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Mr. Holmes
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Mr. Holmes
Von Björn Becher
1998 kam „Gods and Monsters“ in die Kinos und bescherte Ian McKellen seine erste von bislang zwei Oscar-Nominierungen. Der mittlerweile vor allem für seine Regie beim „Twilight“-Doppelfinale „Breaking Dawn“ bekannte Bill Condon hat den späteren Gandalf-Darsteller schon in jenem ungewöhnlichen Biopic über „Frankenstein“-Regisseur James Whale perfekt in Szene gesetzt und das gelingt ihm bei ihrer neuesten Zusammenarbeit erneut: In „Mr. Holmes“ spielt McKellen einen gealterten, unter Demenz leidenden Sherlock Holmes, der sich aufs Land zurückgezogen hat. Das fiktive Drama ist auch eine Art Biopic, nur wird hier nach dem Roman von Mitch Cullin das Leben von Arthur Conan Doyles erfundener Figur weitererzählt. Der alte Sherlock macht seiner Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney) das Leben schwer und versucht verzweifelt, den letzten Fall seiner Detektivkarriere zu rekonstruieren. Unterstützt wird er dabei von Roger (Milo Parker), dem Sohn seiner Hausdame. Bill Condon und Ian McKellen entfalten in ruhigem Rhythmus eine Charakterstudie von Sherlock Holmes, in der das Bild, das die meisten Zuschauer von dem Meisterdetektiv im Kopf haben, sanft ironisch gebrochen wird. Die verschachtelte und zuweilen etwas langatmige Geschichte wird von einem herausragenden Ensemble getragen, aus dem Ian McKellen standesgemäß heraussticht.




Die Handlung von „Mr. Holmes“ ist auf drei verschiedene ineinander verschränkte Zeitebenen verteilt: Zum einen freundet sich Misanthrop Holmes langsam mit dem kleinen Roger an, weist ihn in die Geheimnisse der Bienenzucht ein und erinnert sich mit seiner Hilfe an den Fall, der ihn einst in den Ruhestand trieb. Ebendieses verwirrende kriminalistische Rätsel um die junge Dame Ann Kelmot (Hattie Morahan) bestimmt die zweite Ebene: Zuerst soll Holmes ermitteln, weil der Ehemann (Patrick Kennedy) sich Sorgen macht, dass jemand seine Frau ausnutzt, dann glaubt der Detektiv zwischenzeitlich an ein Mordkomplott. Es braucht eine ganze Weile, bis der Krimiplot Spannung entwickelt, weil er immer wieder dadurch unterbrochen wird, dass Holmes sich nicht erinnern kann und ihm sein Gedächtnis Streiche spielt. Der dramaturgische Fluss wird durch eine dritte Ebene weiter gehemmt, die kurz vor der Haupthandlung angesiedelt ist: Hier besucht Holmes einen Industriellen (Hiroyuki Sanada) in Japan, von dem er sich Zugang zu einer Pflanze verspricht, die seiner Erinnerung auf die Sprünge hilft. Dieser Strang wirkt zunächst ein wenig wie ein Fremdkörper, erst nach und nach erschließt sich, dass hier deutlich mehr dahinter steckt.

„Mr. Holmes“ ist phasenweise arg langsam, ein wenig behäbig und etwas umständlich erzählt, aber er ist trotzdem niemals langweilig und wird gegen Ende dann sogar richtig stark. Noch vor den atmosphärisch starken Bildern vom London des frühen 20. Jahrhunderts und des vom Zweiten Weltkrieg erschütterten Japan liefern die Großaufnahmen von Ian McKellen die eindrucksvollsten Momente. Der „X-Men“- und „Herr der Ringe“-Star vermag es wie kaum ein zweiter Schauspieler, uns allein über sein Mienenspiel an den Gedanken seiner Figur teilhaben zu lassen. So lässt sich in McKellens Gesicht ablesen, wie Holmes sein Gegenüber ab- und einschätzt, aber auch die Verzweiflung des Detektivs über seinen schwindenden Verstand zeichnet sich dort auf berührende Weise ab. Die nachlassenden geistigen Kräfte des Kombinationsgenies gehören dabei zu den Details, mit denen die Kultfigur auf ihre menschliche Dimension zurückgeführt wird. Und wenn schließlich herauskommt, dass die berühmte Deerstalker-Mütze und die Pfeife nur Erfindungen von Dr. Watson waren, um mehr Bücher zu verkaufen und dass man natürlich auch nicht im Haus an der 221B Baker Street gewohnt hat, weil dort das Arbeiten aufgrund der Touristenanstürme sowieso bald nicht mehr möglich gewesen wäre, dann wird auch noch das Popkultur-Phänomen Sherlock Holmes amüsant auf die Schippe genommen.

Fazit: Mit „Mr. Holmes“ gelingt Regisseur Bill Condon und seinem oscarwürdig brillierenden Hauptdarsteller Ian McKellen ein sehr ruhiges, aber sehenswertes Drama.
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Kommentare

  • Karin G.
    Sehr sensibler, spannender Film, der nur am Anfang einige Längen hat. Bei den verschiedenen Episoden hätte man anfangs die Jahreszahlen einblenden sollen, damit etwas mehr Klarheit herrscht. Gutes Schauspiel mit tiefgründiger Geschichte.
  • Thomas A.
    Normalerweise teile ich die Filmstarts-Kritiken und denke man kann sich sehr gut daran orientieren. In diesem Fall liegt der Kritiker meiner Meinung nach meilenweit daneben. Wie auch in meiner Kritik zu lesen - ein durch und durch langweiliger, langatmiger und belangloser Film der den Namen des Meisterdetektivs nutzt um die Zuschauer ins Kino zu locken.
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