The International Criminal Court
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion The International Criminal Court

3,0


Von Asokan Nirmalarajah

Am 1. Juli 2002 nahm der Internationale Strafgerichtshof, besser bekannt unter dem Kürzel ICC (International Criminal Court), seine Arbeit auf. Über 100 Staaten hatten bei einer Konferenz in Rom das so genannte Römische Statut verabschiedet, dass dem Gericht die Möglichkeit gab, Kriegsverbrecher wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord anzuklagen. Als erster Chefankläger wurde der Argentinier Luis Moreno Ocampo berufen, der bis Mitte 2012 dem ICC sein fotogenes Gesicht lieh. In Markus Vetters („Cinema Jenin") und Michele Gentiles Dokumentation „The Court" steht der jovial und charmant auftretende Ocampo auch stets im Mittelpunkt. Hinter der Persönlichkeit des ergrauten Staranwalts kommt das eigentliche Thema - die Arbeit und Aufgabe des ICC – ein wenig zu kurz, dennoch ist die ansprechend inszenierte Dokumentation eine interessante Einführung in die Welt des Internationalen Rechts.

Der hektische Alltag des ICC-Chefanklägers Luis Moreno Ocampo steht im Mittelpunkt der deutsch-schweizerischen Co-Produktion. Über mehrere Jahre hatten die Filmemacher Zugang zum argentinischen Staranwalt und zeigen ihn und sein Team während der intensiven Vorbereitungen auf die Verhandlung gegen den ehemaligen kongolesischen Rebellenführer Thomas Lubanga, der wegen der Rekrutierung und Ausbeutung von Kindersoldaten angeklagt ist. Parallel dazu muss sich Ocampo mit möglichen Kriegsverbrechen während des Bürgerkriegs in Libyen befassen und sieht sich in Bezug auf den Gazakrieg mit komplizierten rechtlichen Problemen konfrontiert. Zudem werden zahlreichen PR-Maßnahmen dokumentiert, bei denen zum Beispiel Angelina Jolie zu sehen ist oder Ben Ferencz, der ehemalige Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen gegen Nationalsozialisten.

Die Weltpremiere von „The Court" fand am 23. März 2013 in Den Haag auf dem Amnesty International Filmfestival unter dem Banner „Movies That Matter" statt. Dass der Film mit einem flammenden Plädoyers Angelina Jolies beginnt, erzeugt die Befürchtung, Marcus Vetters und Michele Gentiles Dokumentation werde denselben weltverbesserischen Ton anschlagen, den man nicht zuletzt von Hollywood-Produktionen zum Thema Kindersoldaten findet. Doch angesichts des nüchtern-sachlichen Tons der Filmemacher ist man schnell beruhigt: Ohne erklärenden Off-Kommentar und lediglich mit der Einblendung von Namen, Positionen und zeitlichen wie örtlichen Koordinaten führt der Film durch das Geschehen. Die Kameraarbeit ist zurückhaltend, fängt aber immer wieder kleine, sprechende Details ein.

Allerdings erfährt man weder über die Geschichte des ICC noch die Ocampos besonders viel und auch das moralische, politische und ökonomische Interessengeflecht des ICC kann „The Court" nur andeuten. Vetter und Gentile gelingt es aber, die idealistischen und vielbeschäftigten Menschen hinter der Institution ins Blickfeld zu rücken: Hinter der geschäftigen Geräuschkulisse von Laptops, Handys, dem kakophonischen Stimmen- und Meinungsstrom, stehen immer noch Menschen, die versuchen, das Chaos der Welt zu ordnen. Und wenn es dann vor Gericht ans Eingemachte geht, wenn die sorgsam vorbereiteten Formulierungen fehlerhaft präsentiert werden und der Richter des ICC Genauigkeit einfordert, dann wirkt „The Court" wie ein spannender Justizthriller. Da verzeiht man der Montage auch etwas unglückliche Aneinanderreihungen von Szenen, die Ocampo beim Frühstück in seiner großen Wohnung zeigen und weinende Kindersoldaten bei ihrer Misshandlung im Kriegsgebiet.

Fazit: Markus Vetters und Michele Gentiles Dokumentation über den Arbeitsalltag des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag liefert einen kurzen, interessanten Einblick in die Welt der Paragraphen und der internationalen Politik. Ästhetisch eher nüchtern gehalten und sachlich distanziert erzählt, erfährt man zwar nicht viel über die inneren Abläufe des ICC, bekommt aber einen guten Eindruck von den Menschen hinter der Institution.

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