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The Lobster - Eine unkonventionelle Liebesgeschichte
Durchschnitts-Wertung
3,3
60 Wertungen - 4 Kritiken
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4 User-Kritiken

amlug
amlug

User folgen 35 Follower Lies die 279 Kritiken

4,0stark
Veröffentlicht am 20.07.16

Schräge Idee, schräger Film. So kann man denke ich The Lobster kurz und zutreffend zusammenfassen. Aber man kann nur froh darüber sein, dass sich manche Studios tatsächlich noch trauen, derart verrückte Grundkonzepte umsetzen zu lassen, auch wenn sich Sony Deutschland ja anscheinend so weit es geht vom Werk des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos distanzierte. Dennoch sind es diese kleinen Filme, mit tollen neuen Ideen, die die Filmwelt am Leben erhalten und uns „Möchtegern-Arthaus“-Streifen (die ich dieses Jahr leider schon zu oft sah) und irgendein Pre-Sequel zu Transformers vergessen lassen. The Lobster ist eine traurige Romanze, die tatsächlich sehr schwer in Worte zu fassen ist. Der ganze Film wirkt extrem trist, traurig und die Einsamkeit scheint durch den Fernseher hindurch zu greifen. Unser Hauptprotagonist David (Colin Farrell) lebt in einer Welt, in der Menschen nichts mehr hinterfragen, die obskursten Dinge einfach so hinnehmen und menschliche Gefühle und Emotionen komplett verlernt haben. Dabei folgen alle nur irgendwelchen hanebüchenen Regeln und leben ihr Leben einfach so müde vor sich hin. Wahre Liebe gibt es praktisch nicht mehr und es entsteht die krankhafte Vorstellung, dass ein Paar immer eine bestimmte Eigenschaft teilen muss, um sich „lieben“ zu können. Als „böse“ werden in diesem seltsamen Zukunfts-System die „Einzelgänger“ dargestellt, die eine Gruppierung darstellen, die dem Hotel, in das David zu Beginn des Films muss, gar nicht so unähnlich ist, nur mit dem Unterschied, dass sie genau das gegenteilige Ziel verfolgen. Während man sich im Hotel zwangsweise verlieben soll, um nicht in ein Tier verwandelt zu werden, soll man sich bei den „Einzelgängern“ zwangsweise nicht verlieben und genau hier wird es kompliziert, denn diese strikte Regel passt im Grunde überhaupt nicht zum Profil der „Einzelgänger“, ist allerdings für die Geschichte zwingend notwendig, um den Film nach der Hälfte noch am Laufen zu halten. Ein schwieriger Faktor für eine Filmkritik, zumal der Film nach der Hälfte auch seinen Schwung verliert und immer mehr vor sich hin tröpfelt. Allerdings entschädigt dafür wiederrum das Ende, welches zwar etwas arg offen dasteht aber im Prinzip, wenn es so ist, wie ich es mir weiter denke (was ja auch der Sinn eines offenen Endes ist) auf eine grausame Art und Weise wunderschön ist. Dabei bestätigt sich dann auch das, was ich mir vom Film erhoffte, denn man könnte ja durchaus vermuten, dass David irgendwann mit Waffen und Scharen von Anhängern laut rebellierend das System zu Fall bringen will, doch das kommt nicht. Veränderungen geschehen in diesem Film nur sehr langsam und wenn dann nur an einzelnen Charakteren, was vielleicht irgendwann einmal in weit entfernter Zukunft zu einer Rebellion führen könnte. Neben diesem erfrischend neuem und gleichzeitig traurig deprimierenden Drehbuch, welches durchaus ein paar sehr schwarzhumorige Lacher bereithielt, wo man sich nicht wirklich sicher war, ob man lachen oder weinen sollte, war der Film aber auch ansonsten wirklich stark. Vor allem die Schauspielerleistungen von Colin Farrell und Rachel Weisz waren extrem gut, wobei Farrell sensationell gut den Emotionslosen und Weisz sensationell gut eine Person spielt, über die ich aus Spoiler-Gründen nichts verraten will, sorry. Dann haben wir noch Ben Whishaw, der halt einfach super ist und einen John C. Reilly, der mal einen ganz anderen Charakter sensationell spielt. Schlussendlich ist da noch die Französin Léa Seydoux, die so eiskalt spielen kann, dass man es wirklich mit der Angst zu tun bekommt. Ansonsten will ich noch die Kameraarbeit und die Sets hervorheben, die wirklich sensationell die traurig, triste Stimmung wiederspiegeln, beziehungsweise einfangen. Fazit: Wenn man sich auf diese verrückte Reise in eine deprimierende Welt einlässt, hat man zwei wundervoll kreative und zum Nachdenken anregende Stunden!

