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A Million Ways To Die In The West
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
A Million Ways To Die In The West
Von
Der Western wurde schon so oft fälschlicherweise für tot erklärt, dass man mit dem Zählen der Abgesänge gar nicht mehr hinterherkommt. Irgendwann taucht immer wieder ein neuer Vertreter dieses ur-amerikanischen Genres auf, der den scheintoten Patienten wiederbelebt. Bei der Filmparodie liegt der Fall dagegen ganz anders: Diese Spielart erfreut sich zumindest was die Menge der Produktionen angeht bester Gesundheit, zugleich ist die Kunst der liebevollen Verballhornung jedoch zu einem Sammelbecken für filmische Schmarotzer wie Aaron Seltzer und Jason Friedberg („Date Movie“, „Meine Frau, die Spartaner und ich“) geworden, die lediglich die Posen und Gesten der großen Vorbilder aufgreifen, aber inhaltlich rein gar nichts Substanzielles aufbieten. Dass es auch anders geht, zeigt „Family Guy“-Schöpfer Seth MacFarlane nun mit seiner Western-Komödie „A Million Ways To Die In The West“. Seine ebenso liebevolle wie respektlose Parodie ist von Hochachtung für die Motive und den Stil des klassischen Western geprägt – und dadurch wird sie noch einmal witziger.

1882 im Städtchen Old Stump: Schafzüchter Albert (Seth MacFarlane) ist der mieseste Cowboy weit und breit. Er schießt schrecklich schlecht, ist ein Angsthase vor dem Herrn und geht deshalb jeder physischen Auseinandersetzung aus dem Weg. Dominant ist nur sein Mundwerk: Seine große Klappe ist gepaart mit einer für den Wilden Westen ungewöhnlichen Eloquenz, was ihn im Ort endgültig zu einem Außenseiter werden lässt. Als er sich in einem Duell mal wieder wie eine Memme verhält, macht auch noch seine Freundin Louise (Amanda Seyfried) Schluss mit ihm und wirft sich stattdessen dem schneidigen Zwirbelbartträger Foy (Neil Patrick Harris) an den Hals. Die Situation wendet sich erst mit der Ankunft der Gangsterbraut Anna (Charlize Theron): Sie soll für eine Weile in Old Stump untertauchen, während ihr Mann, der gefürchtete Revolverheld Clinch (Liam Neeson) in der Nähe Geschäfte zu erledigen hat. Von dem gesetzlosen Gatten ahnt Albert nichts und verliebt sich in die selbstbewusste Amazone…


Mit seinem Komödien-Monsterhit „Ted“ schaffte „Family Guy“- und „American Dad“-Mastermind Seth MacFarlane spektakulär den Sprung vom kleinen Bildschirm auf die große Leinwand. Und bei seinem zweiten Spielfilm hat er nun schon fast so etwas wie einen eigenen patentreifen Regie- und Erzählstil fürs Kino gefunden: „A Million Ways To Die In The West“ hat die Gestalt einer abendfüllenden „Family Guy“-Episode, die mit reichlich „Ted“-Humor angereichert ist. MacFarlane bietet haufenweise komische, oft unanständige Witze auf, während die Handlung bestenfalls als Mittel zum Zweck dient. Der Regisseur, Autor und Hauptdarsteller lässt sich das Nerd-Sein weiterhin auch von Hollywood nicht austreiben und nimmt keinerlei Rücksicht auf den „guten Geschmack“. Er garniert sein scharmloses Treiben vielmehr mit Fäkalgags und anderen grenzwertigen Unarten (Stichwort: Neil Patrick Harris und die Hüte in einer „Brautalarm“-Reminiszenz): So ist der Film für Mainstream-Verhältnisse rotzfrech.

