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Tatort: Kopfgeld
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Tatort: Kopfgeld
Von Lars-Christian Daniels
Die Freude über die Rekord-Einschaltquote war nur von kurzer Dauer: Bereits zwei Wochen nach seinem mit Spannung erwarteten ersten „Tatort: Willkommen in Hamburg“ musste Hauptdarsteller Til Schweiger machtlos mit ansehen, wie die Münsteraner Publikumslieblinge Frank Thiel (Axel Prahl) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) mit dem „Tatort: Summ, Summ, Summ“ noch rund 240.000 Zuschauer mehr vor den Fernseher lockten. Dennoch waren die über zwölf Millionen Zuschauer für Schweigers Debüt im März 2013 natürlich ein herausragender Wert. Allen Unkenrufen zum Trotz war der bereits vor der Erstausstrahlung kontrovers diskutierte „Tatort“ zudem ein handwerklich gut gemachter, überraschend selbstironischer („Tschiller, mit T. Ich nuschel ‘n bisschen.“) und durchaus spannender Actionkrimi, der lediglich unter seinen Plattitüden und den kitschigen Vater-Tochter-Szenen mit Luna Schweiger litt. Beim Nachfolger „Kopfgeld“, bei dem erneut Regisseur Christian Alvart („Banklady“) und Drehbuchautor Christoph Darnstädt („Das Experiment“) am Ruder sitzen, ist das ähnlich: Schweigers zweiter Einsatz ist das erwartete, für die Krimireihe ungewöhnlich harte Actionspektakel, fällt aber deutlich humorloser aus und bietet dabei ähnlich wenig Tiefgang wie der Vorgänger. Der leichenreichste „Tatort“ aller Zeiten erinnert an die RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ und bleibt in Sachen Unterhaltungswert etwas hinter dem kurzweiligen Popcorn-Spaß „Willkommen in Hamburg“ zurück.

In der Hamburger Unterwelt tobt ein Bandenkrieg: Der kurdische Astan-Clan ringt mit dem türkischen Bürsum-Clan um die Macht. Als LKA-Ermittler Nick Tschiller (Til Schweiger), der den einflussreichen Firat Astan (Erdal Yildiz) und dessen querschnittgelähmten Bruder Ismael (Sahin Eryilmaz) hinter Gitter gebracht hat, seine Ex-Frau Isabella (Stefanie Stappenbeck) zum Flughafen fährt, geht plötzlich eine Bombe hoch: Astan hat vom Gefängnis aus einen Anschlag auf sein Leben veranlasst, doch Tschiller kann sich und Isabella in letzter Sekunde aus dem explodierenden Auto retten. Sein Kollege Yalcin Gümer (Fahri Yardim) lässt den Hauptkommissar daraufhin für tot erklären – doch Tschiller denkt gar nicht daran, vorübergehend abzutauchen und bei den Ermittlungen kürzer zu treten. Stattdessen stattet er Astan einen Besuch im Gefängnis ab und geigt ihm gehörig die Meinung. Doch der Clan-Boss zeigt sich unbeeindruckt: Er setzt ein Kopfgeld auf Tschiller aus. Als der LKA-Ermittler wenig später erfährt, dass eine große Lieferung Crystal Meth in den Hamburger Hafen unterwegs ist, bricht der Krieg zwischen den verfeindeten Clans offen aus. Tschiller holt sich den Drogenspezialisten des LKA, Enno Kromer (Ralph Herforth), zu Hilfe, der seit Jahren vergeblich versucht, den Drogensumpf in der Hansestadt trocken zu legen. Unterstützung bekommt Tschiller auch von seiner neuen Flamme, Staatsanwältin Hanna Lennertz (Edita Malovcic), und seinen Kollegen Ines Kallwey (Britta Hammelstein) und Holger Petretti (Tim Wilde).


