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    Das blaue Zimmer
    Durchschnitts-Wertung
    3,0
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    Kinobengel
    Kinobengel

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    4,0
    Veröffentlicht am 11. April 2015
    Mathieu Almaric spielt die Hauptrolle in dem französischen Justiz-Drama „Das blaue Zimmer“ („La Chambre Bleue“) und nahm zugleich auf dem Regiestuhl Platz. Als Vorlage diente der gleichnamige und 1964 erschienene Roman des berühmten belgischen Schriftstellers Georges Simenon. Julien (Mathieu Almaric) ist verheiratet mit Delphine (Léa Drucker). Doch der erfolgreiche Landmaschinenverkäufer trifft sich mit der ebenfalls gebundenen Esther (Stéphanie Cléau) in dem blau eingerichteten Zimmer eines Hotels zum erotischen Zeitvertreib. Das Verhältnis bleibt nicht ohne Folgen, denn die Ehepartner des Liebespaars sterben durch Fremdeinwirkung und die Justiz hat sich rasch ein Bild vom Tathergang für den anstehenden Indizien-Prozess gemacht. Nur 76 Minuten nimmt sich Mathieu Almaric. Und die sind vollgestopft mit Details. In den Reihen vor der Leinwand erzeugt das Werk Augen wie Spiegeleier, nicht nur wegen erotischer Darbietungen zu Beginn. Der Plot wechselt später - und das recht oft und hektisch - vom Vernehmungszimmer des Ermittlungsrichters zu Rückblenden und innerhalb der Rückblenden zu Phantasien und beklemmenden Momenten bis zum Finale im Gerichtssaal. Switch und Spin statt Twist werden serviert. Kein Durcheinander, dennoch ist Konzentration geboten, um den enthusiastisch gesponnenen Faden nicht zu verlieren. Inszenatorisch fragwürdig ist zwar die späte Offenbarung des Tatvorwurfs, doch wer an der Kinokasse steht und sich vorher etwas informiert hat, weiß eh, worum es geht. Weitere „Überraschungen“ stellen sich als nicht krimitypische, verheimlichte Handlungsteile heraus und sind sicherlich den fehlenden Wendungen geschuldet, aber ebenso unterhaltsam. Almaric setzt zur visuellen Umsetzung von Simenons Roman auf originelle Kameraeinstellungen, die aus eigenwilligen Perspektiven bestehen und mit ihren häufigen Nahaufnahmen hauptsächlich die Blicke und die Mimik der Hauptfigur einfangen. Das ist eine sehr gute Idee, denn Mathieu Almaric bringt die exzellenten schauspielerischen Fähigkeiten mit und ermöglicht dem Zuschauer trotz der zerrupften Handlungsstränge tiefe Einblicke in Juliens Sehnsüchte, auch in sein belastetes Gewissen. Die um sein Herz konkurrierenden Damen werden nicht an die Seite gedrückt: Die sehr erfahrene Léa Drucker gibt ihrer Delphine etwas Bezauberndes, etwas Zurückhaltendes und etwas Ahnendes, während Stéphanie Cléau als Esther selbst im Vernehmungszimmer provokativ wie beherrschend lächeln kann und undurchsichtig bleibt. Vernachlässigbar bleibt Nicolas (Olivier Mauvezin), der Ehemann von Esther. Almaric gibt dafür dem Ermittlungsrichter (beeindruckend: Laurant Poitrenaux) mehr Präsenz. Die Gewichtung der Figuren hat Almaric sensationell gut ausgelotet. Und damit ist dieser Film endgültig nicht der Sonntagabendberieselungskrimi für den TV-Schlaf. Ganz im Gegenteil ist das Zuschauen ein cineastisches Vergnügen, welches nach dem Abspann Raum gibt für Diskussionen über mögliche Justizirrtümer und Voreingenommenheit in der vorliegenden Geschichte und der Realität. Allenfalls die musikalische Begleitung des bewanderten Komponisten Grégoire Hetzel klingt zeitweilen zu schmalzig oder zu hart, schmälert jedoch nicht wesentlich den Genuss am Film. „Das blaue Zimmer“ ist starkes Kino, mit Leidenschaft gespielt und geschaffen, für Krimi-Fans und Beobachter.
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