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Wir sind die Besten!
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Wir sind die Besten!
Von Ulf Lepelmeier

Neunmalklug, angeödet von der Welt und immer auf Contra: Bobo, Klara und Hedvig befinden sich mitten in der Pubertät und sehen sich als Verfechterinnen des Punk, der ihrer Meinung nach immer noch nicht am Ende ist, auch wenn ihnen das ihre Mitschüler weismachen wollen. Basierend auf der autobiographisch gefärbten Graphic Novel „Never Goodnight“ seiner Frau Coco kehrt Lukas Moodysson zum Spirit seiner ersten beiden Filme („Raus aus Åmål“, „!Zusammen!“) zurück und beschwört Individualitätsstreben und erste Revolte der Teenager-Zeit. Mit einem verschmitzten Lächeln evoziert der schwedische Regisseur in seiner Tragikomödie „Wir sind die Besten!“ die Lebensrealität dreier möchtegernaufsässiger Freundinnen mit ihren kleinen und großen Konflikten und einer speziellen Affinität zum Punkrock.

1982: Bobo (Mira Barkhammar) und Klara (Mira Grosin) sind beste Freundinnen und besuchen gemeinsam die siebte Klasse eines Gymnasiums in Stockholm. Mit ihren kurzen Haaren, dem außergewöhnlichen, androgynen Kleidungsstil und ihrer rebellischen Art ecken die beiden überall an. Doch das Gerede der anderen ist den jungen Punks egal: Hauptsache sie bleiben sich selbst und ihren Ansichten treu. Um eine verhasste Band im Jugendzentrum zum Verstummen zu bringen, tragen sich die Mädchen kurzerhand einfach für den Probenraum ein und geben bei den Betreuern an, selbst eine Band zu haben. Das Bewusstsein eigentlich keinerlei musikalische Grundkenntnisse zu besitzen, lässt die beiden schließlich die musikalisch versierte Hedvig (Liv LeMoyne) ansprechen, die auf Grund ihrer extrem gläubigen Familie ebenfalls eine Außenseiterin ist. Auch wenn das zurückhaltende Mädchen mit ihrer engelsgleichen Ausstrahlung zuerst so gar nicht zu den aufmüpfigen Nachwuchspunkerinnen zu passen scheint, entwickeln sich schnell eine enge freundschaftliche Bande.





Mit großem Gespür für das Verhalten, die Sorgen und Ängste junger Mädchen in der Selbstfindungsphase zeigt Lukas Moodysson in „Wir sind die Besten!“ drei Freundinnen beim gemeinsamen Musizieren, ersten Partys und Streitereien um süße Jungs. Augenzwinkernd und überschwänglich wird der jugendliche Drang nach Individualität und Selbstentfaltung eingefangen, wobei es Moodysson gelingt, im richtigen Moment ernste Töne anzuschlagen: Denn für die Mädchen ist ihr Punk-Dasein nicht nur äußeres Erscheinungsbild, sondern vor allem Ausdruck einer Lebenseinstellung. Dabei sind die Mädchen durchaus unterschiedlich: Während die vorlaute Klara sich gern in der Rolle der anarchischen Provokateurin sieht, ist Bobo besonders vom nonkonformistischen Gedankengut der Punk-Subkultur angetan.

Den drei jugendlichen Darstellerinnen gelingt es dabei ausgezeichnet, ihre Figuren auf der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenendasein darzustellen und nahtlos zwischen erwachsenem Gestus und kindlicher Verhaltensweise zu wechseln. Die sich ansonsten so taff gebende Bobo schreit da schon mal wie am Spieß, als sie sich in den Finger schneidet, und wenn eine Süßigkeitenorgie veranstaltet oder im Schnee getobt wird, kommt wieder das Kind im gesellschaftskritischen Punk zum Vorschein. Ihre Eltern empfinden die Mädels naturgemäß nur als peinliche Zeitgenossen und so macht sich Regisseur Moodysson einen Spaß daraus, die Erwachsenen oft ganz schön kindisch erscheinen zu lassen.

Doch bei allen komischen Momenten nimmt Moodysson seine Protagonistinnen immer ernst, driftet nie in übertriebene Albernheiten ab und lässt sich auch nie dazu hinreißen, vom märchenhaften Aufstieg einer Band zu erzählen. Realistisch und rau bleibt „Wir sind die Besten!“ in seiner Darstellung Schwedens in den frühen 80-Jahren. Die Bandgründung erscheint dabei als rebellischer Akt in einer Zeit, in der Punk-Bands noch vornehmlich Männer-Terrain waren. Wie schon sein großer Erfolg „!Zusammen!“ überzeugt auch dieser neue Film von Lukas Moodysson durch die Authentizität – ohne dabei zu nostalgisch zu werden. Dazu gibt es mal wieder einen  mitreißenden Soundtrack, der hier zeitgenössische schwedische Punkrocksongs bietet.

Fazit: „Wir sind die Besten!“ ist ein Feelgood-Jugendfilm mit Punkrockattitüde und eine verspielte Ode an Jugendrevolte und Freundschaft. Den drei frechen Freundinnen bei der Formung ihrer Band, ersten Liebesnöten und dem Ausloten von Grenzen zuzuschauen, ist ein turbulenter Spaß, den Lukas Moodysson gekonnt in Szene gesetzt hat.

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