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    Tatort: Borowski und der brennende Mann
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Tatort: Borowski und der brennende Mann
    Von Lars-Christian Daniels
    Vier Mal ermittelte Sarah Brandt (Sibel Kekilli, „Game of Thrones“) in der Krimireihe „Tatort“ bereits an der Seite von Hauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg, „Hannah Arendt“) – und lockte den spröden Eigenbrötler bei den gemeinsamen Einsätzen im hohen Norden mit ihren frechen Sprüchen und ihrem forschem Auftreten immer wieder aus der Reserve. Das ungleiche Duo enttäuschte - auch dank dieser amüsanten Reibungspunkte – seit dem hochspannenden gemeinsamen Debüt „Borowski und die Frau am Fenster“ noch nie. Trotz der prächtig harmonierenden Ermittler weht in „Borowski und der brennende Mann“ von Regisseur Lars Kraume („Keine Lieder über Liebe“, „Die kommenden Tage“) an der Kieler Förde personell frischer Wind: Borowski und Brandt werden diesmal von einer dänischen Kollegin unterstützt, die einen Narren an den Methoden des Hauptkommissars gefressen hat. Das sorgt für ein paar köstliche Szenen, die gemeinsam mit dem packenden Showdown für einige zwischenzeitliche Längen entschädigen.

    Hauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) sind gerade mit dem Auspacken der Wichtelgeschenke beschäftigt, als die Vorweihnachtsfeier im Präsidium unverhofft unterbrochen wird: Während des traditionellen Lucia-Festes ist Michael Eckart, der Leiter einer dänischen Schule in der Nähe von Flensburg, qualvoll vor den Augen der Anwesenden verbrannt. Unter den Augenzeugen befindet sich auch Borowskis langjähriger Vorgesetzter und vorübergehender Mitbewohner Roland Schladitz (Thomas Kügel, „Cloud Atlas“), der mit dem Ort des Verbrechens ein traumatisches Kindheitserlebnis verbindet. Der Kriminalrat scheint mehr über die Hintergründe der Tat zu wissen, als er zunächst zugibt – doch bevor er Borowski und Brandt, die bei ihren Ermittlungen von der hochmotivierten Südschleswiger Kommissarin Einigsen (Lisa Werlinder, „Das Erbe“) unterstützt werden, einweihen kann, überschlagen sich die Ereignisse: Schladitz erleidet einen schweren Autounfall und ist danach nicht vernehmungsfähig – und der „brennende Mann“ bleibt nicht die einzige Leiche...

    Die Macher des Kieler „Tatorts“ scheinen nicht nur an der Verfilmung von Henning-Mankell-Vorlagen („Borowski und der vierte Mann“, „Borowski und der coole Hund“), sondern neuerdings auch an der Aufarbeitung historischer Stoffe Gefallen gefunden zu haben: Wenngleich der geschichtliche Bezug diesmal nicht ganz so konkret ausfällt wie im Vorgänger „Borowski und der freie Fall“, in dem der Badewannentod von Uwe Barschel neu aufgerollt wurde, reichen die Hintergründe des grausamen Feuertods bis in die schleswig-holsteinische Nachkriegsgeschichte zurück. Drehbuchautor Daniel Nocke, der zuletzt das Skript zum für den Grimme-Preis nominierten, äußerst kontrovers diskutierten „Tatort: Das Dorf“ schrieb, nimmt den historisch weniger sattelfesten Zuschauer dabei an die Hand: Einigsen und Schladitz erläutern die Situation der im nördlichsten Bundesland lebenden dänischen Minderheit mehr als ausführlich und Brandt rollt im Präsidium sogar eine Landkarte aus. Die Tätersuche bringt dies kaum voran, doch öffentlich-rechtliches Fernsehen unterliegt – das wird hier mehr als deutlich – noch immer einem Bildungsauftrag, durch den das Tempo im 873. „Tatort“ das ein ums andere Mal verschleppt wird.

    Nach dem spektakulären Auftaktmord auf den Treppen der dänischen Schule fällt „Borowski und der brennende Mann“ so in ein zeitweiliges Spannungstief, an dem der relativ müde inszenierte Autounfall von Schladitz und Brandt und die Leichen Nr. 2 und 3 wenig ändern. Die versierte, zugleich aber äußerst geradlinige Ermittlungsarbeit und die mühsamen Archivrecherchen werden lediglich durch ein paar amüsante Flirts zwischen Borowski und seiner niedlichen dänischen Kollegin, die sich als riesiger Fan des Kommissars entpuppt, aufgepeppt: In der spaßigsten Sequenz des Krimis räkelt sich die blonde Einigsen nur mit einem roten Trikot der dänischen Fußballnationalmannschaft und einem knappen Höschen bekleidet auf ihrem Hotelbett und lädt Borowski zu einer Reaktion ein, die der Dauer-Single unter den „Tatort“-Kommissaren schon im nächsten Augenblick bitter bereut. Brandt, die Schladitz gegenüber erstmalig ihre Epilepsie eingesteht, stellt hingegen einmal mehr ihr Ausnahmetalent am Computer unter Beweis und erledigt fernab der Ermittlungsfront die Schreibtischarbeit, so dass Provokationen und Wortgefechte mit ihrem mürrischen Kollegen diesmal die Ausnahme bleiben.

    Größte Stärke des fünften gemeinsamen Einsatzes von Borowski und Brandt ist zweifellos das stark arrangierte Finale, bei dem der „Tatort“-erfahrene Regisseure Lars Kraume (u.a. „Wer das Schweigen bricht“, „Im Namen des Vaters“) gleich zwei Gänge hochschaltet: Die bis in die letzten Krimiminuten offene Täterfrage bildet das Fundament für einen packenden Showdown, bei dem die Ermittler den Mörder im Krankenhaus in eine Falle locken. Neben dem undurchsichtigen Augenklappenträger Kviersgaard (Peter Mygind, „Tage des Zorns“) zählen noch drei weitere Personen zum engeren Kreis der Verdächtigen – und da diese Nebenrollen mit Hans Peter Hallwachs („(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“), Johanna Gastdorf („Sophie Scholl – Die letzten Tage“), und Michael Schenk („Napola – Elite für den Führer“) konsequent mit leinwanderprobten Schauspielern besetzt wurden, drängt sich erfreulicherweise keiner der Darsteller allein schon durch sein prominentes Gesicht als Täter auf.

    Fazit: Der Kieler „Tatort“ mit dem Duo Axel Milberg und Sibel Kekilli hat bisher noch nie enttäuscht – und auch „Borowski und der brennende Mann“ erweist sich wieder als unterhaltsamer Sonntagabendkrimi. Der knackige Showdown und Borowskis amüsante Flirts mit seiner bezaubernden dänischen Kollegin machen dabei einige dramaturgische Schwächen wieder wett.
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