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    DeAD
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    DeAD
    Von Michael Meyns

    Deutsches Genrekino. Diese Kombination scheint sich geradezu auszuschließen. Versucht sich ein hiesiger Regisseur einmal an einem richtigen Genrefilm (und damit sind nicht die Klamotten von Schweiger, Schweighöfer und Co. gemeint), wirkt das Ergebnis oftmals sehr bemüht. Auch Debütregisseur Sven Halfar versucht sich in „DeAD“ an Genremustern, zitiert Tarantino, Western und allerlei Pulp, weiß aber nicht so recht wohin mit dem Ganzen. So wird sein anfangs hoffnungsvolles Debüt schnell zu einer weiteren sehr biederen Familiengeschichte, bei der mit vielen Worten alte Wäsche gewaschen wird. Und das ist dann im schlechtesten Sinne sehr Deutsch.

    Tot findet der sonst so coole Patrick (Tilman Strauss) seine Mutter in deren versiffter Wohnung. Sie hat sich erhängt, erschöpft von einem Leben im Rausch. Den Schuldigen sieht Patrick in Reimund Borz (Thomas Schendel), mit dem seine Mutter vor Jahrzehnten einen One-Night-Stand hatte, dessen Ergebnis er selbst ist. Zusammen mit seinem Kumpel Elmer (Niklas Kohrt) macht sich Patrick auf den Weg ins schicke Eigenheim seines Erzeugers. Der feiert gerade seinen 60. Geburtstag, gemeinsam mit der aktuellen Gattin Judith (Judith Rosmair), deren pubertierender Tochter Romy (Ruby O. Fee) und Reimunds Ex-Frau Birgit (Suzanne von Borsody) samt dem schnöseligen Sohn Holger (Tobias Kay). Im Laufe eines zunehmend intensiven, zunehmend blutigen Nachmittages kommen lange verdrängte Geheimnisse an die Oberfläche, die die schöne Fassade der heilen Vorstadtwelt zum Einsturz bringen.

    Durchaus rasant beginnt Sven Halfars Spielfilmdebüt „DeAD“: ein animierter Vorspann, grelle Farben, coole Typen mit Tolle im Haar, die im 70er-Jahre Sportwagen durch die Gegend rasen. Ein bisschen sehr nach Quentin Tarantino sieht das Ganze zwar aus, aber es gibt ja durchaus schlechtere Vorbilder. Parallel dazu wird von Reimund Borz erzählt, einem Schuldirektor, der verheiratet ist und sich in seiner Freizeit gerne von seiner Geliebten mit der Peitsche bearbeiten lässt. Unweigerlich laufen die beiden Handlungsstränge bald zusammen.

    Irgendwie soll es dabei wohl um väterliche Verantwortung gehen, um die Folgen von Handlungen, die teils weit in der Vergangenheit zurückliegen. Warum sich Patricks Mutter ausgerechnet jetzt das Leben nimmt und was das mit einem ewig zurückliegenden One-Night-Stand zu tun haben soll, bleibt nicht die einzige Ungereimtheit der zunehmend konfusen Geschichte. Nach gut einer halben Stunde hat Halfar sein Personal in der Villa zusammengebracht, eine durchaus ansprechende Situation etabliert – und verliert plötzlich jeglichen Mut.

    Als wüsste er nicht wohin mit seinen Figuren und seiner Geschichte, wird aus „DeAD“ (man beachte die „originelle“ Schreibweise) schnell ein lahmes Kammerspiel: Auf unterschiedliche Weise gestörte Figuren, die sich in langen, allzu oft langatmigen Dialogen verbal an die Gurgel gehen. Diese Dekonstruktion von Familienstrukturen wurde im deutschen Kino in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder durchexerziert, oft mit viel höherer Qualität. Statt die anfänglichen Ansätze weiterzuführen, etwas zu riskieren, vielleicht auch grandios zu scheitern, schlägt Sven Halfar eine nur vermeintlich sichere Bahn ein: Doch was er dabei über Familien und ihre Probleme zu erzählen hat, ist weder originell noch interessant sondern schlichtweg langweilig.

    Fazit: Nach flotten Beginn, der Hoffnung auf einen interessanten deutschen Genre-Film macht, verkommt Sven Halfars Regiedebüt „DeAD“ bald zum überaus konventionellen Kammerspiel, bei dem sich gute Schauspieler Plattitüden an den Kopf werfen und an einer unoriginellen Geschichte scheitern.

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