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    Das andere Rom - Sacro Gra
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Das andere Rom - Sacro Gra
    Von Ulf Lepelmeier
    Regisseur Gianfranco Rosi („El Sicario, room 164“) zeigt in seiner mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig ausgezeichneten Dokumentation „Das andere Rom – Sacro Gra“ die italienische Hauptstadt fern von Pracht und Anmut. Er setzt er sich nämlich mit den unglamourösen Lebenswirklichkeiten am Rande der schillernden Metropole auseinander, während einzig die Straßenschilder die Nähe der ewigen Stadt erahnen lassen. Rosis an der römischen Ringautobahn Grande Raccordo Anulare (kurz: GRA) lebende Protagonisten scheinen dabei weit entfernt von den sagenhaften antiken Stätten und mondänen Palästen der Touristenstadt zu existieren. Mit der Zeichnung einer trostlosen Realität am Rande eines ewig lärmenden Ungetüms aus Beton und Asphalt, wirkt die Dokumentation somit wie ein filmischer Gegenentwurf zum ebenfalls im Jahre 2013 veröffentlichten Sittengemälde „La Grande Bellezza“, in welchem die Schönheit und Dekadenz Roms regelrecht zelebriert wurden.


    Ohne ersichtlichen Leitfaden und ohne jegliche Kommentierung nähert sich Gianfranco Rosi in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm verschiedenen, an der römischen Ringautobahn lebenden Personen mit ihren speziellen Gewohnheiten, Gedanken, und Wünschen an. So folgt der italienische Regisseur einem Biologen bei seiner Untersuchung der Palmen am Straßenrand auf Käferbefall, wartet mit zwei betagten Prostituierten auf Freier oder begleitet einen Rettungssanitäter auf seiner Tour. Auch ein eitler Herr, der am Stadtrand seinen mondän eingerichteten Palazzo an Filmteams und Übernachtungsgäste vermietet, ein nörgelnder älterer Fischer oder ein Vater, der in einem viel zu kleinen Hochhausappartement mit seiner erwachsenen Tochter hausen muss, kommen in Momentaufnahmen zu Wort. Dabei gewinnt der Zuschauer einen flüchtigen Einblick in die höchst unterschiedlichen Lebenssituationen der oftmals skurrilen Protagonisten, während sie nebensächlich- alltägliches von sich geben oder ihrem normalen Tagewerk nachgehen. Aufnahmen der sechsspurigen Autobahn sowie der beständig von ihr ausgehende Lärmpegel stellen dabei die einzigen Verbindungspunkte zwischen den von Rosi nach einem zweijährigen Suchprozess ausgewählten Individuen dar.

    Fazit: „Das andere Rom – Sacro Gra“ fängt schnörkellos- authentisch und ohne jeglichen Glanz der nahen Millionenmetropole die Erfahrungswelten von grundverschiedenen Personen in Hörweite zur monströsen römischen Ringautobahn ein.

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