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    Where's the beer and when do we get paid?
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Where's the beer and when do we get paid?
    Von Niklas Pollmann

    Jimmy Carl Black sitzt auf der Terrasse seiner Wohnung im bayerischen Höpfling und sinniert über seine Zeit als Drummer der legendären Frank-Zappa-Band Mothers of Invention: Reich und berühmt habe Zappa ihn machen wollen - berühmt sei er tatsächlich geworden, aber niemals reich. Dann schaut Black in die Kamera und witzelt „aber vielleicht werde ich ja mit diesem Film hier reich“. „Dieser Film“ ist „Where's the beer and when do we get paid?“, eine Dokumentation der Regisseurinnen Sigrun Köhler und Wiltrud Baier, die Jimmy Carl Black in den letzten beiden Jahren seines Lebens im beschaulichen Bayern begleiteten, bevor er 2008 wie Frank Zappa und viele seiner ehemaligen Bandkollegen dem Krebs zum Opfer fiel. Dem Regie-Duo ist dabei ein persönlicher, aber mangels roten Fadens nur selten wirklich spannender Dokumentarfilm gelungen.

    Frank Zappa zählt ohne Frage zu den spannendsten Künstlern des zurückliegenden Jahrhunderts, umso erfreulicher, dass es dem Regie-Duo hinter „Where's the beer and when do we get paid?“ gelingt, Jimmy Carl Black nicht zum bloßen Zappa-Zeitzeugen zu degradieren, sondern den Mothers-Schlagzeuger als eigenständige (Musiker)-persönlichkeit zu zeigen. So viel Fingerspitzengefühl beweisen die Regisseurinnen aber nicht immer: Besonders der Versuch, das Zusammentreffen von amerikanischer Rocklegende und konservativen Niederbayern als gigantischen Culture Clash darzustellen wirkt arg verkrampft. In einer besonders unnötigen, zweiminütigen (!) Szene sieht man da gar einmal einen bayerischen Handwerker bei der Arbeit, der von einem Kollegen angefeuert wird, weil das Hämmern ja gut fürs Trommeln sei. Für diesen gewollten Kontrast zum Bild es Lebens einer Rocklegende wird in Kauf genommen, dass der Film oft wie eine Dokumentation über bajuwarische Folklore wirkt. Viel greifbarer und nicht zuletzt unterhaltsamer bringt Jimmy Carl Black selbst die deutsch-amerikanischen Unterschiede auf den Punkt, indem er sich etwa darüber mokiert, dass John Wayne deutsch vertont einfach nicht funktioniere oder dass man Drumsticks hierzulande nur in Zweierpaaren kaufen kann.

    Ohnehin sind die stärksten Momente der Dokumentation jene, in denen Jimmy Carl Black etwas von seiner Persönlichkeit und seinen Erfahrungen als Musiker preisgibt. Da erzählt er zum Beispiel, dass seine deutsche Frau ihn nur heiratete, weil er mit Frank Zappa zusammenspielte und ihre Hochzeit daher an Zappas Geburtstag stattfand. Fast tragisch wird es sogar, wenn man Black und ähnlich alternde Kollegen auf seiner letzten Tour durch Amerika verfolgt, zu der er zwecks fehlender Rente gezwungen ist. Das Material, das die Regisseurinnen in den letzten Lebensjahren Jimmy Carl Blacks gesammelt haben, ist schlicht und einfach eindrucksvoll. Allerdings ist die Struktur nicht immer schlüssig. Ständig springen sie zwischen Tour in Amerika, Leben in Bayern, Interviews mit ehemaligen Bandkollegen und wenig aufschlussreichen Kommentaren seiner deutschen Mitbürger umher und werden so dem fraglos spannenden Leben Blacks zu selten gerecht.

    Fazit: „Where's the beer and when do we get paid?“ ist letztlich vor allem für Zappa-Fans interessant, die für jedes Detail aus der Mothers-of-Invention-Zeit dankbar sind. Zuschauer, denen die Musik unbekannt ist, werden eher gelangweilt sein und weder an die Magie Frank Zappas noch an den Musiker Jimmy Carl Black herangeführt.

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