstrips zusammengesetzt, alle beliebten Figuren bekommen ihren Auftritt. Dabei geht es in der Welt der Peanuts weiterhin niemals wirklich gehässig zu. Im Zentrum steht einmal mehr Charlie Browns scheinbar hoffnungslose Schwärmerei für das rothaarige Mädchen, aber auch bekannte Running Gags wie seine vergeblichen Drachensteig-Versuche, seine Besuche bei „Psychiaterin“ Lucy (Hadley Belle Miller) und natürlich die Verrücktheiten seines Hundes Snoopy werden im Film aufgegriffen. Und der kecke Vierbeiner ist auch hier ein echter Szenendieb und sorgt aus dem Hintergrund immer wieder für laute Lacher – das Rattenhörnchen Scrat aus den „Ice Age“-Blockbustern, die wie „Die Peanuts“ aus dem Hause Blue Sky Animation stammen, wirkt  fast wie ein entfernter Cousin des berühmten Beagles.

    Neben gelungenen Slapstick-Einlagen und einigen turbulenten Verfolgungsjagden durch die winterliche Landschaft macht Regisseur Martino das Animations-Abenteuer durch einen parallelen Traum-Handlungsstrang, der zu Zeiten des Ersten Weltkriegs spielt, noch rasanter und spektakulärer: In ihm kämpft Snoopy um das Herz der - neu ins Peanuts-Universum integrierten - Hundedame Fifi (Kristin Chenoweth). So entkommt „Die Peanuts“ den Limitierungen der Kleinstadt und wird regelrecht episch, etwa wenn Snoopy mit seiner fliegenden Hundehütte im Kampf gegen den legendären „Roten Baron“ vor malerischer Bergkulisse durch die Lüfte saust.

    Fazit: In einer Zeit der hyperaktiven Animationsfilme bildet diese bewusst altmodisch gehaltene Kinoverfilmung einen beruhigenden Gegenpol - charmante Helden in bunter, liebenswürdiger, zeitlos-netter Familienunterhaltung.
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