Der größte Trumpf von „A Million Ways To Die In The West“ sind zunächst einmal die lustigen und lustvollen Dialoggirlanden, die MacFarlane sich und seinem Personal knüpft. So ist der Schafzüchter Albert zwar ein Feigling und Jammerlappen, verfügt aber über außergewöhnliche rhetorische Fähigkeiten. Dadurch ist er seinen Mitmenschen in der Welt des Wilden Westens intellektuell überlegen, was diese wiederum mehr verstört als beeindruckt: Er wird schlicht nicht ernstgenommen – bis die richtige Frau auftaucht und der Ärger neue Dimensionen annimmt. Mag die Geschichte auch noch so vorhersehbar an sattsam bekannten Versatzstücken des Genres orientiert sein, sind die Figuren hierbei dennoch allesamt so sorgfältig gezeichnet, dass man sie gerne liebt oder auch hasst. Außerdem sorgt der gewiefte Entertainer MacFarlane mit lauter neckischen Nebensächlichkeiten dafür, dass niemals Langeweile droht.

Unter den Kleinigkeiten am Rande sind die Cameos besonders auffällig und von denen verdienen drei eine eigene Erwähnung. Der beste Kurzauftritt wurde leider schon in einem Trailer verramscht (für alle Unwissenden nur eine Andeutung: Es wird wunderbar eine Kult-Trilogie integriert, die in den 80ern ihren Anfang nahm), der zweite berühmte Gast ist ein alter Bekannter MacFarlanes, der als zu erschießender Cowboy kurz mitmischt und im finalen Cameo greift der Regisseur den Titel und Running Gag des Films auf: Es gibt einfach eine Million Möglichkeiten, im Wilden Westen zu sterben – und ganz besonders den Jahrmarkt sollte man meiden. Herrlich ist auch jener Einfall, den Namen der „Ted“-Schauspielerin und „Family Guy“-Sprecherin Mila Kunis („Mi-la Ku-Nis“) höchst amüsant in die Indianer-Sprache zu übertragen. So wie hier springt MacFarlane zwar oft respektlos und ruppig mit dem Western um, erweist dem Genre aber trotzdem immer wieder seine Reverenz. Besonders deutlich wird das sowohl beim schwungvoll galoppierenden Soundtrack als auch bei den majestätischen Bildern, die mehr als einen Funken Hommage in sich tragen.

Neben der Prägung durch die Vorbilder aus der Filmgeschichte ist das stärkste und einflussreichste Element in „A Million Ways To Die In The West“ aber eindeutig Seth MacFarlane selbst. Dessen größte Stärke wiederum ist sicherlich nicht das Schauspieltalent: Seine Darbietung in der Hauptrolle ist solide, fällt aber insbesondere gegenüber seinem Co-Star Charlize Theron („Prometheus“) ab. Die Oscarpreisträgerin bietet die ganze Palette – sie ist tough und sympathisch, stark und ein bisschen verletzlich. Man sieht ihr einfach gern zu, während MacFarlane doch allerhand Hampeleien vollführt und dabei nicht selten wie die Kinoversion von Charlie Harpers Bruder Alan aus „Two And A Half Men“ wirkt. Neil Patrick Harris („Die Schlümpfe“, „How I Met Your Mother“) gibt dazu genüsslich den Widerling Foy, Giovanni Ribisi („Lost In Translation“) die schüchterne männliche Jungfrau Edward, die für ihre Huren-Freundin Ruth (Sarah Silverman) die besten Termine für den nächsten Kunden-(Anal-)verkehr aushandelt. Auch Liam Neeson („Non-Stop“) beweist reichlich Selbstironie, was er speziell im Zusammenspiel mit einer Butterblume dokumentiert. Nur Amanda Seyfried („Das Leuchten der Stille“) bleibt als zickiges Liebchen weitgehend blass.

