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    Eine ganz heiße Nummer 2.0
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Eine ganz heiße Nummer 2.0

    Tanzwettbewerb statt Telefonsex

    Von Oliver Kube
    2011 mutierte die Mundartkomödie „Eine ganz heiße Nummer“ um drei patente Provinzgrazien, die sich aufgrund finanzieller Engpässe entschließen, eine lokale Telefonsex-Hotline aufzuziehen, zum Kinohit mit mehr als 1,2 Millionen Zuschauern. Die größte Überraschung dabei: Die Besucher strömten nicht nur in Bayern, wo die Story spielt, sondern bundesweit in die Lichtspielhäuser. Seit damals gab es noch eine ganze Reihe weiterer solcher Lokalkolorit-Komödien wie den schwäbischen Schwank „Die Kirche bleibt im Dorf“ samt Fortsetzung oder natürlich die ebenfalls im Weißwürschtl-Bundesland verorteten Eberhofer-Krimis, die sich mit ihrem anhaltenden Erfolg längst zu einem regelrechten Kino-Phänomen gemausert haben. Da verwundert es schon etwas, dass es satte acht Jahre dauerte, bis mit „Eine ganz heiße Nummer 2.0“ nun endlich eine Fortsetzung kommt. Anstelle von Markus Goller („25 km/h“) nahm diesmal Rainer Kaufmann („Und wer nimmt den Hund?“) auf dem Regiestuhl Platz, aber das eigentliche Problem ist das Drehbuch, dem es trotz der langen Pause an frischen Ideen mangelt.

    Dank ihrer eigenwilligen Geschäftsidee konnten Waltraud (Gisela Schneeberger), Maria (Bettina Mittendorfer) und Lena (Rosalie Thomass) die drohende Privatinsolvent gerade noch abwenden. Doch nun gibt es erneut Probleme in Marienzell. Das Kaff droht auszusterben: Nicht nur verlässt ein örtliches Kleinunternehmen nach dem anderen die Gegend, junge Familien ziehen ebenfalls fort und Touristen wollen ohnehin nicht mehr kommen. Der Grund: Marienzell kann keine Breitbandverbindung mit dem Internet bieten. Für das in der Region zuständige Kommunikationsunternehmen zahlt es sich einfach nicht aus, das Dorf modern zu verkabeln. So liegt es einmal mehr an den Freundinnen, aktiv zu werden. Und die haben auch schon einen Plan. Im benachbarten, deutlich fortschrittlicheren Josefskirchen findet ein Tanzwettbewerb statt. Dabei gibt es ein stattliches Preisgeld zu gewinnen, mit dem man zumindest einen Teil der Kosten für die nötigen Glasfaserstränge sowie deren Verlegung abdecken könnte. Allerdings ist die Konkurrenz groß. Und trainieren müssen sie schließlich auch noch…

    „Let‘s Dance“-Juror Jorge González schaut als gute Fee in Gotteszell vorbei.


    Als wir nach all den Jahren in die bayerische Provinz zurückkehren, hat sich dort scheinbar nicht allzu viel verändert – eben der übliche alltägliche Wahnsinn zwischen Kuhweide und Dorfschänke. Trotzdem wurde von Seiten des Studios ein paar Euro mehr als beim ersten Teil investiert. Schließlich drehte man dieses Mal nicht nur erneut in der nahe der tschechischen Grenze gelegenen 1.000-Seelen-Gemeinde Gotteszell, sondern auch für eine längere Sequenz in München. Das höhere Produktionsbudget zeigt sich außerdem gleich zu Anfang, als Lena in einer für diese Art von Komödie recht aufwändig und dynamisch gefilmten Bilderfolge splitterfasernackt auf ihrem altersschwachen Traktor mehrfach durch das Dorf brettert. Wobei die spießigen Anwohner sich mehr Sorgen um die Wahrung des christlichen Anstands (oder um ihre Hühner!) als um eine offensichtlich mit ernsthaften Problemen belastete Nachbarin machen.

