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Vampire Hunter D: Bloodlust
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Vampire Hunter D: Bloodlust
Von Ulf Lepelmeier
Seit der Geburtsstunde des Dracula-Mythos’ im Jahre 1931 hat der Vampir als blutsaugendes Geschöpf der Nacht viele Menschen in seinen Bann gezogen. Nicht verwunderlich also, dass Autoren und Filmemacher immer wieder die zumeist aristokratisch anmutenden Gestalten in ihren Werken agieren lassen. Hideyuki Kikuchi, einer der bekanntesten japanischen Science- Fiction-Autoren, erschuf aus dieser Tradition heraus den „Vampire Hunter D“, der in einer postatomaren Welt, die zurück in mittelalterliche Verhältnisse gefallen zu sein scheint, den letzten Blutsaugern nach dem Leben trachtet. Seit der ersten Buchveröffentlichung der Mär um den Vampirjäger, der als Dunpeal sowohl menschliche als auch vampirische Gene sein eigen nennt und somit von keiner der beiden Parteien akzeptiert wird, genießt die Reihe große Popularität und brachte es seit Anfang der Achtziger auf 22 Bände. Schon 1985 fand eine erste Anime-Adaptation statt, bevor im Jahre 2000 ein lose auf dem dritten Roman der Reihe basierender Animationsfilm in Japan seine Uraufführung feierte. Das Studio Madhouse schuf in einer neuartigen, vorbildlichen internationalen Kooperation einen Film, der vor allem durch seine optische Brillanz zu begeistern vermag.

In einer weit entfernten dunklen Zukunft, tausende Jahre nach der atomaren Katastrophe, ist das Zeitalter der herrschenden Klasse der Vampire bereits wieder Vergangenheit. Die Blutsauger stehen dank der Berufsklasse der Jäger kurz vor ihrer Ausrottung. Auf den Kopf des Vampirs Meier Link ist eine hohe Belohnung ausgesetzt, da er Charlotte, die Tochter einer wohlhabenden Familie, entführt haben soll. Doch nicht nur der geheimnisvolle Kopfgeldjäger D, der als Dunpil über besondere Kräfte verfügt, sondern auch das Vampirjägerteam der Marcusbrüder nimmt in seinem gepanzerten Gefährt die Jagd auf Meier Link auf. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, und keiner weiß von der dunklen Macht, die im Geheimen die Fäden zieht und sie in eine schreckliche Falle lockt.

Die Geschichte des „Vampire Hunter D“ verwebt das Genre des Westerns mit einem klassisch- viktorianischen Vampirfilm-Setting und einem Endzeitszenario, wirkt erstaunlicherweise aber trotzdem nicht abstrus oder überladen. Entfalten kann sich diese extravagante Genremischung in hervorragender, richtungsweisender Animationsqualität. Die Landschaften, die Charaktere, die Bewegungsabläufe und Übergänge – alles wird höchsten Ansprüchen gerecht. Die Akustik schafft es mit der optischen Präsentation mitzuhalten. Manchmal bombastisch, manchmal unauffällig umspielt sie die faszinierenden Bilder. Auch die Kämpfe wissen mit ihrer teilweise ausgefallenen Inszenierung zu überzeugen. Fantasievolle Charaktere und eine deutsche Synchronisation, die sich wahrlich nicht zu verstecken braucht, unterstreichen den positiven Eindruck. Der Einfall, der linken Hand des Jägers ein Eigenleben zu geben, es soll sich um eine parasitäre Lebensform handeln, ist innovativ und durch die humoristischen Kommentare dieses Wesens erfährt der ansonsten düstere Film eine merkliche Auflockerung.

Doch es wird versäumt, das Potential, das zweifellos die Lebensgeschichte des Protagonisten in sich birgt, auch nur ansatzweise zu nutzen. So wird auf das Schicksal des Dunpeal-Daseins nicht wirklich eingegangen, wird nicht erklärt, warum Vampirjäger D sich überhaupt für die Menschen einsetzt und seine Blutsverwandten verfolgt und wird auch nicht offengelegt wie oder warum er die Symbiose mit einem Parasiten einging. An der Story ist zwar prinzipiell nichts zu bemängeln, sie weiß aber nicht zu begeistern. Auch wenn die Bilder noch so eindrucksvoll sein mögen, die Geschichte hätte andere Schwerpunkte setzen müssen. So nimmt die Flucht des Vampirs Meier Link in seiner Kutsche vor den auf ihn angesetzten Verfolgern einen Großteil der Zeit in Anspruch, die darauf bezeichnender Weise in anderen Passagen fehlt.

Insgesamt ist der Film schon wegen seiner grandiosen optischen Qualität sehenswert und natürlich allen Liebhabern von Vampirfilmen wärmstens zu empfehlen. Leider kann aber die Story mit der Animationsqualität nicht mithalten und bleibt der Protagonist für den Zuschauer ein Buch mit sieben Siegeln.
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