Fazit: Mit der Western-Komödie „A Million Ways To Die In The West“ zementiert Multitalent Seth MacFarlane seinen Status als einflussreicher Hollywood-Nerd, der sich keine Vorschriften machen lässt. Sein Film ist so derb wie lustig, so rau wie charmant, so eigensinnig wie massentauglich – und trotz kaum vorhandener Handlung ein Unikat.
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Kommentare

  • Mareo
    Ich lese in dieser Kritik keine negativen Punkte. Und doch kriegt der Film nur 3.5 Sterne? So etwas verstehe ich leider nicht. Man sollte begründen, warum man keine 5 Sterne vergibt. Ok Seth ist kein Schauspieltalent, aber gibt es deswegen gleich 1.5 Sterne Abzug? Liebe Filmstarts Redakteure: Begründet eure Bewertung :-) Besten Dank.
  • Bukowski1987
    Der Trailer hat mich öfters zum lachen gebracht. Außerdem bin ich großer Family Guy Fan. Wird vorgemerkt...
  • Venom
    Kann ich auch wiedermal nicht nachvollziehen. Sicherlich kein Meisterwerk, aber die Kritik liest sich halt sehr sehr positiv. Irgendwann wurde das hier von den Redakteuren auch mal erklärt, dass die Filme sozusagen bei 0 anfangen und dann Punkte bekommen. Für 5 Sterne fehlt dann halt oftmals was....aber genau das, was fehlt, sollte sich in der Kritik wiederspiegeln, sonst ist das System irgendwie sehr undurchsichtig.
  • TresChic
    Dem Trailer nach zu urteilen, ist das eine Komödie für Kinder so ala Bully Herbig Humor. Ich denke aber mal, danach darf man nicht gehen, es ist schließlich ein MacFarlane Film. Ziemlich runtergeschraubt werden die Erwartungen trotzdem bei dem Trailer :-(
  • Joachim K.
    Du fängst bei Kritiken am falschen Ende an. Eine Kritik beginnt nicht automatisch bei 5 Sterne und es werden dann Punkte (Sterne) abgezogen. Eine Kritik beginnt immer bei 0 und arbeitet sich hoch. Wie bei Prüfungen, da fängst du auch nicht bei 100 Punkten an und verlierst pro Fehler, sondern du erarbeitest dir die Punktzahl. So muss man Kritiken lesen und verstehen, dann sind die Sachen auch nachvollziehbar. Und je weniger herausragend darzustellen ist, umso weniger Punkte gibt es eben. Und wenn hier und da noch etwas negatives steht, dann werden eben auch wieder Punkte abgezogen... Exakt wie bei einer Prüfung... oder bei Wertungsrichtern in diversen Sportarten.
  • ChiliPalmer
    Der Mann muss ja nicht immer einen Hit landen, es ist erst sein zweiter Spielfilm, ich fand den ersten noch nicht mal gut...
  • ChiliPalmer
    Amen... So siehts aus...
  • TresChic
    Ted war geil. Allerdings kein Bully Herbig Humor, daher für halb Deutschland nicht lustig ;-)
  • niman7
    Freu mich schon auf den Film! Auch wenn TED mir nicht so gefallen hat.Zu den Effekten habt ihr auch nichts gesagt. Zum Beispiel sieht der Eisblock im Trailer ziemlich mies aus.
  • Da HouseCat
    naja, ich würde ihn eher wie die cornetto trilogie einstufen, schwarzer humor mit ein bischen splatter.
  • Der Eine vom Dorf
    Was bist du denn für einer? :D :D
  • Bj?rn Becher, FILMSTARTS.de
    Danke für den Hinweis. Die Wortdoppelung wird behoben.
  • Venom
    Haha, lustiger kleiner Troll. Bist du auch dick und haarig? Hier ist ein kleines Leckerli für dich. Komm und hols dir.....
  • Venom
    Warum nicht? Beide genial auf ihre Art.
  • Luphi