Fick dich“, „Arschloch“, „Fotze“: Es weht ein rauer Wind in der Hamburger Unterwelt, und entsprechend derb fällt auch der Jargon aus, dessen sich Kriminelle und Kommissare bedienen. Doch der „Tatort: Kopfgeld“ ist nicht nur verbal eine der härtesten Folgen in der Geschichte der Krimireihe: Auf stolze neunzehn Leichen kommt der Actionthriller am Ende – so viele wie nie zuvor. Rüpel-Cop Tschiller ballert und prügelt sich erneut durch die Hansestadt und pulverisiert nicht nur seinen eigenen Body Count aus „Willkommen in Hamburg“, sondern auch den bisherigen Rekord von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser), die es im hochspannenden Wiener „Tatort: Kein Entkommen“ immerhin auf fünfzehn Tote brachten. Mehr Leichen machen aber noch lange keinen besseren Krimi: „Kopfgeld“ bleibt – von Christian Alvarts erneut starker Regie einmal abgesehen – in vielerlei Hinsicht hinter dem Tschiller-Erstling zurück. Neben den vielen Plattitüden, die bereits im ersten Schweiger-„Tatort“ störend auffielen, schießen die Filmemacher diesmal auch bei den pseudolässigen Dialogen über das Ziel hinaus – hier will man mit Anglizismen und lockerem Hamburger Schnack offenbar bei der jungen Zielgruppe punkten. „Wie talkst du eigentlich mit mir!“, brüllt Publikumsliebling Yalcin Gümer den inhaftierten Astan-Kumpel Amed (Kasem Hoxha) an, und scheint dabei selbst nicht so ganz zu wissen, warum Drehbuchautor Christoph Darnstädt auf das deutsche Wort „reden“ verzichtet hat.

Auch sonst fällt der Auftritt des schnodderigen Sidekicks, der in „Willkommen in Hamburg“ viele Szenen stahl und Tschiller mit seinen flotten Sprüchen Paroli bot, diesmal etwas weniger sympathisch aus: Gümer kommen bei seinem zweiten Einsatz kaum noch witzige One-Liner über die Lippen – der Hauptgrund dafür, dass „Kopfgeld“ unter dem Strich deutlich ernster ausfällt als der Vorgänger. In der ersten halben Krimistunde wirkt Tschillers bessere Hälfte fast ein wenig neunmalklug, weil er die Political Incorrectness seiner LKA-Kollegen regelmäßig mit kritischen Einwürfen wieder gerade biegt. Ansonsten muss sich der türkischstämmige Cop vor allem als IT-Profi und bei Handy-Ortungen beweisen, was der auf ein Minimum reduzierten Ermittlungsarbeit, die meist hinter Geballer und Gebrüll zurück stehen muss, einen auffällig modernen Anstrich verleiht. Für die kitschig und angestaubt wirkenden Vater-Tochter-Szenen mit der pubertierenden Lenny (Luna Schweiger) – ein klares Zugeständnis an Schweigers Kinopublikum – gilt dies freilich nicht: Hier tritt zwar Tschillers weicher Kern unter der harten Schale des Bad Cops zutage, doch wirken die konstruierten Gespräche in der temporeichen Kriminalhandlung wie ein Fremdkörper und bremsen den Actionkrimi ein ums andere Mal aus.

Dem zweiten Hamburger „Tatort“ unter Regie von Christian Alvart fehlt es diesmal aber auch an einem charismatischen Gegenspieler: Während in „Willkommen in Hamburg“ der zukünftige Berliner „Tatort“-Kommissar Mark Waschke als schmieriger Ex-Cop Max Brenner glänzte, ist der Feind für die Ermittler diesmal kaum greifbar. Clan-Anführer Aykut Bürsum (Martin Umbach) taucht erst in den Schlussminuten auf, die einflussreichsten Astan-Köpfe sitzen hinter Gittern und deren Schergen unter Führung des finsteren Rahid (schön fies: Carlo Ljubek) bleiben ebenso wie Kickbox-Lehrer Idris (Murathan Muslu) austauschbare Stereotypen. Dass sich der skrupellose Schläger Rahid ausgerechnet Staatsanwältin Hanna Lennertz (Edita Malovcic), mit der Tschiller einleitend eine Nummer schiebt und dabei natürlich von Frau und Tochter überrascht wird, zur Brust nimmt, verleiht dem Geschehen kaum zusätzliche Dramatik: Lennertz verbringt die zweite Filmhälfte zwar schwer gezeichnet im Krankenhausbett, doch ihr Schicksal als unschuldiges Opfer brutaler Clan-Gewalt macht nur bedingt betroffen, weil der Zuschauer sie eigentlich nie richtig kennenlernen durfte. So bleibt der zynische Enno Kromer (Ralph Herforth, „Schutzengel“) die interessanteste Figur der Geschichte – doch leider wird das falsche Spiel des frustrierten Drogenexperten schon im ersten Krimidrittel offengelegt. So verpufft der finale Twist beim fiebrigen und atmosphärisch dicht inszenierten Showdown im Hamburger Hafen letztlich ohne Verblüffungseffekt.

