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    Fack ju Göhte 2
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Fack ju Göhte 2
    Von Andreas Staben
    Als Eckhard Badebrecht (Michael Maertens) vom Bildungsministerium bei Katja Riemanns Schulleiterin vorspricht, ist die Rede davon, den „Finger in die Wunde“ des deutschen Schulsystems zu legen, dabei will er mit seinen Händen vor allem unter ihre Bluse, während sie auf das Geld und die Mittel scharf ist, die er zu vergeben hat. Die ebenso unverblümte wie witzige kleine Szene zeigt, wie clever die Schulkomödien-Fortsetzung „Fack ju Göhte 2“ über weite Strecken ist: Regisseur und Autor Bora Dagtekin („Türkisch für Anfänger“) macht sich ungeniert über alles lustig, was eine kleine oder große Pointe hergibt, landet dabei oft verblüffend nah an den traurigen Rändern der Wirklichkeit und bringt uns gerade damit zum Lachen. Wie schon im megaerfolgreichen (und noch ein wenig lustigeren) Vorgänger „Fack ju Göhte“, den mehr als 7,3 Millionen Kinobesucher gesehen haben, setzt er auch diesmal auf eine Mischung aus schmerzhaft-komischem Sprachwitz, schrulliger Überzeichnung und wohldosierter politischer Unkorrektheit – und wenn die prolligen Parolen oder die Genital-Gags gelegentlich in Peinlichkeit verpuffen, dann sorgen das flotte Erzähltempo und die sympathischen Hauptdarsteller um Elyas M’Barek dafür, dass der Fehltritt schnell vergessen ist: Diese Klassenfahrt macht Laune.  

    Zufallslehrer und Ex-Sträfling Zeki Müller (Elyas M’Barek) hat seiner Freundin und Kollegin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) versprochen, dass er solange weiter an der Goethe-Gesamtschule unterrichtet, bis die gefürchtete Klasse 10b das Abitur macht, aber der Job überfordert ihn gewaltig. Da trifft es sich gut, dass ein alter Komplize seine Diamanten-Beute im Tank von Zekis Auto versteckt hat. Mit den Edelsteinen will der falsche Pauker so bald wie möglich ein bequemes Leben anfangen und deponiert die Klunker vorerst im Fell eines Stofftiers von Lisis Schwester Laura (Anna Lena Klenke). Dumm nur, dass das Spielzeug in der Spendensammlung landet und für ein Projekt der Konkurrenz vom Schiller-Gymnasium nach Thailand verfrachtet wird. Zeki muss nach Asien und bringt die Schuldirektorin Gudrun Gerster (Katja Riemann) dazu, eine Klassenfahrt nach Thailand zu bewilligen. Doch dann wird Lisi vor der Abreise am Flughafen unter Terrorverdacht festgenommen und Zeki landet mit seinen Schützlingen um Chantal (Jella Haase) und Danger (Max von der Groeben) allein in Bangkok…


    „Du bist so Arzt!“: Dieses grammatisch eigenwillige Lob für die Lebensretterin Chantal hat wie einige andere krasse Kalauer das Zeug zum Kultzitat auf Schulhöfen und in sozialen Medien – ähnlich wie das zeitweise allgegenwärtige „Heul leise“ aus dem ersten Teil. Die von Zeki in „Fack ju Göhte“ aus Motivationsgründen zur Hochbegabten ernannte und hier wieder degradierte 6er-Schülerin avanciert im Sequel zur gar nicht so geheimen Allzweckwaffe und zur zweiten Hauptfigur. Gerade im Verbund mit ihrer Freundin Zeynep (Gizem Emre) führt dies zu einer gewissen Häufung der Blicke in die Abgründe des biologischen, geographischen, sprachlichen und sonstigen Unwissens. Doch trotz dieser manchmal sehr simplen Lacher auf ihre Kosten wird Chantal in Jella Haases („Kriegerin“) Darstellung nie zur Witzfigur und wenn sie sich am Ende rührend um den „Quotenbehinderten“ Etienne (Lucas Reiber) sorgt (auf sein „Ich hab Asperger, elf Prozent“ antwortet sie: „Ich hab Wodka, 40 Prozent“), dann ist das einer der emotionalen Höhepunkte in einer Komödie, die trotz aller Derbheit das Herz am rechten Fleck hat. Was wiederum nicht heißt, dass man sich nicht auch ein wenig schadenfroh amüsieren darf – etwa über die Missgeschicke der armen Frau Leimbach-Knorr (Uschi Glas), der hier ganz übel mitgespielt wird, was in einen effektvoll inszenierten Horror-Moment vor dem Spiegel mündet.

    Im Anschluss an die anfänglichen Kapriolen im Kollegium geht es ohne Karoline Herfurths („Passion“) Lisi, die hier nur noch eine größere Nebenrolle spielt, nach Thailand, wo zunächst die slapstickartigen Tumulte und die Handgreiflichkeiten überhand nehmen. Der Film wird vorübergehend fast zu einer Action-Farce an Land, zu Wasser und in der Luft, die nur von Chantals grotesken Bemerkungen unterbrochen wird (sie verwechselt auch schon mal Wolf und Affe). In der tropischen Postkartenkulisse ist zwar auch die wilde Diamantenjagd ziemlich kurzweilig und vor allem hübsch anzusehen, aber der Handlungsstrang um die Machenschaften des vermeintlichen Vorzeige-Lehrers Hauke Wölki (Volker Bruch) und die thailändischen Waisenkinder ist mit arg dünnem Faden geknüpft. Der Pädagoge von der Konkurrenz, die unsympathisch-unbescheiden als „Weltretter AG“ auftritt, erweist sich als das genaue Gegenteil von Zeki – idealistisch nach außen, aber innerlich korrupt. Dieser Kontrast wäre gar nicht nötig gewesen, denn Elyas M’Barek („Who Am I“) hat die Rolle des rauen Tunichtguts mit dem weichen Herzen inzwischen fast so sehr perfektioniert wie seinen durchtrainierten Körper – und den zeigt er gerne her. So landet er beispielsweise nackt im Süßigkeitenautomaten, aber der Höhepunkt ist trotzdem, wenn Zeki seine Schüler und sich selbst mit ein paar SMS an einfache menschliche Wahrheiten erinnert.  

    Fazit: Ein würdiger und fast genauso komischer Nachfolger für das Phänomen „Fack ju Göhte“.
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