    Arno und der Italien-Fuzzi bekommen mal wieder Konkurrenz :D
  • Luphi
    Ein 5-Sterne-Film muss schon außergewöhnlich sein. Er muss etwas haben, das ihn von anderen Filmen abhebt. Und so etwas kristallisiert sich meiner Meinung nach auch in den seltensten Fällen beim ersten Sehen heraus. Ausnahmen wie Gravity bestätigen natürlich die Regel.Eine 3.5-Sterne-Wertung ist aber immer noch keine schlechte Wertung und eine Empfehlung, sich den Film anzuschauen. In welcher Form (Kino oder DVD), ist natürlich jedem selbst überlassen.Ich könnte auch nicht bei jedem Film begründen, warum er sich etwas mehr von einem anderen Film abhebt. Oftmals ist der Unterschied zwischen einem 3.5-Sterne- und einem 4-Sterne-Film einfach nur ein Bauchgefühl und eine Frage der Kurzweiligkeit und Unterhaltsamkeit eines Filmes und nicht an einzelnen Kritikpunkten fest zu machen.
  • Da HouseCat
    lass uns treffen, bist du nen mann oder was? ich box dich!!!
  • Da HouseCat
    geht, farlane ist ganz klar nicht jedermanns sache und nicht jeder kommt mit dem humor klar. für mich ist wright intelligenter und mehr britisch, farlane haut einem mal gerne in die eier.
  • Fain5
    WAAAAAAS der Film kriegt einen halben Punkt weniger als der Adam Sandler Schrott?!?!?! Ich hab beide Filme noch nicht gesehen und die Kritik nicht gelesehen aber das zeigt, dass ihr nicht mehr ernst zu nehmen seid. Ich hasse euch. Ich seid *******Nee mal im Ernst, ich guck mir den heute an und werde sicherlich mehr Spaß haben als ihr :)
  • ChiliPalmer
    Das ist vielleicht deine Auffassung und Bully-Humor steh ich net drauf... Das war eine stinknormale "Komödie" bei dem einer der Hauptdarsteller durch einen Teddy-Bären ersetzt wurde... Oh jaaa wie lustig /s
  • ChiliPalmer
    O.o
  • ChiliPalmer
    Und das fragst du mich?
  • ChiliPalmer
    LOL...
  • ChiliPalmer
    Nichts nichts ist alles in Ordnung.... O.o
  • ChiliPalmer
    Wenn du meinst...
  • Fain5
    Ich liebe MacFarlane alleine schon deswegen, dass er die 80er liebt und lebt.
  • Nikoprot
    Zum letzten Mal: Nicht füttern! :D
  • Fain5
    So genau wie ich es gesagt habe, hatte ich viel Spaß mit dem Film. Es ist ein typischer MacFarlane. Wer Spaß mit FamGuy und Ted hatte wird auch mit diesem Film Spaß haben. Hier werden wieder typisch für MacFarlane gewisse Eigenheiten der damaligen Zeit auf die Schippe genommen und es gibt zwei richtig geile Gastauftritte.
  • Joachim K.
    Dann hattest du wohl nicht diese Art von Lehrer, die dich gelehrt haben deine Fehler selbst zu finden, wenn du dir deine eigene Hausarbeit, Aufsatz oder Freitext nochmal durchliest. Hier die Punktekorrektur:"kaum vorhandene Handlung" (0 von 1 möglichen Punkt)"vorsehbare Geschichte aus bekannten Versatzstücken des Genres" (0,5 von 1 möglichen Punkt). => 1,5 Punkte Abzug von insgesamt 5 möglichen => 3,5 Punkte :)
  • Fain5
    ALTER -.- Was meinste warum ich nur von "Gastauftritten" gesprochen habe?!?!?!? Schön dass du hier für alle spoilerst!
  • Nikoprot
    Doch, aber eben kein Trollfutter. Deine Pferde und Bauernfamilien kannst du dir schön alleine fangen.
  • Nikoprot
    Ich habe Peralks Antworten mal als "unpassend" markiert. Doofer (Spoiler-)Troll. Die nehmen hier ja langsam überhand.
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