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Game Night
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Game Night
Von
Wer – wie der Autor dieser Kritik - auf Brettspiele steht, der wird schon mit dem Vorspann zu „Game Night“ seine wahre Freude haben. Darin fallen nämlich nicht nur die Logos der Filmstudios Warner Bros. und New Line in Form von Spielsteinen durchs Bild, im Hintergrund lassen sich auch noch etliche weitere legendäre Plastikteilchen entdecken - vom Seil aus „Cluedo“ bis zu den Pizzaecken aus „Trivial Pursuit“. Es ist eine der großen Stärken des Films, dass man den Machern um das Regie-Duo John Francis Daley und Jonathan Goldstein („Vacation – Wir sind die Griswolds“) ihre Leidenschaft für Gesellschaftsspiele tatsächlich abnimmt – und Jason Bateman und Rachel McAdams gelingt dazu das Kunststück, ungesund übertriebenen Ehrgeiz zu verkörpern, ohne deshalb auch nur ein einziges Mal unsympathisch zu wirken. Umso bedauerlicher ist es, dass die nach etwa einer halben Stunde einsetzende Haupthandlung kaum noch etwas mit der zuvor etablierten Gesellschaftsspielobsession zu tun hat, sondern sich dann doch als recht typischer Action-Komödien-Plot entpuppt. Aber die starken Schauspieler bleiben ja – und nachdem die Protagonisten einem beim Scharadespielen ans Herz gewachsen sind, drückt man ihnen anschließend auch im Action-Getümmel viel stärker die Daumen, als man es wohl ohne den Spieleabendauftakt getan hätte.

Max (Jason Bateman) und Annie (Rachel McAdams) sind nicht nur ebenso passionierte wie ehrgeizige Gesellschaftsspieler, sie haben sich sogar bei einem Kneipenquiz kennengelernt, wo sie gleichzeitig die Frage nach dem Namen des lilafarbenen Teletubbie richtig beantwortet haben. Den Heiratsantrag hat Max seiner Angebeteten bei einer Runde Scharade gemacht und die regelmäßigen Spieleabende mit guten Freunden sind für beide noch immer das absolute Highlight der Woche. Aber dann richtet zur Abwechslung mal Max‘ supererfolgreicher Investor-Bruder Brooks (Kyle Chandler) einen der Spieleabende in seiner Villa aus – geplant ist ein Entführungsspiel mit Schauspielern und allem Drum und Dran. Nur wird Brooks im selben Moment tatsächlich gekidnappt, wobei all seine Gäste natürlich glauben, die epische Schlägerei vor ihren Augen wäre bloß Teil der Inszenierung. Und während Brooks mit einem Beutel über seinem Kopf um sein Leben bangt, machen sich Max, Annie & Co. daran, all die „falschen“ Hinweise zu entschlüsseln, die sie in diesem „Spiel“ zum entführten Opfer führen sollen…


Selbst der Heiratsantrag findet hier per Gesellschaftsspiel statt: Jason Bateman („Kill The Boss“) und Rachel McAdams („Doctor Strange“) spielen zwei durch und durch Besessene – und trotzdem würde man einiges dafür geben, zu einem ihrer Spieleabende eingeladen zu werden. Das geht übrigens auch dem ein Haus weiter lebenden Cop Gary Kingsbury so, der seit seiner Scheidung (er wurde immer nur wegen seiner Frau eingeladen) nicht mehr mitspielen darf – Jesse Plemons („Black Mass“) erweist sich in der Rolle des sehr, sehr, sehr merkwürdigen Gesetzeshüters immer wieder als gar nicht so heimlicher, konsequent szenenstehlender Star des Films. Schönling Ryan („Into The Woods“-Prinz Billy Magnussen) bringt unterdessen immer wieder andere hohlköpfige Models mit, die dann auf die Frage nach „den Allerbesten, der absoluten Elite“ ganz unbedarft mit „weiße Menschen“ antworten – schön böse. Nur das dritte Pärchen im Spieleabendverbund fällt ein wenig ab: Wenn Kevin (Lamorne Morris) den ganzen Abend über herauszufinden versucht, mit welchem Hollywoodstar seine Ehefrau Michelle (Kylie Bunbury) denn nun früher mal Sex gehabt hat, zündet der Running Gag inklusive viel zu langer Auflösungs-Rückblende einfach nicht und bremst die Story nur immer wieder unnötig aus.

Wenn dann der Action-Plot einsetzt, reiht Autor Mark Perez („S.H.I.T. – Die Highschool GmbH“) einfach jede Menge bekannte Genreversatzstücke aneinander – so müssen die total überforderten Durchschnitts-Gesellschaftsspieler plötzlich ein startendes Flugzeug stoppen oder etwas aus einer Villa holen, die bis obenhin mit zwielichtigen Gangstertypen gefüllt ist (wirklich lustig ist hingegen, wie Annie versucht, eine Kugel aus dem Arm ihres Mannes zu pulen versucht, das tut schon beim Hinschauen richtig weh). Trotzdem bleibt die ganze Zeit die Hoffnung, dass am Ende eine Auflösung folgt, die dann wieder an die Cleverness der ersten halben Stunde anknüpft – und diese wird zumindest zur Hälfte auch erfüllt: Wir haben den Film bisher zwar nur einmal gesehen und hegen den sehr starken Verdacht, dass die Wendungen von „Game Night“ beim zweiten Anschauen wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen werden. Aber beim ersten Mal machen sie einfach Spaß – und darauf kommt es bei einer solchen Komödie anders als bei einem Twist-Thriller wie David Finchers „The Game“ ja auch in erster Linie an.

Fazit: „The Game“ trifft auf „Agent Null Null Nix“! „Game Night“ entpuppt sich als lange nicht so clever, wie man es sich nach der vielversprechenden ersten halben Stunde erhofft – trotzdem steht am Ende eine solide Action-Komödie mit gewinnenden Schauspielern.
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