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    Melodys Baby
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Melodys Baby
    Von Asokan Nirmalarajah
    Im Zentrum von „Melodys Baby“, dem zweiten Spielfilm des Lütticher Dokumentaristen Bernard Bellefroid steht der weibliche Körper. Das wird gleich in der ersten Szene deutlich, in der eine fast nackte junge Frau in embryonaler Stellung zu sehen ist. Beginnend mit dieser Einstellung reiht Bellefroid in seinem strengen Drama über den komplizierten Verlauf einer Leihmutterschaft die Bilder der sich langsam transformierenden Körper seiner beiden Protagonistinnen aneinander. Die Schwangere und ihre deutlich ältere Auftraggeberin stehen exemplarisch für die Stadien Geburt und Jugend sowie Alter, Krankheit und Tod, aber was theoretisch nach einer reizvollen Reflexion emblematischer Fragen klingt, erweist sich über weite Strecken als allzu schematisch durchexerziertes Reißbrettkino. „Melodys Baby“ beginnt als smarte sozialkritische Abrechnung mit der modernen Ausbeutung des weiblichen Körpers als Brutstätte für die „Ware Kind“, entwickelt sich dann allerdings immer stärker zu einem melodramatisch-klischeehaften Kammerspiel zwischen zwei gut gespielten, aber oberflächlich gezeichneten Frauenfiguren.


    Die junge belgische Theaterhoffnung Lucie Debay und die routinierte australische Charakterdarstellerin Rachael Blake („Sleeping Beauty“) erhielten 2014 für ihre Verkörperung der ungleichen Protagonistinnen, die ein kalter Tauschhandel (Geld gegen Baby) zusammenbringt, gemeinsam den Darstellerpreis des World Film Festivals in Montreal. Und es liegt in der Tat nicht an den Schauspielerinnen, dass „Melodys Baby“ in der zweiten Filmhälfte deutlich abfällt: Regisseur Bellefroid lässt die zu Beginn zumindest ansatzweise gestellten ethischen Fragen zur Leihmutterschaft unbeantwortet fallen und von da an durchlaufen seine beiden Hauptfiguren bloß noch diverse Standardsituationen des Frauen-, Freundschafts- und Krankheitsdramas. Das Streben nach Unabhängigkeit, die schwierige Balance zwischen Distanz und Nähe, der Konflikt zwischen hartem Geschäft und inniger Zuneigung, das Ringen mit sozialer Not oder einem tückischen Leiden: Alles das wird hier skizziert, aber die grob angerissenen Ideen sind dabei selten mehr als abstrakte Gemeinplätze. Die emotionale Wahrhaftigkeit individueller Erfahrung bleibt auf der Strecke, was nicht zuletzt an Bellefroids eintöniger und wenig dynamischer Inszenierung liegt. Besonders der exzessive Einsatz von Großaufnahmen nimmt den für sich genommen durchaus feinfühlig gestalteten Bildern irgendwann jede Ausdruckskraft.

    Fazit: „Melodys Baby“ steckt voller interessanter Themen und Ideen, bleibt aber zu oberflächlich, um nachhaltig zu wirken.
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