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    Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

    Ein würdiger Abschluss – zumindest in der zweiten Hälfte

    Von Björn Becher
    Er wisse zwar, wie man eine Geschichte beginnt, aber sei noch nie so gut mit Enden gewesen, erklärte J.J. Abrams im Vorfeld des Kinostarts von „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ freimütig der New York Times. Und tatsächlich fühlt sich sein Film nun lange Zeit so an, als hätte diese Angst, das Finale zu verbocken, ihn wirklich sehr belastet. Der Druck ist ja auch wirklich besonders hoch, schließlich beendet Abrams hier nicht nur eine Trilogie, die er 2015 mit „Das Erwachen der Macht“ selbst begann, sondern gleich drei Trilogien und damit die komplette neunteilige, 1977 von George Lucas mit dem damals noch „Krieg der Sterne“ betitelten „Episode IV – Eine neue Hoffnung“ begonnene Skywalker-Saga.

    Gerade nach den vielen Diskussionen um Rian Johnsons Vorgänger „Die letzten Jedi“ scheint Abrams dabei lange Zeit erst einmal auf Nummer sicher gehen zu wollen. Er scheut in der ersten Hälfte von „Der Aufstieg Skywalkers“ größeres Risiko. So verwendet er sehr viel Zeit auf Exposition, auf logischen Unterbau, auf Erzählung. Dabei scheint der Filmemacher bisweilen zu verkennen, dass große Kinomomente selten nur vom Plot und sehr viel öfter emotional ausgelöst werden. Doch in der zweiten Hälfte schafft Abrams doch noch die Wende und beschert der Reihe nicht nur das große, emotionale Finale, das sie nach 42 Jahren Popkultur-Dominanz auch verdient hat, sondern zudem auch noch einmal einige tolle „Star Wars“-Sequenzen.

    Die Saga endet.


    Der totgeglaubte Imperator (Ian McDiarmid) ist zurück. Rasend vor Wut setzt Kylo Ren (Adam Driver) alles daran, diesen zu finden, denn er sieht seine Macht als neuer Herrscher der Ersten Ordnung bedroht. Für den Widerstand setzen Poe (Oscar Isaac), Finn (John Boyega) und Co. derweil kleine Nadelstiche gegen den Machtapparat des Tyrannen Ren – allerdings ohne große Unterstützung aus der Galaxis. Das Opfer von Luke Skywalker (Mark Hamill) hat scheinbar doch keinen allzu großen Hoffnungsfunken entzündet, wie es in der finalen Szene von „Die letzten Jedi“ noch den Anschein hatte.

    Auch Rey (Daisy Ridley) beteiligt sich nicht. Unter der Führung von Leia (Carrie Fisher) absolviert sie stattdessen ihr Jedi-Training. Als der Widerstand allerdings durch einen neuen Spion bei der Ersten Ordnung die Bestätigung bekommt, dass Palpatine lebt, muss sie sich gemeinsam mit ihren Freunden aufmachen, den mächtigen Strippenzieher zu finden. Denn der hat sich im Verborgenen eine riesige Flotte aufgebaut. Mit dieser Letzten Ordnung droht er ein neues Imperium zu errichten und jegliche Rebellion ein für alle Mal auszulöschen…

    Handlung, Handlung, Handlung


    Abrams und sein Co-Autor Chris Terrio („Argo“) haben sich für „Star Wars 9“ offensichtlich viel vorgenommen – und deshalb auch sehr viel zu erzählen, selbst für eine stolze Laufzeit von zwei Stunden und 22 Minuten. Deshalb startet der Film erst einmal mit jeder Menge Exposition: Nach weniger als fünf Minuten ist bereits der Imperator aufgetreten. Nach „Das Erwachen der Macht“ wurde monatelang gerätselt, woher Snoke kommt. Auch hier gibt es die Antworten in den ersten Minuten. Allgemein ist Abrams zu Beginn viel mit dem Beantworten von aufgelaufenen Fragen beschäftigt – und geht damit sichtlich auf Distanz zu seinem direkten Vorgänger Rian Johnson, der mit „Die letzten Jedi“ deutlich gemacht hat, wie wenig es ihm in seinem Film um das schnöde Erklären von Mysterien geht.

    Bei „Star Wars 9“ entpuppt sich der neu eingeschlagene Gegenkurs nun anfangs als eine Mischung aus purem Abhaken und gelegentlichem Austeilen gegenüber dem Vorgänger (selbst der Holdo-Moment wird ein Stück weit entkräftet) - alles gepackt in eine zu schnell geschnittene, etwas zu ausufernde Schnitzeljagd, bei der Rey und Co. nach einer Art Kompass suchen, der zum Versteck des Imperators führt. Abrams verwendet daneben auch unglaublich viel Zeit mit Aufbau und lässt sehr viel passieren (unsere kurze Inhaltsangabe reißt dabei gerade einmal die rund ersten 15 Minuten des Films an). Das sieht immer wieder in Einzelmomenten beeindruckend aus, lässt aber zu oft die erwarteten Emotionen vermissen, auch weil das alles einfach viel zu schnell vorbeizieht.

    Ein großes Duell der Hauptfiguren.


    Da gibt es zum Beispiel den vermeintlichen Tod eines Protagonisten. Auch wenn der Zuschauer ohnehin sofort weiß, dass diese Figur gerade nicht wirklich gestorben ist, wird nicht mal versucht, eine Wirkung zu erzielen, obwohl die Umstände besonders tragisch sind und die Helden danach auch gleich noch eine schwierige Entscheidung treffen müssen, die dem Opfertod eines weiteres Gruppenmitglieds gleichkommt. Statt da mal innezuhalten wird direkt mit dem nächsten Plotpunkt weitergemacht, für Trauer bleibt (zumindest so früh im Film einfach noch) keine Zeit.

