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London Has Fallen
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
London Has Fallen
Von
Auch im Nicht-Wahljahr 2013 mussten die Amerikaner eine Entscheidung treffen: Wen unterstütze ich mit dem Kauf einer Kinokarte im Kampf der beiden „Attacken-auf-das-Weiße-Haus“-Actionfilme? Roland Emmerich und seinen schelmischen 150-Millionen-Dollar-Actioner „White House Down“ oder Antoine Fuquas nur halb so teuren Brutalo-Reißer „Olympus Has Fallen“? Überraschenderweise „wählte“ die nordamerikanische Bevölkerung mit einem Verhältnis von 98.925.640 Dollar zu 73.103.784 den „Stirb langsam“-Verschnitt mit Gerard Butler. Für die buchhalterisch durchaus sinnvolle Fortsetzung „London Has Fallen“ verlegt Nachfolge-Regisseur Babak Najafi („Easy Money 2“) das Kriegsgebiet nun von Washington D.C. in die britische Weltmetropole London, die von Terroristen attackiert wird. Auch der zweite Film ist schlicht gestrickt, aber mit seinen arabischen Industriellen und Waffenhändlern auf Rachefeldzug gegen die Drohnenkriegsnation USA hat er zumindest einen stimmigeren Handlungsunterbau als die arg dumpfe Konfrontation zwischen abgrundtief bösen Nordkoreanern und patriotisch einwandfreien Amerikanern im ersten Teil. Auch die Erweiterung des Spielfelds auf eine ganze Metropole macht sich positiv bemerkbar, wobei die rustikale Action nicht mehr so ultrabrutal ausfällt wie das Weiße-Haus-Gemetzel in „Olympus Has Fallen“.

Der plötzliche Tod des britischen Premierministers James Wilson im Alter von nur 46 Jahren bringt die wichtigsten Staatsoberhäupter der Welt zur Beerdigung nach London. Der amerikanischen Secret-Service-Direktorin Lynne Jacobs (Angela Bassett) ist die kurzfristige Planung des Besuchs von US-Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart) nicht geheuer, doch eine Absage kommt aus politischen Gründen nicht in Frage. Aber immerhin hat der Präsident seinen besten Mann, Leibwächter Mike Banning (Gerard Butler), an seiner Seite, der ihn schon zwei Jahre zuvor bei der Terror-Attacke auf das Weiße Haus rausboxte und der nun wieder seine Pflicht erfüllt, obwohl seine Frau Leah (Radha Mitchell) hochschwanger ist. Und tatsächlich erschüttert ein von dem pakistanischen Waffenhändler Aamir Barkawi (Alon Moni Aboutboul) in Auftrag gegebener verheerender Terroranschlag die britische Hauptstadt: In dem Chaos soll Asher entführt und vor laufenden Kameras exekutiert werden.


Der fiktive US-Präsident Benjamin Asher hat es besonders schwer: Nachdem er gleichsam im eigenen Wohnzimmer einem verheerenden Attentat der Nordkoreaner entkommen ist, nehmen ihn auf Auslandsstippvisite nun die Araber in die Mangel - ohne seinen Edel-Vasallen Mike Banning wäre er längst tot. Diese zugespitzte Ausgangslage, in der ein einziger Mann das Leben des mächtigsten Mannes der Welt im Alleingang beschützt, ist nach wie vor heikel und sorgt auch diesmal wieder für einige unelegante erzählerische Verrenkungen: Die Polizei ist nach dem Anschlag infiltriert und unterwandert, sodass man ihr nicht mehr trauen kann. Okay! Diese Krücke lässt sich gerade noch akzeptieren, aber warum das britische Militär erst spät und dann nur mit Mini-Spezialtrupps einrückt, ist kaum plausibel erklärbar. Aber solche logischen Fragen sind in „London Has Fallen“ natürlich auch zweitrangig: Hier wird in Spielfilmlänge aus allen Rohren geballert und für ebenso schnörkel- wie anspruchslose Action-Unterhaltung gesorgt - garniert mit dem üblichen US-patriotischen Kampfgeheul. Dazu gibt es diesmal wenigstens etwas differenziertere Zwischentöne und es wird zumindest unterschwellig die Frage nach der Rechtmäßigkeit von amerikanischen Drohnenangriffen gestellt, wenn dabei die unschuldige Tochter der Zielperson bei ihrer eigenen Hochzeit als „Kollateralschaden“ ums Leben kommt.

Angesichts dieser Verbesserung des Drehbuchs der Originalautoren Creighton Rothenberger und Katrin Benedikt (unterstürzt von Christian Gudegast und Chad St. John) ist der frühe Ausstieg von Teil-1-Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“) nach dem Lesen des ersten Storyentwurfs durchaus überraschend. Und da Ersatzkandidat Frederik Bond („Charlie Countryman“) sechs Wochen vor Drehbeginn nach „kreativen Differenzen“ ebenfalls hinschmiss, rettet Babak Najafi in seinem ersten Hollywood-Film stattdessen den Tag. Der Iraner nutzt die Erweiterung des Schauplatzes auf eine ganze Großstadt zu kugelreichen Verfolgungsjagden und inszeniert den Nahkampf knallhart und ohne Schnörkel. Die CGI-Effekte bei den Attacken auf Londoner Wahrzeichen sind allerdings keine Zier, wie schon in Teil 1, trotz eines Budgets von dieses Mal 105 Millionen Dollar. Die Computerbilder der über die Stadt hinwegrollenden Zerstörungswelle sind nicht auf der Höhe der Zeit und wirken oft deutlich zu künstlich.

