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    Eisenstein in Guanajuato
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Eisenstein in Guanajuato
    Von Michael Meyns
    Er ist einer der bedeutendsten Regisseure aller Zeiten: Sergej Eisenstein. Mit seinem genialen „Panzerkreuzer Potemkin“ wurde er weltberühmt, doch Anfang der 1930er Jahre begann sein Stern zu sinken. Wie es dazu kam versucht im Berlinale-Wettbewerb 2015 ein anderer filmischer Exzentriker zu ergründen: In seiner gewohnt eigensinnigen auf Fakten basierenden biografischen Fantasie „Eisenstein in Guanajuato“ beschreibt der Brite Peter Greenaway („Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“) „die zehn Tage, die Eisenstein erschütterten“. Diese trugen sich, glaubt man Greenaway, in Mexiko zu, wo der russische Regisseur viele Monate verbrachte, einen Film (den legendenumrankten „Que Viva Mexico!“) drehen wollte – und seine Homosexualität entdeckte. Die Fokussierung auf Eisensteins Sexualität lässt Greenaways Film bisweilen etwas eintönig werden, doch insbesondere wenn es nicht um Sex, sondern um Film geht, ist „Eisenstein in Guanajuato“ ein spannendes Porträt des Künstlers in der Fremde.

    Nach seinen ersten Erfolgen „Streik“, „Potemkin“ und „Oktober“ war Eisenstein ein internationaler Star, galt als künstlerisches Genie und wurde weltweit von Berühmtheiten hofiert. In Hollywood schloss er einen Vertrag mit der Paramount, der sich zerschlug, doch der sozialistische amerikanische Schriftsteller Upton Sinclair ermöglichte ihm die Reise nach Mexiko, wo Eisenstein einen Film drehen wollte, von dem er noch keine genaue Vorstellung hatte. Dementsprechend viel Material drehten er und sein nicht minder brillanter Kameramann Eduard Tisse. All das erzählt Greenaway in rasanten Montagen (wobei er zuweilen an Eisensteins berühmte theoretische Gedanken zum Filmschnitt anzuknüpfen scheint). In diesen Sequenzen verwendet er auch Archivfotos, doch geht es ihm dabei nicht darum, seinen Spielszenen größere Authentizität zu geben, denn was er mit dem finnischen Schauspieler Elmer Bäck in der Hauptrolle über Eisensteins Erlebnisse in Mexiko erzählt, ist eindeutig und unverkennbar Greenaways Interpretation der wie auch immer gearteten Realität. Gerade das Spekulative und das Exaltierte machen diesen Film zu einem faszinierenden, sehr persönlichen Porträt eines großen Künstlers.

    Fazit: In „Eisenstein in Guanajuato“ imaginiert Peter Greeneway, was der große russische Regisseur Sergej Eisenstein während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Mexiko erlebte. Die höchst spekulative Biografie bietet trotz des freien Umgangs mit den Fakten eine gute Einführung in Leben und Werk eines der wichtigsten Regisseure der Filmgeschichte.

    Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2015. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 65. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.
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