    Auch wenn „Der Aufstieg Skywalkers“ so besonders im ersten Drittel bisweilen arg zäh ist, bietet uns Abrams trotzdem eine Menge starke Momente – und zwar fast immer dann, wenn es gerade mal nicht primär um die Handlung geht. Gerade das Zusammenspiel des Haupt-Helden-Trios sorgt immer wieder für kleine Höhepunkte – allen voran in der Interaktion von Poe und Rey, die ja erst ganz am Ende von „Die letzten Jedi“ ihre erste gemeinsame Leinwandsekunde hatten und hier jetzt endlich umfangreich interagieren und dabei mit ihren gegensätzlichen Persönlichkeiten anecken. In solchen Momenten schafft es Abrams auch mal beiläufig, die Figuren weiter auszubauen, wobei er sich auf seine starken Darsteller voll verlassen kann.

    Kylo Ren stiehlt einmal mehr die Show


    Auch wenn Rey und Daisy Ridley noch nie so stark waren wie in diesem Film, bleibt Kylo Ren die komplexeste und interessanteste Figur der neuen Saga. Die Wut und Zerrissenheit sind im Gesicht des größtenteils ohne Maske agierenden „Marriage Story“-Stars Adam Driver jederzeit abzulesen, das in „Die letzten Jedi“ so stark etablierte Zusammenspiel von Driver und Ridley wird hier in einigen erneut herausragenden Momenten fortgeschrieben.

    Neue Figuren spielen dagegen - abgesehen von dem kleinen Szenendieb-Alien Babu Frik - nicht einmal die zweite Geige. Keri Russell als mysteriös-verschlagene Zorii oder Naomi Ackie als freiheitsliebende Jannah fallen vor allem durch coole Looks auf, dienen daneben aber nur als Stichwortgeber für jeweils einen etablierten Helden. Nur etwas besser ergeht es Richard E. Grant („Whitnail & I“): Der britische Charakterschauspieler kann als neuer Militärführer der Ersten Ordnung immerhin in einigen diabolischen Momenten sein ganzes, erst kürzlich oscarnominiertes Können (für „Can You Ever Forgive Me?“) aufblitzen lassen.

    Richard E. Grant ist einer der Cast-Neuzugänge.


    Vor allem ein Fan-Bonbon ist dagegen die Rückkehr von Billy Dee Williams als Lando, während Carrie Fisher in ihrem nun wohl endgültig letzten Film einige wunderbare Momente als Leia hat. Für die 2016 verstorbene Schauspielerin wurden bekanntlich nicht verwendete Aufnahmen vom Dreh zu „Das Erwachen der Macht“ genutzt. Dass man ihr direktes Zusammenspiel mit anderen Darstellern daher reduzieren musste, ist in den vielen Schnitt-Gegenschnitt-Wechseln zu erkennen. Die nun gefundene Lösung ist aber wohl die bestmögliche, weil man auf sie nicht komplett verzichten wollte.

    Auch wenn Rian Johnson der eindeutig bessere Regisseur ist, beweist Abrams mehrfach, wie gut er inszenieren kann - nicht nur mit gleich mehreren optisch eindrucksvollen Weltraumschlachten, sondern vor allem mit einem der bisher besten reinen Lichtschwert-Kampf-Duelle der „Star Wars“-Geschichte: Die bereits in den Promomaterialien ausgiebig angeteaserte Auseinandersetzung von Rey und Kylo auf dem alten Todesstern, umgeben von einer stürmischen See, ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch das Fanal für den emotional mitreißenden und in den besten Momenten auch mal herausragenden dritten Akt.

    Das Beste kommt zum Schluss


    Auf der Zielgeraden scheint nämlich der komplette Erzähldruck endlich von Abrams abzufallen. Endlich gibt es gleich mehrere Gänsehaut-Momente, wobei auch wichtige Fäden aus „Die letzten Jedi“ doch noch aufgegriffen werden. Die vielen Verweise auf die bisherigen acht Filme der Skywalker-Saga fügen sich – abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen - so organisch zusammen, dass sie gerade nicht mehr als Verweise herausstechen. Wenn dann ganz reihentypisch die Schlacht an mehreren Fronten geschlagen wird, es in bester „Star Wars“-Manier überall gleichermaßen hoch her geht, findet Abrams trotz einiger Schnitte zu viel doch noch ein gutes Gleichgewicht zwischen bombastischer Action, intensiven Momenten und ruhigen, genau zum richtigen Zeitpunkt auch mal entschleunigten Szenen. Das ist episch, sauspannend und unglaublich berührend.

    Am Ende dürften viele „Star Wars“-Fans gleich mehrfach Tränen in den Augen haben, weil sie dann mit einigen dieser neuen Figuren endgültig so mitfiebern und mitleiden, wie sie es früher mit Luke, Han und Leia taten. „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ spielt so am Ende doch noch immer wieder in einer Liga mit den besten Teilen der Saga – allerdings halt erst am Ende.

    Fazit: Nach einigen Anlaufschwierigkeiten in der deutlich schwächeren ersten Hälfte erweist sich „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ auf der Zielgeraden doch noch als bewegendes Finale für die wohl populärste Familien-Saga der Filmgeschichte.



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