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    Professor Love
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Professor Love
    Von Antje Wessels
    Die starbesetzte Romantikkomödie „Professor Love“ von „Love Vegas“-Regisseur Tom Vaughan kommt beim Kritikenbarometer Metacritic auf einen katastrophalen Wert von gerade einmal 11 Punkten auf der 100er Skala: Die bereits 2014 abgedrehte, im Original ursprünglich „How To Make Love Like An Englishman“ und dann „Some Kind Of Beautiful“ (in den USA) sowie „Lessons In Love“ (in Großbritannien) betitelte Produktion ist bei den englischsprachigen Rezensenten gnadenlos durchgefallen. Diese vehemente Ablehnung erscheint zunächst einigermaßen erstaunlich, denn die Geschichte um einen alternden Playboy, der mit seinen etwa 60 Jahren noch einmal Vater und anschließend von seiner jungen Frau sitzengelassen wird, bietet über weite Strecken zwar recht seichte, aber dennoch annehmbare Komödienunterhaltung. Doch dann nehmen die Dinge eine ebenso unerwartete wie unbefriedigende Wendung und aus einem harmlosen Durchschnittslustspiel wird ein irritierendes, wenn nicht gar ärgerliches Pseudo-Drama. Und damit werden auch die Witzchen im Nachhinein in ein anderes, wenig vorteilhaftes Licht getaucht.

    Richard (Pierce Brosnan) sitzt im Verhörraum eines Gefängnisses und erzählt einem kleinen Jungen von den Ereignissen der vergangenen Jahre: Er präsentiert sich als charmanter Literaturprofessor und echter Womanizer, der einem launischen Flirt trotz fester Beziehung nie abgeneigt ist. Doch als ihm seine Freundin Kate (Jessica Alba) eröffnet, dass sie schwanger ist, heiratet Richard die wesentlich jüngere Frau und zieht mit ihr von Cambridge ins sonnige Kalifornien, wo das Paar seinen gemeinsamen Sohn Jake (Duncan Joiner) großzieht. Schließlich kommt Kate einem Mann in ihrem eigenen Alter näher und bittet ihren Gatten um die Scheidung, woraufhin Richard mit seiner attraktiven Schwägerin Olivia (Selma Hayek) anbändelt, auf die er schon immer ein Auge geworfen hatte ...


    Die vermeintliche Liebeskomödie beginnt an einem unerwarteten Schauplatz, doch dem misst man zunächst wenig Bedeutung bei, denn die Gefängnissituation gerät recht schnell in den Hintergrund. Stattdessen wird die kuriose Dreiecksgeschichte um den Professor, seine Frau und seine Schwägerin samt Vorgeplänkel und Nebengeräuschen vor dem Publikum ausgebreitet und dabei gelingen Regisseur Tom Vaughan und Drehbuchautor Matthew Newman durchaus ein paar nette Gags: Die rasanten Fahrkünste von Olivia werden ebenso zur Humor-Zielscheibe wie Richards vergebliche Versuche, jedwede Form von Schimpfwörtern und Flüchen von seinem Sohn fernzuhalten. Doch diesen Pfad des leichtfüßigen Witzes verlassen die Filmemacher mitten auf der Strecke und lassen die von der sonnigen Küstenkulisse profitierende heitere Atmosphäre mit einer dramatischen Vater-Sohn-Szene schlagartig in ihr Gegenteil umschlagen. Der Erzählbogen führt nach etwa zwei Dritteln der 99 Minuten Laufzeit zurück ins Gefängnis und nun bekommen die vorher nur beiläufig erwähnten ernsten Aspekte der Handlung mit einem Mal ein ganz neues Gewicht.   

    Ob es sich um Richards Alkoholsucht, seine nahende Abschiebung, den giftigen Scheidungskrieg oder den tiefsitzenden Konflikt zwischen dem Professor und seinem Vater Gordon (Malcolm McDowell) handelt: Was vorher nur angerissen wurde und allenfalls für eine Handvoll Pointen gut war, wird nun zum Stoff eines entschieden überfrachteten Dramas. Es wirkt ganz so, als wollten die Filmemacher ihrem Publikum mit aller Gewalt und so schnell wie möglich große Emotionen eintrichtern: Wen die bedeutungsschwanger vorgetragenen Dialoge auf Glückskeksniveau nicht von der tragischen Tragweite des Erzählten überzeugen, dem soll sie offenkundig durch die das Geschehen mehr über- als untermalenden dramatischen Streicherklänge eingebläut werden. Doch dieses platte Kalkül geht nicht auf, die plötzliche und unzureichend vorbereitete erzählerische Kehrtwende wirft den Film ganz im Gegenteil komplett aus der Bahn. Und nicht nur seinem mehr oder weniger unterschwelligen Motto („Nur wer stets an sich arbeitet, ist wirklich glücklich“) fehlt am Ende jegliche Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit.

    Fazit: „Professor Love“ beginnt als harmlose Komödie mit amüsanten Momenten, aber endet als platt kalkuliertes Drama voller falscher Töne - und hinterlässt dabei einen bitteren Nachgeschmack..

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