Haudegen Gerard Butler („300“, „Gesetz der Rache“) ist die Rolle des beinharten Personenschützers mit dem Herz auf dem rechten Fleck auf den Leib geschrieben. Zu der enormen physischen Präsenz des Schotten gesellt sich hier eine Mischung aus Loyalität, Gemein- und Starrsinn, die den Elitekämpfer besonders gefährlich macht. Aaron Eckhart („The Dark Knight“) macht einmal mehr das Beste aus seiner eher passiven Präsidentenrolle und überzeugt vor allem in den stilleren Momenten, wenn es um die privaten Aspekte der Beziehung zu seinem Schutzengel geht. Alon Moni Aboutboul („The Dark Knight Rises“) und Waleed Zuaiter („Männer, die auf Ziegen starren”) wiederum liefern als Bösewichte solide Leistungen und verkommen nicht zu hasserfüllten Witzfiguren. Vom restlichen Star-Ensemble bekommt Angela Bassett („Contact“) noch die meiste Leinwandzeit, und auch Morgan Freeman („Sieben“) prägt als Vizepräsident mit seiner naturgegebenen Präsenz ein paar Szenen, aber das Talent von Robert Forster („Jackie Brown“), Radha Mitchell („Silent Hill“), Jackie Earle Haley („Watchmen“) oder Melissa Leo („The Fighter“) wird so gut wie gar nicht genutzt.

Fazit: Regisseur Babak Najafi variiert das Originalthema von „Olympus Has Fallen“ in seinem krachenden Action-Sequel „London Has Fallen“ zwar nur leicht, aber sorgt  mit seinen sinnvollen Veränderungen dennoch für einen besseren Film.

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Kommentare

  • Fain5
    Ich fand das CGI Blut im Vorgänger so unerträglich hässlich. Dafür waren alle Aussenaufnahmen von White House Down extrem billig.
  • FAm Dusk Till Dawn
    "...aber sorgt mit seinen sinnvollen Veränderungen dennoch für einen besseren Film."Viel schlechter als der Vorgänger hätte er ja auch nicht werden können!
  • WhiteNightFalcon
    Besser als Teil 1 dürfte nicht viel heißen. Das hätte ich selbst Uwe Boll zugetraut.
  • Virginia T.
    Ich bin da ganz anderer Meinung. Die Effekte waren toll und um Längen besser als im ersten Teil und der Unterhaltungswert ist in jedem Fall getroffen. Vielleicht sollte man nicht immer alles politisch hinterfragen, denn das lag sicher nicht im Interesse der Macher.
  • Cinergie
    Also ich muss auch sagen, dass ich vom Film schwer enttäuscht bin. Ich habe grundsätzlich keine Probleme, wenn es auch mal amerikanischer Patriotismus und Pathos gibt - aber dieses vom klischee "Guter Westen, böse arabische Welt" geprägte Bild ist in seiner Oberflächlichkeit eine Beleidigung für jeden intelligenten Menschen! Ja, der Film ist sowohl dramaturgisch als auch actionmässig wirklich erstklassig umgesetzt aber die Botschaft ist absolut daneben. Ich bin alles andere als ein Befürworter von Terrorismus und bin auch der Meinung, den IS muss man mit allen zur Verfügung stehenden Mittel ausrotten aber man kann nich die ganze arabische Welt in diesen Terroristentopf kippen!
  • pil
    Oh Man, ich hab mir den gerade gegeben. Die Botschaft ist ja echt fürn Eimer. Streckenweise doch sehr unterhaltend. Aber die Moral der Geschicht doch Hammer fragwürdig. Ist ja klar das immer aktuelle Feindbilder gewählt werden ( war ja schon immer so ) aber es wird ja sprichwörtlich die Angst der Leute noch zeitgenössisch untermalt. Sehr ambivalent das ganze aber auch. Wollte mich bißchen berieseln lassen, aber eben n fader Beigeschmack.
  • Jacques S.
    Während die erste Hälfte (der Überraschungsangriff) durchaus unterhaltsam ist, wirkte die zweite Hälfte (Präsident auf der Flucht mit Held durch Londons Gassen) auf mich als würde ich bei irgendeinem Shooter à la Call of Duty jemanden beim Spielen zuschauen. Hat nur noch die Lebens- und Munitionsanzeige gefehlt. Warum plötzlich ganz London menschenverlassen ist und GB scheinbar nur über 20 Soldaten verfügt schien mir dann wirklich zu konstruiert. Dass unser Held sich dabei jeweils durch Hundertschaften von Terroristen ballert, die alle in echter Stormtrooper-Manier nie treffen, aber dafür sofort tot umfallen, störte da schon fast nicht mehr. In diesem Sinne, erste Hälfte 3 Sterne, zweite Hälfte 1,5 Sterne, mit grosser Portion stinkigem Patriotenschleim oben drauf.
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