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Ritter Rost 2 - Das Schrottkomplott
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Ritter Rost 2 - Das Schrottkomplott
Von
Es muss nicht immer Disney sein. Das zeigt sich auch beim Blick in die deutschen Kinderzimmer, wo sich ein Merchandise-Kampf offenbart, der sich längst von der Leinwand aufs Leben übertragen hat: Zwischen „Die Eiskönigin“-T-Shirts und „Cars“-Pullovern hängt da bei der jüngeren Zielgruppe auch der ein oder andere „Ritter Rost“-Schlafanzug dazwischen. Ritter Rost ist durch die gleichnamige Kika-Serie, Kinderbücher, Hörspiele und CDs bekannt geworden und hat im Jahr 2012 auch seinen ersten Kinoauftritt absolviert: Ein Ritter aus Schrott, in Form einer alten Registrierkasse, der mit seiner besten Freundin, dem Burgfräulein Bö, und dem Drachen Koks in der Eisernen Burg in Schrottland lebt und bereit ist für Abenteuer aller Art. Mit „Ritter Rost 2 – Das Schrottkomplott“ von Thomas Bodenstein und Marcus Hamann kommt nun die obligatorische Fortsetzung ins Kino, die sich vom ersten Film leicht abhebt. Es wird zwar immer noch viel Wert auf Kalauer und Musik gelegt, doch „Ritter Rost 2“ hat eine für einen Kinderfilm doch eher ungewöhnliche politische Dimension um einen Polizeiputsch und die Entmachtung der bisherigen Führung eines ganzen Königreichs.

Schrottland, das kleine Königreich, in dem Ritter Rost (Stimme: Christoph Maria Herbst) mit seinen Freunden Bö (Jella Haase) und Koks (Dustin Semmelrogge) ein glückliches und zufriedenes Leben führt, ist pleite. Der König und seine Tochter haben weit über ihre Verhältnisse gelebt, der Staat muss an allen Ecken und Enden sparen. Nach einem von Ritter Rost inszenierten und schief gelaufenen Versuch, die Bewohner auf den nötigen Sparkurs zu trimmen, dankt König Bleifuß ab und überlässt den Thron seiner zickigen, dem Luxus zugewandten Tochter Prinzessin Magnesia. Aus Trotz und politischer Unerfahrenheit lässt Magnesia einen Militärputsch zu, wird dabei selbst entmachtet und aus dem kleinen Schrottland wird ein Polizeistaat. Ritter Rost muss sich mit den anderen entehrten, vor die Tür gesetzten Ritter zusammenraufen und eine Revolution anzetteln…



„Ritter Rost 2“ zeigt spielerisch und mit kindgerechter Action den Verfall eines ganzen Staates. Die Ritter werden entlassen, verlieren alle ihre Privilegien, ziehen wie Outlaws in eine ausgediente Westernstadt, ein Sammelsurium für die Gestrandeten und Geächteten. Sie verwahrlosen und zeigen ihr wahres Gesicht. Aus den ehemals ehrbaren Rittern werden wütende weiße Männer, die sich erst wieder zusammenraufen müssen, bevor sie zum Gegenangriff blasen können. Der wird dann allerdings von den frustrierten Frauen angeführt. Denn Burgfräulein Bö mit ihrer roten Mähne ist die einzige, die im Chaos der Staatspleite einen kühlen Kopf bewahrt und die sich dennoch dumme Sprüche anhören muss, wer denn saugen, kochen und putzen würde, wenn sie einer geregelten Arbeit nachginge. Die einzige wirklich starke Figur ist also weiblich.

Ganz nebenbei und kindgerecht verpackt zeigt „Ritter Rost 2“, wie eine demokratisch geprägte, gut funktionierende Monarchie zerfällt. Es gibt wahllose Verhaftungen von Intellektuellen, eine Verstaatlichung und Gleichschaltung der Medien. Wer die Polizei beleidigt, muss 25 Jahre in den Kerker. Für einen Kinderfilm ist das ganz schön viel Holz. Mit einem Blick auf die Türkei oder die USA entwickelt der Film eine hochaktuelle politische Brisanz, die in einem 3D-Animationsfilm für Vorschulkinder allerdings auch ein wenig befremdlich wirkt.

Viel Liebe steckt im Detail. Ritter Rost selbst drückt seine Emotionen über die Anzeigeknöpfe seiner Registrierkasse aus und leidet unter der Abwesenheit seines Vaters. Der Fernsehmoderator ist hingegen eine alte Bandmaschine und für den Mehrwert des 3D-Zuschlags gibt es die obligatorischen Point-Of-View-Action-Einstellungen. Mit Thomas Bodenstein und Marcus Hamann hat ein altbewährtes Team auf dem Regiestuhl platzgenommen. Warum allerdings die Synchronstimmen einmal munter durchgetauscht wurden, bleibt ein Rätsel. Statt Rick Kavanian spricht nun etwa Christoph Maria Herbst den Ritter Rost, obwohl der im ersten Film noch den Bösewicht Prinz Protz gespielt hat, während Caroline Kebekus durch Jella Haase ersetzt wurde.

Fazit: Mit der Komplexität der Geschichte um einen autokratischen Staat könnten Kinder schnell überfordert sein und die Schauwerte der Animation halten sich auf der großen Leinwand in Grenzen. Dafür kann man die Botschaft nur ganz fett unterstreichen: „Nichts Anstellen ist das Schlimmste, was man anstellen kann!“
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