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All Summers End
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
All Summers End
Von
„Ich glaube, du wirst meine erste Liebe sein“, erklärt die von Kaitlyn Dever gespielte 16-jährige Grace dem gleichaltrigen Conrad (Tye Sheridan, bekannt aus Steven Spielbergs „Ready Player One“) ganz unverblümt zu Beginn von Kyle Wilamowskis „All Summers End“. Das anrührende Coming-of-Age-Liebesdrama um die erste ernsthafte Beziehung zweier Teenager wurde bereits im Juli 2013 abgedreht, als Jungstar Sheridan gerade einmal 17 Jahre alt war. Bis zur Festival-Premiere hat es fast vier Jahre gedauert und der US-Kinostart erfolgt nun noch einmal 17 Monate später. Häufig deuten solche Verzögerungen ja auf Qualitätsprobleme mit der Produktion hin, doch das empathisch erzählte Werk bietet immerhin solide Unterhaltung und erinnert in den besten Momenten gar an solche herausragenden Jugendromanzen wie „The Spectacular Now - Perfekt ist Jetzt“.

Conrad Stevens (Pablo Schreiber) reflektiert als Erwachsener seine einschneidende erste Beziehung: Mitten in den Sommerferien stellt er sich als 16-jähriger (jetzt: Tye Sheridan) bei der Familie seiner Mitschülerin Grace Turner (Kaitlyn Dever) vor. Das Kennenlernessen verläuft gut. Im Anschluss möchte Conrad Grace auf der Veranda zum ersten Mal küssen, doch seine Freunde Hunter (Austin Abrams) und Tim (Ryan Lee) funken dazwischen. Später am Abend düsen die drei Jungs mit einem geliehenen Auto durch die Gegend und klauen Gartenzwerge. Eric (Beau Mirchoff), der ältere Bruder von Grace, bekommt das mit und verfolgt sie. Es kommt zur Katastrophe: Eric baut einen heftigen Unfall. Conrad und Co. sind Zeugen und holen auf Druck von Hunter keine Hilfe. Am nächsten Tag erfährt Conrad, dass Eric gestorben ist. Er wird von Schuldgefühlen geplagt, aber erzählt der trauernden Grace nichts, während die beiden sich immer näherkommen…


Die größte Stärke von „All Summers End“ liegt in dem sensibel inszenierten Umgang der zwei sich liebenden Teenager. Ein so simpler Satz wie „Ich mag dich“ wird hier zu einem berührend echt wirkenden emotionalen Erlebnis. Grace spricht ihn ganz offen, direkt und aufrichtig aus, als Conrad sie zum ersten Mal mitnimmt an seinen geheimen Zufluchtsort, ein verlassenes Haus, das nur er kennt, und in das er nicht mal seine besten Freunde Tim und Hunter bringt. Die sich behutsam und zaghaft entwickelnde Beziehung der beiden 16-jährigen Liebenden steht im Mittelpunkt von Wilamowskis Drama. Dabei geraten die anderen Figuren allerdings nach dem ersten Filmdrittel ein wenig ins Hintertreffen, was besonders im Fall von Conrads alleinerziehender Mutter schade ist, die von „Ray Donovan“-Star Paula Malcomson rührend fürsorglich verkörpert wird. Aber das ist nicht das entscheidende Problem.

Mit Conrads Schuldgefühlen nach der unterlassenen Hilfeleistung und dem folgenden Tod von Graces Bruder sowie vor allem seinem erzwungenen Schweigen darüber wird der zarten Romanze letztlich eine zu schwere erzählerische und emotionale Bürde auferlegt. Die aufkeimende junge Liebe mitsamt den ersten körperlichen Intimitäten, deren überwältigende Intensität von den verblüffend wahrhaftig aufspielenden Jungdarstellern sehr gefühlvoll zum Ausdruck gebracht wird, steht immer wieder in einem irritierenden tonalen Kontrast zu den arg melodramatisch und bedeutungsschwer abgehandelten Themenkomplexen Schuld, Tod, Lügen (oder zumindest Nicht-die-Wahrheit-Sagen) und Trauer. Hier verfällt dann auch Wilamowski mit seiner Inszenierung zunehmend in Allgemeinplätze, wenn etwa Wut und Enttäuschung sich im Demolieren einer Zimmereinrichtung (und in einem Schnitt-Stakkato) entladen. Und dass so gut wie jede Szene mit einem schrullig-folkig-gefühligen Indie-Score unterlegt ist und den Zuschauern geradezu die Emotionen diktiert, macht sich gerade hier sehr störend bemerkbar.

Fazit: Im Zentrum von „All Summers End“ steht eine schöne Teenagerromanze mit hervorragenden ungekünstelten Jungdarstellern, aber die Liebesgeschichte wird mit allerlei melodramatischen Nebenthemen überfrachtet.
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