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    Der Imker
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Der Imker
    Von Gregor Torinus

    „Der Imker“ ist keine – wie man beim Titel vielleicht vermuten könnte - trockene Dokumentation über die Grundlagen der Bienenzucht. Regisseur Mano Khalil („Unser Garten Eden“), ein aus seiner Heimat vertriebener Kurde, beschreibt in seinem Film das bewegte und bewegende Leben seines Leidensgenossen Ibrahim Gezer. Neben ihrer kurdischen Herkunft – Khalil stammt dabei aus Syrien, Gezer aus der der Türkei – verbindet beide Männer auch, dass sie in der Schweiz eine neue Heimat gefunden haben. Doch auch wenn die Schweizer Alpen Gezer an die Berge seiner Heimat erinnern, ist der Neuanfang schwierig und verlangt große Beharrlichkeit. Trotz all der Kämpfe verliert Gezer jedoch weder seine Menschenliebe, noch seine Hoffnung.

    In seinen besten Zeiten war Ibrahim Gezer stolzer Besitzer von über 500 Bienenvölkern, die stets genug Honig produzierten, um seine Frau und seine elf Kinder zu ernähren, die später allesamt auf die Universität gehen sollten. Doch als sich zwei seiner Söhne dem kurdischen Widerstand anschlossen, war es mit dem Frieden bald vorbei, und Gezer sah sich gezwungen, ohne seine Familie in die Berge zu flüchten. Dort versteckte er sich sieben Jahre vor der türkischen Polizei. Schließlich gelang ihm die Flucht in die Schweiz, wo mittlerweile bereits der Großteil seiner Kinder wohnte. Doch da die Tätigkeit eines Imkers in der Schweiz nicht als ein richtiger Beruf, sondern nur als ein Hobby gilt, findet der über sechzigjährige Gezer nur schwer Arbeit und ist gezwungen, in einem Betrieb für Behinderte am Fließband Ricola-Kräuterbonbon-Tüten in Kartons zu packen. Besonders bitter: Gezer muss noch arbeiten, weil sein Geburtsdatum in seinem türkischen Pass falsch eingetragen ist. Eigentlich ist er bereits fünf Jahre älter und wäre schon im Pensionsalter. Doch Ibrahim Gezer lässt sich nicht unterkriegen...



    Regisseur Mano Khalil stellt sich und seinen Film ganz in den Dienst seines Protagonisten und verzichtet auf jegliche, Eindruck schindende Spielereien. Ein kluger Schachzug, denn der portraitierte Ibrahim Gezer ist ein ebenso einfacher, wie beeindruckender Mensch, dem auf diese Weise am besten gerecht wird. Neben seiner Familie lebt der alte kurdische Imker für seine Bienen und die Natur, die er über alles liebt. Zu seinen Bienen hat er eine so innige Beziehung aufgebaut, dass er die kleinen Honigproduzenten mit der bloßen Hand so sanft von den Waben streicht, dass er dabei praktisch nie gestochen wird. Bekommt er doch einmal einen Stich ab, so ist sogar dies Anlass zur Freude: Lächelnd versichert Gezer dann: „Bienenstiche sind gut gegen Rheuma. Deshalb haben Imker niemals Rheuma.“

    Die gleiche Gutmütigkeit und Sanftheit zeichnet seinen Umgang mit den Menschen aus. Er sagt: „Ich lerne schnell Menschen kennen. Ich habe in der Schweiz viele Freunde. Meine Schweizer Freunde sind sehr lieb.“ Das sind so einfache wie erstaunliche Worte für einen Menschen, der fast alles verloren hat und in seiner neuen Heimat von den Behörden drangsaliert wird. Dabei ist Ibrahim Gezer jedoch kein penetranter Strahlemann, der sich von nichts beeindrucken lässt. Ganz im Gegenteil spricht er ganz offen von seinem Leid und davon, wie sich sein Leben - so ganz anders als in jungen Jahren erhofft - entwickelt hat. Gerade solche Aussagen lassen das Porträt eines sensiblen, feinfühligen Mannes entstehen, dem der Zuschauer im Lauf des Films sehr nahe kommt. Dabei beeindruckt und inspiriert es, wie er trotz aller Rückschläge und Widrigkeiten immer weiter macht und sich dabei weder seinen leisen Optimismus noch sein großes Herz nehmen lässt.

    Fazit: Mano Khalils Dokumentarfilm „Der Imker“ ist ein feinfühliges Portrait eines Exilkurden, der trotz vieler schwerer Schicksalsschläge nicht aufgibt und auf beeindruckende Weise darum kämpft, sich in der Schweiz ein neues Leben aufzubauen.                                  

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