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    The Transporter Refueled
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    The Transporter Refueled
    Von Andreas Staben
    Der Transporter Frank Martin ist ein Kurierfahrer der etwas anderen Art. Er befördert auch fragwürdige Fracht, ohne Fragen zu stellen. Das ist eine der eisernen Regeln, an die sich sowohl Jason Statham in drei Kinofilmen, als auch Chris Vance, der den flinken Frank in den zwei Staffeln der „Transporter“-Serie verkörperte, bei ihren Interpretationen der Figur so rigoros wie möglich gehalten haben. Das überschaubare Regelwerk gilt nun auch beim Reboot des Action-Franchise mit „The Transporter Refueled“ im Prinzip weiter, aber der Brite Ed Skrein, der hier erstmals in die Rolle des verschwiegenen Bleifußes schlüpft, erweist sich dennoch als flexibler im Vergleich zu seinen Vorgängern. Beim Neustart wird Frank Martin von vornherein deutlich stärker zum Spielball der Umstände, die Figur bekommt dabei mehr Eigenleben. Aber die Grundformel von Co-Schöpfer und Action-Mogul Luc Besson („Lucy“), der hier erneut die Doppelfunktion von Produzent und Drehbuchautor übernommen hat, bleibt unverändert: Abgefahrene Auto-Action, knallharte Kämpfe, schicke Schauplätze, ein paar coole Kalauer und viel Tempo – fertig ist der „Transporter“-Cocktail. Doch was „Transporter 3“-Cutter Camille Delamarre in seiner durchwachsenen, aber kurzweiligen zweiten Regiearbeit zusammengerührt hat, kommt actionmäßig weder an die vergangenen Filme der Reihe heran noch an die Parkour-Parforceritte seines Debüts „Brick Mansions“. Und die Handlung ist trotz netter Ansätze nicht weniger hanebüchen als zuvor.  

    Frank Martin (Ed Skrein) ist ein begehrter und diskreter Dienstleister für alle, die etwas Illegales eilig von A nach B befördern möchten. Mit seinem mit raffinierten Extras ausgestatteten Audi bringt der ehemalige Special-Forces-Soldat, der festen Regeln folgt, die heiße Ware pünktlich und ohne Fragen zu stellen ans Ziel. Doch dann will ihm die geheimnisvolle Anna (Loan Chabanol) einen Auftrag erteilen, für den er seine Prinzipien über Bord werfen müsste. Sie will sich an ihrem Ex-Chef Karasov (Radivoje Bukvic) rächen, der sie zur Prostitution gezwungen hat, und plant, den Gangsterboss und seine Komplizen gemeinsam mit ihren Leidensgefährtinnen Maria (Tatiana Pajkovic), Gina (Gabriella Wright) und Qiao (Wenxia Yu) zu bestehlen. Um Frank zum Mitmachen zu bewegen, entführen die Frauen seinen Vater Frank Sr. (Ray Stevenson). Der Transporter gerät in einen Strudel von blutigen Intrigen und halsbrecherischen Aktionen…


    Eine mit dem Wort „schmierig“ umfassend charakterisierte Person steigt vor einem Hotel in Südfrankreich aus dem Verschlag einer Limousine und verkündet mit unverkennbarem russischen Musterakzent: „Die Prostitution gehört mir!“. Seinen Anspruch auf das lukrative Geschäft mit dem käuflichen Sex untermauert der Mann, indem er eine Handvoll Schergen mit Maschinengewehren auf alles schießen lässt, was sich bewegt (oder auch nicht). Nach dem Kugel- und Klischeestakkato dieses im Jahr 1995 angesiedelten Prologs bietet der erste Auftritt des neuen Transporters anderthalb Jahrzehnte später einen wirkungsvollen Kontrast von fast poetischer Klarheit: Frank Martin sieht sich in einer Tiefgarage einer Handvoll Schlägertypen gegenüber, die von ihm die Schlüssel zu seinem Audi S8 2012 Sedan verlangen. Zuerst machen sie sich noch über seinen merkwürdigen Akzent lustig, doch bald vergeht ihnen das Lachen: Der Charakterkopf setzt sie mit Eleganz und Einfallsreichtum im Nahkampf außer Gefecht. Ganz anders als sein rabiater Gegenspieler Karasov aus dem Prolog, mit dem ihn eine unschöne Episode aus der Vergangenheit verbindet, verschmäht Martin den Einsatz von Schusswaffen und richtet nicht mehr Schaden an als nötig. Das Archetypische der Konstellation geht im weiteren Verlauf angesichts unnötig komplizierter, nicht immer logisch nachvollziehbarer Verwicklungen, loser Enden und nachlässig integrierter Details bald verloren: Bei erzählerischem Bedarf ist hier so ziemlich alles relativ – bis zur lebensgefährlichen Verletzung.