    Der Grund für das seltsame Verhalten ist, dass sich Lenas Mann mehr für Pornovideos aus dem Internet als für sie interessiert. Was natürlich sofort die Frage aufwirft: Wie kann der Typ sich denn „laufend“ derlei Videoclips auf seinem Laptop angucken? Angeblich ist die Internet-Verbindung doch dermaßen langsam, dass andere im Dorf nicht einmal genügend Bandbreite haben, um eine stinknormale Suchmaschine aufzurufen. Das bleibt nicht der letzte Widerspruch dieser Art, den das Skript des „Spieltrieb“-Autorenteams Kathrin Richter und Jürgen Schlagenhof aufwirft.

    Tanzwettbewerb statt Telefonsex


    Weitere Drehbuchärgernisse sind der erzählerisch dünn vorbereitete und noch schwächer beendete Cameo-Auftritt von „Let‘s Dance“-Juror Jorge González als eine Art gute Fee sowie erstaunlich plump reingezwängte Szenen zwischen Waltraud und ihrem einstigen Hotline-Kunden Dr. Huber (Günther Maria Halmer). Der engagiert die frisch arbeitslose Waltraud als Haushälterin, will aber eigentlich nur Verbalsex von ihr. Es ist recht durchschaubar, dass ein Szenario kreiert werden musste, um die den ersten Teil fast schon dominierende, hier aber ansonsten sträflich unterbeschäftigte Schneeberger („Kehraus“) öfter ins Bild zu bekommen. Zudem musste der Filmtitel ja noch irgendwie gerechtfertigt werden, obwohl die Damen ihre Arbeit bei der Telefonsex-Hotline schon vor Jahren eingestellt haben.

    Halmer („Familienfest“) und Schneeberger mühen sich zwar redlich, dem peinlich witzlosen Sub-Plot Leben einzuhauchen, scheitern letztlich aber nicht nur an den Dialogen, sondern vor allem an dessen Belanglosigkeit für den Rest der Handlung. Diese Punkte machen es selbst einem aufgrund der Erinnerung an den deutlich schlüssiger verlaufenden und flüssiger geschriebenen Vorgänger wohlwollenden Zuschauer nicht leicht, an „Eine ganz heiße Nummer 2.0“ dran zu bleiben. Und das ist dann auch noch mal der passende Zeitpunkt, um die beiden Plots der Filme einfach mal nebeneinanderzustellen: Statt um Telefonsex fürs (finanzielle) Überleben geht es diesmal ums Tanzen für ein schnelleres Internet. Da klingt eins doch schon auf dem Papier SEHR viel interessanter als das andere.

    Der gar nicht so heimliche Star des Films: Ferkel Paul!


    Was nicht heißt, dass das Ganze zwischendrin nicht auch mal Spaß macht. Am schönsten sind dabei die Momente, in denen die ansonsten zu oft räumlich voneinander getrennten Hauptdarstellerinnen zusammen auf der Leinwand agieren. Etwa, wenn das Trio überlegt, wie der Niedergang ihrer geliebten Heimat verhindert werden könnte. Oder wenn sie in die große Stadt fahren, um persönlich bei der Konzernchefin (Katharina Pichler, „Der Lissabon-Krimi“) der Firma vorstellig zu werden, die ihnen das offenbar so überlebenswichtige Kabel verweigert. Kurzweilig sind darüber hinaus die Tanz-Einlagen beziehungsweise die Versuche, solche überhaupt erst einmal auf die Beine zu stellen. Und dann gibt es da ja auch noch die kleinen Auftritte von Paul: Lenas goldige Ferkel ist der gar nicht so heimliche Star des Films! Aber auch all das ändert nichts daran: In der Summe hinterlässt das Sequel einen mehr als zwiespältigen Eindruck und die dunkle Ahnung, dass sich der überragende Publikumserfolg des ersten Teils so wohl nicht wiederholen lassen wird.

    Fazit: Die Fortsetzung des Mundart-Komödien-Hits von 2011 hätte unbedingt ein besseres Drehbuch gebraucht. So sind nur einzelne Szenen recht amüsant, aber als Ganzes kann „Eine ganz heiße Nummer 2.0“ dem gelungenen Vorgänger einfach nicht das Wasser reichen.

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    Kommentare

    • Christoph Petersen
      Ja, das ist echt.
    • Phil
      Ist das Schwein echt? Das sieht doch sehr nach einer CGI-Kreatur aus.
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