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    Magical Girl
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    Magical Girl
    Von Ulf Lepelmeier
    Das Manga-Genre Magical Girl erfreut sich auch über die japanischen Landesgrenzen hinaus großer Beliebtheit, lässt es die zumeist jungen, weiblichen Fans doch an dem Traum teilhaben, neben dem normalen Dasein noch eine zweite Identität annehmen zu können, um in aufwändigen Kostümen und mit magischen Kräften für Liebe und Gerechtigkeit einzustehen. Genau diese Begeisterung greift Regisseur Carlos Vermut („Diamond Flash“) in seiner zweiten Regiearbeit auf: Die zwölfjährige Alicia (Lucía Pollán) ist begeisterter Fan von „Magical Girl“-Serien und J-Pop. Doch das bei ihrem alleinerziehenden Vater Luis (Luis Bermejo) lebende Mädchen ist an Leukämie erkrankt und wird seinen nächsten Geburtstag wohl nicht mehr erleben. So möchte Luis unbedingt Alicias größten Wunsch erfüllen, einmal das „Magical Girl“-Kleid der Sängerin Megumi zu tragen. Das mehrere tausend Euro teure Einzelstück ist für den arbeitslosen Lehrer allerdings gänzlich unerschwinglich. Die mit diesem Auftakt geschürte Erwartung auf eine rührende Story um einen Vater und seine todkranke Tochter lässt Vermut alsbald ins Leere laufen und verwandelt „Magical Girl“ in ein schmerzliches Thriller-Drama, wobei er nicht mit zynischen Kommentaren zur angespannten wirtschaftlichen und politischen Situation Spaniens geizt. Der Filmemacher erzählt von prekären Abhängigkeitsverhältnissen und führt die Figuren bei ihrem Ringen um Wunscherfüllung und Selbstbestimmung an die Grenzen der Moral - Perversion, Machtmissbrauch und Gewalt nehmen ihren Lauf.


    Mit der Schilderung der schwierigen finanziellen Lage des bemühten Vaters eröffnet  Regisseur Carlos Vermut seinem Drama eine neue, schwarzhumorige Ebene. Die Geschichte wird immer geheimnisvoller und der Ton düsterer, drei Lebenswege kreuzen sich und im Mittelpunkt steht zunehmend die psychisch labile Bárbara (Bárbara Lennie). Während die kleine Alicia gern ein ‚Magical Girl’ wäre, um mit ihren neuen Kräften die Krankheit besiegen und in die farbenfroh-exotische Welt des Anime eintauchen zu können, ist die mysteriöse, in dunkle Kleider gehüllte und von Narben überzogene Bárbara die wahre magische Erscheinung, die trotz ihrer Selbstzerstörungstendenzen eine perfide Anziehungskraft ausübt. Bárbara Lennie („Die Haut, in der ich wohne“), die ein insgesamt hervorragendes Ensemble anführt, verleiht dieser düsteren ‚Magical Woman’ etwas Unnahbares und dennoch Faszinierendes – und wenn Bárbara hinter feudalen Türen Unsagbares erleiden muss, dann lässt uns dies auch ungesehen erschaudern. Die Kraft der Suggestion ist in diesem Film ungeheuer stark, da bemerkt man kaum, dass immer wieder der Zufall als Motor der Erzählung fungiert. Das kühle Setdesign und die durchdachte Bildgestaltung tragen ihrerseits zur packenden Atmosphäre bei - zuweilen erinnert der Film an Werke von Michael Haneke („Das weiße Band“) und Pedro Almodóvar („Alles über meine Mutter“), aber vor allem beeindruckt er durch seine Eigenständigkeit.

    Fazit: „Magical Girl“ ist ein fesselndes Drama, das mit seiner entrückt-düsteren Stimmung und einer charismatischen Hauptdarstellerin begeistert.
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