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Der Kult - Die Toten kommen wieder
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Der Kult - Die Toten kommen wieder
Von Christoph Petersen
1985 begehen der Prediger Jim Jacobs (Thomas Jane) und 47 Anhänger seiner „Heaven‘s Veil“-Sekte mit vergifteten Zuckerwürfeln gemeinschaftlichen Selbstmord – nur ein kleines blondes Mädchen hockt zwischen den Leichen und beruhigt die herbeieilenden Helfer: „Macht euch keine Sorgen, sie sind nicht tot, er wird sie zurückbringen.“ 25 Jahre später kehrt das kleine Mädchen, inzwischen eine erwachsene Frau (Lily Rabe), gemeinsam mit der Filmemacherin Maggie Price (völlig blass: Jessica Alba) und ihrem Team an den Ort des Massensuizids zurück, um herauszufinden, warum sie damals als einzige überlebt hat… Am Direct-to-VOD-Horrorfilm „Der Kult – Die Toten kommen wieder“ interessiert zunächst einmal der Regisseur: Phil Joanou hat mit „Im Vorhof der Hölle“ nicht nur schon Anfang der 1990er gutes Genrekino gedreht, von ihm stammt mit „Dirty Laundry“ (hier in voller Länge zu sehen) auch eine der besten Marvel-Adaptionen überhaupt: Thomas Jane ist in dem ultrabrutalen Kurzfilm als Punisher dermaßen knallhart und saucool, dass selbst Deadpool nur noch feige den Schwanz einziehen kann.

Thomas Jane („Der Nebel“) ist nun auch in „Der Kult“ dabei. Als Sektenprediger mit dunkler Sonnenbrille und wilden Hippie-Haaren gibt er bei weitem keine so ambivalente Guru-Performance wie etwa Gene Jones („The Hateful 8“) als Vater in „The Sacrament“, aber zumindest dreht er so sehr auf (und überdreht zuweilen), dass er als wahnsinniger Bösewicht mächtig Laune macht. Leider bleibt Jim Jacobs damit aber die einzige unterhaltsame Figur, denn Maggie Price und ihr Team stolpern derart gelangweilt durch den austauschbaren Junge-Leute-in-einer-einsamen-Hütte-im-Wald-Plot, dass man sich als Zuschauer schon fragt, warum man sich dafür interessieren soll: Selbst wenn sie sich gerade völlig abgefahrene Videobänder aus der Sektenzeit angesehen oder einen toten Kumpel gefunden hat, sitzt die Filmcrew anschließend immer noch total entspannt auf dem Sofa. Jessica Alba („Sin City“) muss sogar erst an einen Baum genagelt werden, damit sie überhaupt mal eine Emotion zeigt.


Die einzelnen Mitglieder des Hipster-Filmteams lassen sich bis zum Schluss kaum auseinanderhalten, keiner von ihnen hat irgendetwas Besonderes (oder einen Funken Leinwandcharme) an sich. Dazu geht es in jeder zweiten Szene sowieso nur darum, noch einen neuen Grund zu finden, sich weiter aufzuteilen. Das langweilt extrem schnell, zumal Phil Joanou seinen Bildern fast vollständig die Farbe genommen hat, weshalb der Zuschauer nun die meiste Zeit auf einen gräulichen Matsch starrt. Da sitzt man also, zunehmend angeödet, und wartet auf die nächste Rückblende mit Thomas Jane. Aber zumindest wird man für seine Geduld mit einer schön fiesen Wendung gegen Ende ein kleines bisschen entschädigt. Insgesamt nimmt der Film in den letzten 20 Minuten erstmals richtig Fahrt auf, aber das ist einfach zu spät und zu wenig, um die vorherigen 70 Minuten uninspiriert-generischen Grusel-Einerleis wiedergutzumachen.

Fazit: Das Selbstmordsekten-Setting und Thomas Jane als Hippie-Prediger sind vielversprechend – aber viel mehr als ein paar Schockeffekte von der Stange und ein gelungener Schlusstwist springen dann doch nicht dabei heraus.

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