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    Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott
    Von Sascha Westphal
    Wie kann es sein, dass der christliche Gott – wie es heißt – allmächtig und zugleich gut sei und die Menschen trotzdem so viel Leid und Unrecht ausgesetzt sind? Die Frage beschäftigt Gelehrte und Philosophen schon seit Jahrhunderten. Letztlich reicht sie sogar in vorchristliche Zeiten zurück. Schließlich zeugt schon die alttestamentarische Geschichte Hiobs von der Verzweiflung der Gläubigen angesichts eines Gottes, der die guten und gerechten Menschen nicht beschützt. In der Moderne ist das Problem der Theodizee, das um die Gerechtigkeit Gottes kreist und zudem auf eine Rechtfertigung Gottes zielt, immer drängender geworden. Seit Gottfried Wilhelm Leibniz seine Theodizee in der „Monadologie“ formuliert hat, hat die christliche Religion in der westlichen Welt nicht nur an Bedeutung verloren. Durch die Ereignisse des 20. Jahrhunderts ist der Gedanke einer Rechtfertigung Gottes noch einmal in Verruf geraten. Zugleich gibt es aber immer noch eine starke Sehnsucht nach Erklärungen für das Schweigen Gottes. Davon zeugt auch William Paul Youngs Bestseller „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“, der nun von Stuart Hazeldine in bonbonbunten Bildern verfilmt wurde. Natürlich greift ein Begriff wie „Theodizee“ mit Blick auf dieses Erweckungsdrama letztendlich zu hoch. Aber die grundlegenden Fragestellungen sind sich sehr ähnlich.

    Schon in seiner Kindheit hat Mackenzie „Mack“ Phillips (Sam Worthington) auf überaus schmerzliche und tragische Weise erfahren müssen, dass Gott die Gebete der Menschen nicht direkt beantwortet. Seither kann er nicht mehr an ihn glauben. Trotzdem besucht er, der nun selbst eine Familie hat, jeden Sonntag zusammen mit seiner tiefgläubigen Frau Nan (Radha Mitchell) und seinen drei Kindern die Messe. Aber das ist für ihn nur ein leeres Ritual, das noch schaler wird, als während eines Campingurlaubs seine jüngste Tochter Missy (Amélie Eve) spurlos verschwindet. Eine letzte Spur von dem aller Wahrscheinlichkeit nach ermordeten Mädchen fand sich in einer alten Waldhütte in der Nähe des Campingplatzes. Und in eben diese Hütte soll Mack nun, Monate später, zurückkehren. Zumindest hat er auf höchst mysteriöse Weise eine nur mit „Papa“ unterzeichnete Einladung dorthin erhalten. „Papa“, so nennt Nan übrigens Gott, will sich offenbar nach langen Jahren des Schweigens mit Mack unterhalten…


    Im Prinzip sollte der Kinogänger wie zuvor schon der Romanleser vorab möglich nichts über die Geschichte wissen. Denn der Film wie auch seine Vorlage spielen gezielt mit Thriller-Konventionen. Doch dank des deutschen Untertitel muss sich zumindest hierzulande niemand mehr Gedanken über Spoiler machen. Er verrät, was Hazeldine vorerst in der Schwebe hält. So ist von Anfang an klar, dass der seltsame Brief, den Mack erhält, tatsächlich von Gott stammt - und genau dem begegnet der von Sam Worthington extrem zurückhaltend und verschlossen gespielte trauernde Vater in der Hütte. Allerdings verwandelt sich diese dem Verfall überlassene Hütte mit Gottes Eintreffen in ein perfektes Sommerhaus. Aus dem kalten Winternachmittag, an dem Mack an der Hütte ankommt, wird von einem Moment auf den anderen der schönste Sommertag. Es ist fast so, als könnte es dort, wo Gott ist, keine Kälte und keine Fäulnis, kein Dunkel und keine Leere geben.

    Dieses Paradiesische des Ortes, das der Kameramann Declan Quinn in sattesten Farben und schönstem Licht erstrahlen lässt, passt natürlich perfekt zu dem Gottesbild, das Hazeldine und Young verbreiten. Gott begegnet Mack in drei oder letztlich sogar vier Inkarnationen. Da ist zum einem „Papa“, der von der Afroamerikanerin Octavia Spencer gespielt wird und an das von ihr verkörperte Dienstmädchen in „The Help“ erinnert: Papa als Mammy, das hat schon fast etwas Ironisches, nur scheint sich Hazeldine dieser Ironie keineswegs bewusst zu sein. Ihm/ihr zur Seite stehen der israelische Schauspieler Avraham Aviv Alush als Jesus und die Japanerin Sumire in der Rolle der Sarayu, in der der Heilige Geist Gestalt angenommen hat. Zudem übernimmt Graham Greene in einer Sequenz des Films Octavia Spencers Part. Es gibt eben Momente, in denen Gott dann doch ein Mann sein muss. Hazeldine zelebriert eine „United Colors of Benetton“-Version der Dreifaltigkeit. Das könnte durchaus ein schöner Traum sein, eine Vision einer Gotteswelt die jedweden Rassismus konsequent als traurigen Irrweg offenbart.

    Aber so weit denkt Hazeldine nicht. Ihm geht es nur um die schönen Bilder, in denen Sumire regelrecht zu strahlen scheint und Octavia Spencer einem alleine durch ihre mütterliche und verständnisvolle Art das Vertrauen in Gott zurückgibt. Natürlich verweisen einige Erlebnisse Macks auf einen tieferen spirituellen und philosophischen Kern. Wenn er aufgefordert wird, an Gottes Stelle zu richten, ist die menschliche Neigung, schnelle und einfache Urteile zu fällen, nicht mehr haltbar. Der Blick auf die Welt und die Menschen erweist sich von dieser Position aus als deutlich komplexer, als es der Mensch meist wahrhaben will. Einfach zu strafen, erscheint nicht mehr als sinnvolle Möglichkeit. Aber diese durchaus bedenkenswerten Augenblicke versinken in einem Meer aus Kitsch, mit dem keinesfalls auf eine tiefere Erkenntnis abgezielt wird, sondern allein die oberflächlichsten Emotionen angeheizt werden sollen.

    Fazit: Würde „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ nur von einem einzelnen Mann erzählen, der einen Weg finden muss, mit seiner Trauer und seinen Schuldgefühlen umzugehen, wäre kaum etwas dagegen einzuwenden. Selbst der penetrante Hang zum Kitsch ließe sich rechtfertigen. Doch Hazeldine will mehr. Er predigt von der Leinwand herab und will einem sein Gottesverständnis aufzwingen. Und das verleiht seiner bunten „Heile Welt“-Botschaft etwas extrem Unangenehmes und Unpassendes.

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