Kinobengel
Kinobengel

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4,0stark
Veröffentlicht am 10.04.16

Yorgos Lanthimos, Regisseur des Films „Dogtooth“, hat wieder ein skurriles Stück Kunst geschaffen. „The Lobster“ mit hochkarätiger Besetzung erscheint in Deutschland lediglich als DVD unter dem Titel „The Lobster - Hummer sind auch nur Menschen“. Die Besucher des Fantasy Filmfests durften das Werk auf der großen Leinwand sehen. In einer anders entwickelten Welt: Single-Dasein ist verboten. Betroffene müssen in einem Verkupplungshotel binnen 45 Tagen einen Partner finden und dürfen sich bei Anreise ein Tier aussuchen, in das sie verwandelt werden, sollten sie keinen Erfolg haben. David (Colin Farrell) sucht sich den Hummer aus. Es gibt auch Einzelgänger, die unter einer rigorosen, beziehungsfeindlichen Anführerin (Léa Seydoux) illegal im Wald leben. Sie werden von den Hotelgästen gegen Aufenthaltsverlängerung gejagt. David wechselt die Seite und lernt den bedingungslosen Gegenpol kennen. Mit dem deutschen Titel wird Lanthimos‘ Film übertrieben in Richtung Komödie geschubst. Humor kommt auf keinen Fall zu kurz und hat im vorderen Teil zu viel Übergewicht. Der griechische Regisseur hat sich eine besondere Welt geschaffen und vergaloppiert sich zunächst. Das Publikum amüsiert sich prächtig über Partnerlektionen und Tanzabende. Lanthimos schafft es somit nur eingeschränkt, den Menschen gehörig den Spiegel vorzuhalten. Vielen Bewertungsportalen reicht der Klick auf Like oder Dislike. Muster werden vorgeschrieben und sorgen für Tunnelblick sowie Intoleranz, die Emotionen verkümmern und verleiten die Menschen zu Fehlreaktionen. So auch in der Geschichte von Lanthimos mit spaßiger Übertreibung. David verlangt eine Partnerin, die kurzsichtig ist wie er. Das Zimmermädchen erscheint zum Lapdance, aktiviert den Sexualtrieb und lobt die Erektion. Mit solchen originellen und reichlich aberwitzigen Einfällen mehr bearbeitet der Filmemacher sein Publikum. Und er bekommt es auf seine Seite, denn Lanthimos lässt David ausbrechen, aus den Extremen zur Erkenntnis kommen, auch wenn das Grenzen hat, die aufrütteln und nachdenklich machen. Colin Farrell zeigt Vielseitigkeit und hat einen ordentlichen Anteil am Gelingen des Films. Vertreiber Sony Pictures Germany hat „The Lobster“ laut Filmfestveranstalter Rainer Stefan viele Monate lang in der Schublade liegen gelassen und sich dann gegen den Kinostart entschieden. Schade eigentlich. Nur gut, dass sich das Fantasy Filmfest um diese schönen Perlen bemüht.

Matthias H.
Matthias H.

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2,0lau
Veröffentlicht am 28.01.18

Eine Welt in der es keine Singles geben darf. Schräger Experimentalfilm als Zukunftsfiktion mit spannendem Anfang seichtem Mittelteil und absurdem Ende. Der Regisseur gibt keinerlei Erklärungen für die Entstehung seiner fiktiven Welt weswegen am Ende der Story ein fader Geschmack bleibt.

