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    The Kings Of Summer
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    The Kings Of Summer
    Von Christoph Petersen
    Natürlich freut sich auch hierzulande jeder Schüler auf die sechswöchigen Sommerferien, aber in den USA sind die Summer Holidays nicht nur doppelt so lang, sondern besitzen spätestens seit Rob Reiners 1986er-Kulthit „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ eine geradezu mythische Dimension: In der Schule mag man fürs Leben lernen, aber erwachsen wird man im Sommer! In der Kinosaison 2012/2013 gab es gleich drei US-Independent-Filme, die diesen Mythos fortgeschrieben haben: neben den gefeierten Dramen „Joe“ mit Nicolas Cage und „Mud“ mit Matthew McConaughey auch den etwas leichteren, eher als Komödie einzustufenden „The Kings Of Summer“ von Jordan Vogt-Roberts (der aktuell für den Regieposten der Videospielverfilmung „Metal Gear Solid“ gehandelt wird). Aber anders als bei den beiden erstgenannten Filmen bleibt das angestrebte Gefühl von Freiheit und Abenteuer in „The Kings Of Summer“ aus – dafür eröffnet der Regisseur viel zu viele Nebenschauplätze. Es ist ganz so, als ob der Kinodebütant seiner eigenen Geschichte nicht über den Weg trauen würde.

    Die Sommerferien gehen los und der Vater ist mal wieder eine reine Plage. Aber dann entdeckt Joe (Nick Robinson) nach einer hastig aufgelösten Jahresabschlussfeier eine versteckte Lichtung im Wald und fasst einen Entschluss: Gemeinsam mit seinem besten und ebenfalls von seinen Eltern genervten Kumpel Patrick (Gabriel Basso) will er von Zuhause abhauen, auf der Lichtung ein Haus errichten und den Sommer in der Wildnis verbringen – wie ein echter Mann. Außerdem mit dabei: ihr superbizarrer Mitschüler Biaggio (Moises Arias), der die ganze Sache besonders ernst nimmt und sich mit Tarnfarbe und Machete bewaffnet hat. Und während die Teens auf Hühnerjagd gehen und schließlich doch wieder im örtlichen Supermarkt landen, machen sich Joes alleinerziehender Vater Frank (Nick Offerman) und Patricks Eltern (Megan Mullally & Marc Evan Jackson) immer größere Sorgen…


    Das größte Plus zuerst: Das selbstgebaute Haus mit seiner Dixi-Klo-Tür und seiner aus einem Vorgarten geklauten Rutsche als Ausgang aus dem ersten Stock ist der ultimative Sommerferien-Traum! Und mit Nick Robinson („Jurassic World“) und Gabriel Basso („Super 8“) haben die Macher zwei sympathisch-ausdrucksstarke Nachwuchsstars besetzt, die von dem völlig ungehemmt aufspielenden, immer wieder herrlich-bizarre Oneliner ausstoßenden Moises Arias (der keifende Giftzwerg Bonzo aus „Ender’s Game“) kongenial ergänzt werden. Aber leider darf das Publikum kaum einmal längere Zeit mit dem Trio verbringen: Der Bau des Hauses wird mit zwei kurzen Szenen abgetan und auch die Wildnis-Abenteuer des Trios werden überwiegend in kurzen Zeitlupen-Montagen wie in einem 90er-Jahre-MTV-Videoclip abgehandelt. Jordan Vogt-Roberts weiß, wie man einen Film cool aussehen lassen kann, aber was die Flucht in die Wildnis für die Jungs emotional bedeutet und warum sie für sie das tollste Abenteuer überhaupt ist, das vermag er nicht zu vermitteln.

    Statt auf der Coming-of-Age-Geschichte liegt der erzählerische Fokus viel zu oft bei den namhafteren erwachsenen Co-Stars, die allerdings lediglich ihre üblichen Comedy-Routinen abspulen: So agiert etwa Nick Offerman in seinem aus „Parks and Recreation“ bekannten Schroffer-aber-eigentlich-doch-ganz-lieber-Brummbär-Modus und leistet sich dabei gegenüber dem chinesischen Essenslieferanten sowie dem asiatischen Freund seiner Filmtochter immer wieder lustig gemeinte, aber im Endeffekt ziemlich hohle rassistische Aussetzer. Und auch Megan Mullally belebt lediglich ihre bewusst enervierende Paraderolle aus „Will & Grace“ wieder, wenn sie den unfähigen Cops (die wiederum direkt aus einer „Brooklyn Nine-Nine“-Episode stammen könnten) Irenfeindlichkeit vorwirft. Diese großzügig eingestreuten Sitcom-Routinen wirken nicht nur wie Fremdkörper, sie degradieren zudem alle erwachsenen Figuren zu bloßen Karikaturen – was vor allem gegen Ende zum Problem wird, wenn es sich der Regisseur und sein Drehbuchautor Chris Galletta anders überlegen und der Zuschauer plötzlich Mitgefühl mit diesen Personen haben soll. Weitaus störender als diese Inkonsequenz sind im letzten Filmdrittel allerdings noch die hemmungslos überkonstruierten Konflikte zwischen dem Teenie-Trio der Haupthandlung.

    Fazit: Jordan Vogt-Roberts strebt mit „The Kings Of Summer“ unübersehbar so etwas wie ein stylisch-hippes Update des Coming-of-Age-Überklassikers „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommer“ an – aber statt Herz und Charme bietet er vor allem ausgelutschte Independent-Kino-Klischees und abgedroschene Sitcom-Routinen.
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