    Angesichts der erzählerischen und dramaturgischen Defizite entwickelt auch die geballte Frauenpower nicht den emanzipatorischen Punch, den etwa der ebenfalls aus dem Hause Besson stammende „Colombiana“ durchaus hatte. Zwar ist die Idee eines weiblichen Musketier-Quartetts äußerst reizvoll, doch dem Film fehlt die rhythmische Genauigkeit genauso wie der einheitliche Erzählton, um aus dem Thema der Frauen-Solidarität mehr werden zu lassen als eine vage Idee. Außerdem wird den Amazonen mit ihren blonden Einheitsperücken nicht gerade viel Eigenleben zugestanden. Dafür setzt sich Ed Skrein („Game Of Thrones“, „Deadpool“) schon in der erwähnten ersten Szene von seinem berühmten Vorgänger Jason Statham ab: Sein Frank Martin ist weniger durch stoische Kaltschnäuzigkeit und coole Unbeirrbarkeit als durch höfliche Reserviertheit und zurückhaltende Effektivität geprägt. Es gibt dazu dann noch Hinweise auf eine bewegte Vergangenheit und auch die lebhafte Beziehung zu seinem neu auftauchenden Vater Frank Sr. ist eine willkommene Neuerung. Ray Stevenson („Rom“, „Die Bestimmung“-Reihe) spielt den angeblichen Mineralwasservertreter (in Wahrheit ist er pensionierter MI6-Agent) mit der Vorliebe für 900-Euro-Weine mit neckischem Charme und der Gegensatz zwischen Vater und Sohn gibt schließlich auch dem Einzelgänger Frank Martin eine zusätzliche menschliche Dimension.

    Die neue Bodenständigkeit des Protagonisten schlägt sich auch in den Action-Szenen nieder. In den Zweikämpfen zeigt Ed Skrein vollen Körpereinsatz, das Unangestrengte des Sportlers Statham ersetzt er durch schnörkellose Schwerstarbeit. Dabei verwendet er alles, was gerade in Reichweite ist und die Widersacher werden auch schon mal förmlich als Paket verschnürt, was ja bestens zu einem Kurier passt. Wenn er im Laufschritt vor seinem im Leerlauf heranrollenden Auto noch ein paar Gegner beiseite räumt, hat das wiederum die gewohnte Frank-Martin-Nonchalance und auch der scherbenträchtige Abstecher mit dem fliegenden Audi in die Abflughalle des Flughafens von Nizza macht Laune: Der Transporter ging schon immer gern mit dem Kopf durch die Wand. Gut gelungen ist auch das waghalsige Manöver, als Frank mit dem Auto unter ein startendes Flugzeug rast - und schließlich zeigt er uns in einer rasanten Szene auch noch, dass Jetskis durchaus für den kurzfristigen Landeinsatz geeignet sind. Die Action ist hier insgesamt aber dennoch weniger abgehoben und stilisiert als in den von Corey Yuen choreographierten Vorgängern. Die Gas-Attacke auf einen Nachtclub fällt sehr uneinheitlich (und etwas irritierend) aus, während eine wilde Schießerei auf einer Yacht zum unübersichtlichen Geballer verkommt.

    Fazit: Der neue Transporter Ed Skrein legt einen durchwachsenen Start hin, aber zeigt auch einiges Potenzial, was für die geplanten Fortsetzungen alle Möglichkeiten offen lässt.
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