Cursha
Cursha

User folgen 18 Follower Lies die 758 Kritiken

4,5hervorragend
Veröffentlicht am 10.01.18

"The Lobster" vom Griechen Giorgos Lanthimos ist schon ein extrem eigenwilliges und besonderes Stück Kino. Die kleine Arthouse Perle hat leider viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und ging unter der Vielzahl von ermüdenden Blockbustern, die 2016 liefen, einfach unter. Schade eigentlich. Den "The Lobster" ist ein extrem tiefgründiger, kreativer und schräger Film, der beste gesellschaftskritische Grundpunkte aufweist. In einer nahen Zukunft müssen Singles, in einem Hotel, innerhalb von 45 Tagen einen Partner finden, um wieder in die Stadt ziehen zu dürfen. Tun sie dies nicht, werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt. Alle Menschen sind emotional abgestumpft und "Liebe" lässt sich nur dann finden, wenn man gleiche Eigenschaften oder Merkmale teilt. Unter diesen Singles befindet sich die Figur David gespielt von Colin Farrell, dem wir durch die Handlung des Filmes folgen dürfen. Der Film ist unterteilt in zwei stark entgegengesetzte Hälften, die kaum unterschiedlicher sein können. Alles was wir in der ersten Hälfte des Filmes erfahren und erleben, wird im zweiten Teil des Films in genau die andere Richtung gedreht. Dabei liefert der Film eine interessante Sicht auf gesellschaftliche Probleme und geht diese auf interessante, lustige, aber auch schockierende Art und Weise ran. Zum einen wird aufgezeigt in welche Richtung sich unsere Gesellschaft aus emotionaler Sicht entwickelt. Wir verlieren unsere menschlichsten Emotionen und haben verlernt was Liebe ist. Wir sehnen uns im tiefsten inneren nach Zweisamkeit, aber wir wissen gar nicht mehr, was dies bedeutet. Hier wird es als, "wir müssen möglichst viel gemeinsam haben" aufgefasst. Zum anderen kann man den Film aber auch auf den Zwang des Menschen nach einem Partner auslegen. David kommt in ein Hotel, in dem er wie in einem Datingportal seine Mitbewerber auscheckt um jemand zu finden, der seinem Profil gleicht. Ständig steht er unter dem gesellschaftlichen Druck der Großstadtmenschen einen Partner zu finden um am gesellschaftlichen Treiben teil zu haben. Ohne Partner hat man keinerlei Sinn in der Gesellschaft. So wird sich auf die unnatürlichste und unpersönlichste Art und Weise ein Partner auserkoren, dessen Profil noch nächsten dem eigenen entspricht. Den Gegenzug liefert die zweite Hälfte. Ich werde diese nicht tiefer erläutern, außer dass man bei diesen Rebellen eben keinen Partner haben darf und sich ausgerechnet dort die Liebe des Lebens befindet. Liebe ist etwas was man fühlen muss und die zufällig und an den unmöglichsten Orten auf uns zukommen kann. Sie ist nichts die man in einem Forum(Hotel) oder einen Zeitpunkt "abarbeiten" kann. Diese Massage macht den Film eben zu etwas ganz besonderem und führt ihn fast zum Meisterwerk hin. Obwohl der Film unterkühlt, böse und schockierend wirkt, ist er dennoch eine besondere Liebesgeschichte. Handwerklich perfekt umgesetzt, muss man vor allem die Kameraarbeit und das Drehbuch hervorheben. Aber auch die Darsteller muss man loben. Seit "Brügge sehen.. und sterben?" geht es Rund mit Colin Farrell, der eine tolle Auswahl an großartigen Rollen spielt und sich zu einem starken Charakterdarsteller entwickelt hat. Er erfüllt seine Rolle mit Bravur und ist die ideale Besetzung für den schrulligen David. Aber auch Rachel Weisz, die vor allem im Indie- und Arthouse Bereich immer für qualitativ sehr gute Filme steht macht ihre Sache super. Auch die Nebenrollen sind mit Lea Seydoux, Ben Whishaw, John C. Reilly und Olivia Colman super besetzt. Kurz: Grandiose Kameraarbeit, tolles Drehbuch und eine Vielzahl von herausragenden darstellerischen Leistungen, tragen einen herausragenden, schrulligen Film, mit viel bösem Humor, schrägen Ideen und gesellschaftlichen Themen, die aktueller kaum sein könnten und ein Appell an wahre Liebe ist.

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