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    Lola auf der Erbse
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Lola auf der Erbse
    Von Ulf Lepelmeier
    So märchenhaft wie der Filmtitel es suggeriert ist auch der Tonfall von Thomas Heinemanns Kinderfilm „Lola auf der Erbse“. Denn auch wenn Themen wie Scheidung, die Sehnsucht nach einem abwesenden Elternteil, Armut und Illegalität angeschnitten werden, köcheln die großen und kleinen Probleme stets auf niedriger Flamme und lösen sich schließlich in Wohlgefallen auf. Dafür wird der sympathische Film aber konsequent aus der Sicht seiner 11-jährigen Protagonistin erzählt, die mit ihrer dickköpfigen, aber trotzdem liebevollen Art für sich einzunehmen weiß.

    Lola (Tabea Hanstein) lebt zusammen mit ihrer unkonventionellen Mutter Loretta (Christiane Paul) auf einem alten, kunterbunt bemalten Hausboot namens „Erbse“. Bis vor zwei Jahren gehörte auch noch ihr Vater (Markus Hammer) zur Familienbesatzung, doch dann ist der Musiker ganz plötzlich verschwunden. Seitdem wartet das 11-jährige Mädchen sehnsüchtig auf seine Rückkehr und lässt sich weder die Haare schneiden, noch neue Schuhe kaufen und schon gar nicht den Hals waschen, da ihr Vater sie dort vor seinem Verschwinden küsste. In der Schule ist sie seit dem Auseinanderfallen der kleinen Familie erst recht zur Außenseiterin geworden, so dass Lola nur noch in dem alten Möchtegernkapitän Solmsen (Olaf Krätke) einen Freund hat. Dann kommt ihre Mutter plötzlich mit einem neuen Mann namens Kurt (Tobias Oertel) an, den die fest an eine Rückkehr ihres Vaters glaubende Lola natürlich nicht akzeptieren kann. Zudem gibt es mit Rebin (Arturo Perea Bigwood) einen Neuzugang in ihrer Klasse, der nach der Schule arbeitet und sich beständig vor der Polizei zu verstecken scheint. Doch was ist das Geheimnis hinter dem schüchternen Rebin und dessen überängstlicher Familie?


    Mit großer Natürlichkeit und sichtbarer Spielfreude verkörpert Filmdebütantin Tabea Hanstein mit Lola ein quirliges, eigensinniges Mädchen, das der Zuschauer gern bei der Lösung ihrer kleinen und großen Nöte begleitet. Immer wieder kommentiert Lola das Geschehen dabei in einer Art Videotagebuch, das dem Film mit seinen direkt in die Kamera gesprochenen Kommentaren einen frischen, dokumentarisch anmutenden Anstrich verleiht. Indem Lola auch als direkte Erzählerin auftritt, ihre Erlebnisse deutet und an ihrer Gefühlswelt teilnehmen lässt, wird die kindliche Sicht auf die Geschehnisse in den Vordergrund gestellt, was nicht zuletzt auch einen allzu erwachsenen, belehrenden Tonfall verhindert.

    Heinemanns Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuchs von Annette Mierswa schlägt trotz Patchworkfamilienproblematik und einer illegal in Deutschland lebenden kurdischen Flüchtlingsfamilie einen leichten Tonfall an, der mit einem etwas naiven Weltbild einhergeht, in dem für wirkliche Dramatik kein Platz ist. So wie die irgendwie arabisch anmutende Soundkulisse nicht recht zur bayerischen Dorfidylle passen will, wirkt auch die Geschichte um die illegale Flüchtlingsfamilie dabei eher märchenhaft als realistisch. Und mit dem ewigen Nörgler Herrn Barkelt (Antoine Monot, Jr.) und einem überkorrekten Polizisten sind die Gegenspieler von Lola und ihren Freunden auch recht tollpatschig geraten, so dass nie eine wirkliche Gefahr von ihnen ausgeht. Genauso wie die übrigen, stets etwas überzeichneten Figuren sorgen sie in erster Linie für komische Momente und weniger zu einer auch nur ansatzweise komplexen Weltsicht.

    Lolas Sehnsucht nach ihrem Vater und ihre langsame Verarbeitung seines plötzlichen Verschwindens werden dabei behutsam thematisiert und mittels eines Bilderrahmens auch in fantasievoller Weise illustriert. Stellt sich das Mädchen anfangs noch vor, dass ihr Vater in dem Bilderrahmen neben ihrem Bett lebendig wird und für sie ein Gutenacht-Lied anstimmt, vergisst ihr Vater in der Welt des Bildes irgendwann den Text des selbst komponierten Songs und hört dann schließlich irgendwann auf lebendige Züge anzunehmen und sich seiner Tochter zuzuwenden.

    Fazit: „Lola auf der Erbse“ ist ein sympathisch-schöner Film für kleine Kinofreunde, in dem vor allem die aufgeweckte Protagonistin in einer etwas zu naiven Geschichte überzeugen kann.
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