Fazit: Mehr Geballer, mehr Action, mehr Leichen – stärker als Schweigers erster „Tatort“-Einsatz ist der zweite aber nicht. Der stark inszenierte Großstadtthriller „Kopfgeld“ bleibt trotz guter Kamera und Regie leicht hinter dem Vorgänger „Willkommen in Hamburg“ zurück und liefert außer knackiger Action vor allem platte Sprüche, austauschbare Figuren und müde Vater-Tochter-Szenen.

Übrigens: Auch der neue Leichenrekord von Nick Tschiller und Yalcin Gümer ist keiner für die Ewigkeit. Der Hessische Rundfunk hat für den Wiesbadener „Tatort: Butterfly – Im Schmerz geboren“ (geplant für Oktober 2014) mit Felix Murot (Ulrich Tukur) sage und schreibe 47 Leichen angekündigt.

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Kommentare

  • screener
    trotzdem wieder quotenknaller ;)
  • Thilo Schulz
    Es ist eben ein Actionfilm und kein Krimi. Dass der Actioner nicht als Krimi taugt, ist doch klar. Wenn man den Film als Film und nicht als „Tatort" schaut ist er meiner Meinung nach erstaunlich gut. Wo ich mich bei jedem deutschen Versuch an amerikanisches Actionkino heran zu kommen bös fremdschäme, habe ich mich bei „Kopfgeld" einfach gut unterhalten gefühlt. Btw: „Wie talkst du eigentlich mit mir?" ist ein schlechtes Beispiel für Anglizismen. Das würde man auch im plattdeutschen so sagen, aber das muss man als Nicht-Norddeutscher ja nicht unbedingt wissen.
  • Der Eine vom Dorf
    Fakt ist doch trotzdem, dass das ziemlich lächerlich klingt.
  • TresChic
    Absolut cooler Actionfilm. Die Deutschen können es also doch, dank Schweiger. Mal ehrlich, es hakken zwar viele Deppen auf Schweiger ein aber wer kann ihm denn biete International das Wasser reichen? Der wagt wenigstens was.
  • Godzilla
    Seit langer Zeit, habe ich während eines Tatorts weggeschaltet. Was für ein konstruierter und müder Abklatsch des amerikanischen Krimi-Thrillers. Ich schaue Tatort, weil diese Sendung seine eigene Note hat. Ich brauche dieses Schweiger Format nicht in einem Tatort. Til Schweiger und Family sollen weiterhin kokowäh- und nullhasenfilme drehen.
  • Der Eine vom Dorf
    Für mich war die Folge ganz einfach ein weiterer Schweiger-Actionfilm. Aber kein "Tatort". Bitte, bitte, bitte (!!!!) verschont uns doch beim nächsten Mal vor Schweigers unglaublich talentfreier Tochter. Es gibt ja viele Schauspiel-Nieten in Deutschland, aber dieses Mädchen setzt dem Ganzen die Krone auf.
  • TresChic
    Hast du dir mal Gedanken darüber gemacht, was das für eine "eigene Note" ist? Klamauk und Kalauer ala Liefers? Altdeutsche Ernshaftigkeit ala Krol? Bayrische Gemütlichkeit und Stumpfsinn ala Nemec und Batic? Soll ich fortfahren? Nee, oder! Es gibt sie nicht, die eigene Note. Wenn dann nur in Form von 'wir haben eine eigene Note: wir umfassen das volle Programm'. Wenn Klamauk und Stumpfsinn Platz haben, dann bitte auch prollige Action.
  • gergela
    Ich spreche fließend Plattdeutsch, auch im Alltag, aber ich wüsste nicht, dass „Wie talkst du eigentlich mit mir?" eine plattdeutsche Floskel ist..."Schnacken" ist o.k., aber "talken"?
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