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    Alles ist Liebe
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Alles ist Liebe
    Von Andreas Staben
    Mittlerweile gibt es wohl zu jedem irgendwie besonderen Datum mindestens einen eigenen Film: vom „Independence Day“ über Vater- und Muttertag bis zu „Halloween“. Den ominösen Murmeltiertag musste Bill Murray in „...und täglich grüßt das Murmeltier“ sogar immer und immer wieder durchleben. Der beliebteste Filmfeiertag ist aber mit weitem Abstand Weihnachten. Zum Fest der Liebe gibt es Gefühlvolles wie „Ist das Leben nicht schön?“ und Komisches wie „Schöne Bescherung“. Beides hat Richard Curtis in seinem romantischen Reigen „Tatsächlich… Liebe“ verbunden, der sich seit seinem Erscheinen 2003 zu so etwas wie einem modernen Klassiker entwickelt hat. Die Popularität der Ensemblekomödie lässt sich auch daran ablesen, dass sie andere Filmemacher unverkennbar inspiriert hat. So entstand 2007 die niederländische Produktion „Alles is liefde“ (internationaler Titel: „Love is All“), die deutlich am britischen Vorbild orientiert war und die ihrerseits nun ganz offiziell die Vorlage liefert für einen deutschen All-Star-Episoden-Weihnachtsfilm namens „Alles ist Liebe“. Die romantische Komödie von Regisseur Markus Goller („Friendship!“) verdankt nicht nur ihren Titel dem älteren Film, aber hier ist nicht die Originalität der Handlung entscheidend, sondern ihre stimmungsvolle Umsetzung. Und die gelingt Goller nicht zuletzt dank seiner prominenten Darsteller in der Mehrzahl seiner fünf mehr oder weniger geschickt miteinander verknüpften Erzählstränge recht gut.


    Weihnachten steht vor der Tür und in Frankfurt herrscht Feiertagsaufregung: Kerem (Fahri Yardim) hat seinen Job verloren, verheimlicht dies aber vor seiner Frau Simone (Katharina Schüttler) und den beiden Kindern. Er versucht verzweifelt, an Geld zu kommen, damit sie wenigstens Geschenke kaufen können… Auch Hannes (Wotan Wilke Möhring) steckt in der Krise. Seine Frau Clara (Heike Makatsch) will die Scheidung, nachdem er sie mit der Lehrerin von Sohn Boris betrogen hat. Er will die Ehe retten, während Clara von dem Teenager David (Jannis Niewöhner) bewundert wird… Zur großen Weihnachtsshow am Mainufer ist auch der Hollywoodstar Jan Silber (Tom Beck) in der Stadt, der seiner Ex-Freundin Kiki (Nora Tschirner) wiederbegegnet, was alte Gefühle erwachen lässt… Kikis Bruder Viktor (Christian Ulmen) wiederum steht kurz vor der Hochzeit mit Bestatter Klaus (Friedrich Mücke). Der allerdings wird von Zweifeln geplagt… Und der nach 30 Jahren zurückgekehrte Martin (Elmar Wepper) hinterfragt ebenfalls sein Leben, als er von der TV-Aufnahmeleiterin Alice (Inez Bjørg David) kurzerhand als Notfallersatz für den Weihnachtsmann engagiert wird…

    Ganz ähnlich wie in „Tatsächlich… Liebe“ und „Alles is liefde“ oder auch in anderen Ensemble-Episodenfilmen wie „Valentinstag“ und „Happy New Year“ liefert der Kalender den roten Faden für „Alles ist Liebe“. Weihnachten ist der Anlass für allerlei Liebeschaos, für große und kleine Familiendramen, für ein oder zwei Winterwunder und für eine festlich geschmückte Stadt. Der Schauplatz ist Frankfurt am Main und Regisseur Goller bringt die Mainmetropole, die als Kinofilmlocation noch nicht allzu verbraucht ist, gemeinsam mit Kameramann Ueli Steiger („The Day After Tomorrow“) gut zur Geltung. Vom Adventsspektakel am und auf dem Fluss bis zum im Februar nachgebauten Weihnachtsmarkt auf dem Römer: Viel von der einnehmenden  Atmosphäre des Films ist auf die Farben und Lichter der Stadt zurückzuführen. Und wenn am Ende der ersehnte Schnee fällt und alle Geschichten ihr selbstverständlich gutes Ende finden, dann lässt die wohlige Stimmung über die gröberen dramaturgischen Zwangsmaßnahmen hinwegsehen. „Liebe ist das Wichtigste im Leben“, heißt es einmal im Dialog und so werden alle Probleme gelöst – obwohl das zuweilen durchaus im Widerspruch zum zuvor Erzählten steht.

    Die unvermeidliche Wendung ins Positive fällt ausgerechnet bei der leichtgewichtigsten Episode des Films am wenigsten überzeugend aus. Wenn Tom Becks wenig charismatischer Filmstar und seine von Nora Tschirner („Keinohrhasen“) verkörperte patente Ex-Freundin nach allerlei Hin und Her, das ihm das Tragen absurdester Verkleidungen abverlangt, ein unglaubwürdiges Missverständnis aufklären und alles auf den zweiten Anlauf hinausläuft, dann wirkt das genauso konstruiert wie es ist und auch sein Einsatz zu Pferde hilft da wenig. Die schicksalhafte Begegnung zwischen Elmar Weppers Weihnachtsmann wider Willen und Friedrich Mückes Bestatter in der Krise leidet indessen ein wenig darunter, dass dessen Erzählstrang im Gesamtgefüge des Drehbuchs von Jane Ainscough („Die Wolke“, „Miss Sixty“) etwas kurz kommt. Mehr Platz zur Entfaltung bekommen Wotan Wilke Möhring („Who Am I“, „Männerherzen“) und Heike Makatsch (sie war schon in „Tatsächlich… Liebe “ dabei), die eine erstaunlich ernste und vielschichtige Skizze einer Ehekrise auf die Leinwand zaubern – bis zum in ihrem Fall ganz und gar nicht aufgesetzt wirkenden optimistischen Ende. Die Geschichte von Fahri Yardims („Irre sind männlich“, „Tatort“) arbeitslosem Familienvater schließlich, der alles versucht, Frau und Kindern trotzdem ein schönes Fest zu bereiten, entpuppt sich als waschechtes Weihnachtsmärchen zum Mitfiebern und Mitfühlen - und damit ist sie so etwas wie das Herzstück von „Alles ist Liebe“.  

    Fazit: An das Vorbild „Tatsächlich… Liebe“ kommt der deutsche Weihnachtsreigen „Alles ist Liebe“ nicht heran, aber die sympathischen Darsteller und die stimmungsvolle Inszenierung machen die Liebeskomödie zu durchaus sehenswerter Feiertagsunterhaltung.
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