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    Skiptrace
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Skiptrace
    Von Asokan Nirmalarajah
    Als „Skiptrace“, die jüngste chinesisch-amerikanische Co-Produktion aus dem Hause Jackie Chan, im Juli 2016 in die chinesischen Kinos kam, spielte die Actionkomödie gleich am ersten Wochenende 60 Millionen US-Dollar ein. Mit diesem stolzen Ergebnis übertraf die 62-jährige Action-Legende Chan sogar noch das ähnlich gute Startwochenende des Fantasy-Abenteuers „Dragon Blade“ von 2015 (54 Millionen Dollar). Chans neues Erfolgsrezept scheint aufzugehen: Er produziert mit seiner Firma JCE Movies in seiner Heimat Hongkong, um die Kosten niedrig zu halten, übernimmt als ewiger Publikumsliebling selbst die Hauptrolle und lässt sich von mehr oder weniger berühmten US-Stars in Nebenrollen unterstützen, um die Werke für den internationalen Markt interessanter zu machen. Dass nach „Dragon Blade“ nun auch die Action-Klamotte „Skiptrace“ ihre Premiere hierzulande „nur“ auf dem Heimvideo-Markt feiert, ist da nicht unbedingt ein Widerspruch: Schließlich handelt es sich um routinierte, nicht sonderlich bemerkenswerte Genreproduktionen im B-Movie-Gewand, wie sie in Deutschland sowieso kaum noch den Weg in die Kinos finden. Immerhin verleiht „Stirb langsam 2“-Regisseur Renny Harlin dem halbgaren Treiben mit seiner temporeichen Inszenierung reichlich Schwung.

    Hongkong: Der Polizeidetektiv Bennie Chan (Jackie Chan) jagt schon seit mehreren Jahren den mysteriösen Gangsterboss „Matador“, hinter dem er den skrupellosen Geschäftsmann Victor Wong (Winston Chao) vermutet und dem er den Mord an seinen Partner Yung (Eric Tsang) anlastet. Als Yungs inzwischen erwachsene Tochter Samantha (Fan Bingbing), die in Chans Obhut aufwächst, in die Fänge von Wongs Gang gerät, bleibt dem Cop nur eine Chance: Er muss den amerikanischen Trickbetrüger Connor Watts (Johnny Knoxville) erwischen, der durch einen Zufall Zeuge wurde, wie Wong einen Mord verübt hat. Doch auch die russische Mafia ist hinter Watts her. Es kommt zu einer Hetzjagd von Russland bis Hongkong, über die Steppen der Mongolei und durch die Wüste Gobi…



    Die hanebüchenen und absurden Verwicklungen, die sich Jackie Chan als Ideengeber der Geschichte einfallen lässt, um seinen abgegriffenen Plot voranzutreiben, geraten durch das rasante Tempo der Inszenierung schnell in den Hintergrund. Auch das Rätsel um die wahre Identität des „Matadors“ ist nach dem Tod des von „Infernal Affairs“-Star Eric Tsang gespielten Partners bereits sehr früh im Film im Grunde gelöst: Die Handlung ist mal wieder nur ein Vorwand für Chans akrobatische Improvisationen und Stunts. Zwar sind die einfallsreich fotografierten Actionszenen nicht nur für hartgesottene Fans des Altstars durchaus sehenswert, aber gleichzeitig ist nicht zu übersehen, dass der inzwischen 62-jährige Chan vorsichtiger geworden ist und mehr auf technische Tricks setzt als früher. So schmälern die zweitklassigen Spezialeffekte und die nicht immer glaubwürdigen Bauten den Gesamteindruck einiger Kämpfe und Action-Einlagen. Selbst aufwändige Nummern wie etwa die einkrachenden Bootshäuser am Anfang bieten längst nicht den Nervenkitzel und den Wow-Effekt von einst.

    Während die meisten Kämpfe und Stunts trotz allem Schwung wie weniger gelungene Neuauflagen früherer Glanzleistungen Jackie Chans wirken, ist auch die Handlung gleichsam ein Mischmasch aus seinen früheren Filmen - mit dem redefreudigen Amerikaner wie wir ihn aus den „Rush Hour“- und „Shang-High Noon“-Filmen kennen, als wesentliche Zutat. Johnny Knoxville, der den erstbesetzten Seann William Scott (Stifler aus „American Pie“) ersetzte, schlägt sich recht wacker als Chans westlicher Sidekick und darf wie in alten „Jackass“-Tagen seine geringe Schmerzempfindlichkeit in albernen Stunts unter Beweis stellen. Der Humor und die Dialoge sind nicht nur in diesen Szenen pubertär: „Lustige“ Tritte zwischen die Beine sollen genauso für Lacher sorgen wie die zum Beben gebrachten Brüste der Wrestlerin Eve Torres, die hier als russische Kampfamazone zu sehen ist. Aber wenn man sich gerade über eine allzu platte Pointe ärgern will, ist Renny Harlin immer schon mitten in der nächsten Szene: Mit seiner Dynamik macht er das Beste aus dem Secondhand-Stoff heraus.

    Fazit: In der überaus umfangreichen Filmografie von Jackie Chan ist „Skiptrace“ nur eine einfallsarme Fußnote. Dank der spielfreudigen Darsteller und Renny Harlins unwiderstehlich-flotter Regie bietet die Action-Klamotte dennoch passable Unterhaltung.

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