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Liebe auf den ersten Schlag
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Liebe auf den ersten Schlag
Von Christian Gertz
„Ich wollte eine starke Persönlichkeit. Wenn Madeleine das erste Mal auf der Leinwand erscheint, weiß der Zuschauer sofort, dass etwas Großes passieren wird. Sowohl mein Castingdirektor als auch ich hatten sofort Adèle Haenel im Kopf, als es um die Besetzung der Rolle ging.“ Es ist nicht unbedingt selten, dass Regisseure von ihren Schauspielerinnen schwärmen. Aber es ist selten, dass die lobenden Worte so wahr und nachvollziehbar sind wie diese Äußerung des 35-jährigen Regiedebütanten Thomas Cailley über die Hauptdarstellerin seiner romantischen Komödie „Liebe auf den ersten Schlag“. Adèle Haenel („Water Lilies“) ist als junge Frau, die sich verbissen auf die in ihren Augen unvermeidliche Apokalypse vorbereitet, ein echtes Ereignis. Nach außen demonstriert sie unbändige Willensstärke und Energie, doch unter dem Panzer der Stärke lauern Angst und Verletzlichkeit. Ihre elektrisierende Darbietung ist das Sahnehäubchen auf einem ebenso ungewöhnlichen wie amüsanten Film. Die Liebesgeschichte der etwas anderen Art ist dabei beileibe keine One-Woman-Show: Nicht umsonst wurden neben Haenel auch ihr Partner Kévin Azaïs sowie der Film selbst (als Bestes Erstlingswerk) mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet.     

Nach dem Tod des Vaters haben Arnaud (Kévin Azaïs) und sein älterer Bruder Manu (Antoine Laurent) alle Hände voll zu tun. Der kleine Tischlerei-Betrieb der Familie steht vor dem Aus, zahlreiche Aufträge drohen zu platzen. Während die meisten jungen Menschen dem kleinen Provinznest an der südfranzösischen Atlantikküste längst den Rücken gekehrt haben, suchen auch der 18-jährige Arnaud und seine wenigen verbliebenen Freunde nach neuen Chancen – und bis dahin allabendlich nach etwas Abwechslung am Strand. Eine Werbeveranstaltung zieht die Aufmerksamkeit der Clique auf sich: Die Armee versucht abseits der Großstädte, neue Kandidaten für eine Karriere als Soldat zu begeistern. In einem Show-Training trifft Arnaud auf die ziemlich kratzbürstige Madeleine (Adèle Haenel), die ihm bei einer Selbstverteidigungsübung zunächst den Arm und wenig später den Kopf verdreht.


„Les combattants“, die Kämpfer, wie der Film im französischen Original heißt, trägt den wichtigsten Wesenszug seiner Hauptfiguren bereits im Titel. Arnauds Kampf findet allerdings zu Beginn ausschließlich im eigenen Kopf statt. Soll er zusammen mit seinem Bruder den Betrieb des Vaters weiterführen? Damit würde er vor allem seine Mutter glücklich machen und sein Kampf wäre zugleich einer für die Familie. Doch dann ändert sich alles: Als er den Auftrag für ein neues Pool-Haus übernehmen soll, traut er seinen Augen kaum, denn aus besagtem Pool taucht die toughe Madeleine auf, die ihn am Abend zuvor zu Boden gerungen hatte. Sie ist die Tochter des Hauses und versucht, ihre Eltern von der Sinnlosigkeit des Bauvorhabens zu überzeugen - auch bei dieser zweiten Begegnung lässt sie keine Gelegenheit aus, Arnaud lächerlich zu machen. Die verbissen für die Aufnahmeprüfung bei der Armee trainierende Makro-Ökonomin scheint sich ständig im Kampfmodus zu befinden, was Arnauds Faszination für sie nur noch mehr befeuert. Von nun an wird er um sie und mit ihr kämpfen.

Während Regisseur Thomas Cailley die Faszination Arnauds für Madeleine teilt und Adèle Haenel durchaus voyeuristisch in sonnendurchfluteten Bildern präsentiert, etabliert er zunächst einen ausgeprägten Gegensatz zwischen den beiden Figuren. Sie sind beide Einzelgänger in ihrem dahinsiechenden Landstrich im Süden Frankreichs und teilen eine in fahle Blautöne gekleidete Perspektivlosigkeit, aber ihre Erfahrungen und Ansichten sind einander dennoch diametral entgegengesetzt. Doch ironischerweise erwächst hier aus der Angst vor der Zukunft der Mut zum Aufbruch in neue Welten und so wird die Flucht nach vorne, die sie beide in die Arme der französischen Armee treibt, zur Expedition in das Unbekannte, wo sie sich selbst und eine ganze gemeinsame Welt neu erfinden können. Auf dem Fundament des drohenden Weltuntergangs (von dem ist Madeleine überzeugt) bekommt ihre Liebe etwas Endgültiges und eine dem Alltag enthobene romantische Intensität.

Fazit: Herausragend gespielte romantische Komödie über ein junges Paar, das Ende der Welt und die große Liebe.
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