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Barbershop: The Next Cut
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Barbershop: The Next Cut
Von Christian Horn
Späte Fortsetzungen liegen derzeit im Trend. Da macht auch die „Barbershop“-Reihe keine Ausnahme, kommt der dritte Teil doch erst rund zwölf Jahre nach „Barbershop 2 – Krass frisiert!“ und 14 Jahre nach dem Auftakt mit „Barbershop – Ein haarscharfes Viertel“ in die Kinos. Die auffälligste Veränderung nach langer Zeit ist, dass das vorwiegend männliche Ensemble nun deutliche weibliche Verstärkung erhält. Das „Frauen-Spin-off“ „Beauty Shop“ von 2005 mit Queen Latifah lassen wir da mal außen vor, denn erst in „Barbershop: The Next Cut“ wird der humorvolle Geschlechterkampf auf offener Bühne ausgetragen. Regisseur Malcolm D. Lee („Soul Men“, „Scary Movie 5“) greift mit der Gangproblematik in der Chicagoer Southside zudem ein heißes thematisches Eisen auf und verbindet das Ganze zu einer ebenso dialoglastigen wie zuversichtlichen Milieukomödie, die bisweilen an eine Sitcom erinnert.

Der gutherzige Friseur Calvin Palmer (Ice Cube) und seine Geschäftspartnerin Angie (Regina Hall) betreiben inzwischen einen Friseursalon und einen Schönheitssalon unter einem Dach. Zu den männlichen Kollegen und Kunden stoßen nun also auch Frauen, die dem Arbeitsalltag eine neue Note verleihen. So turtelt die offenherzige, stets einen viel zu tiefen Ausschnitt tragende Draya (Nicki Minaj) mit Rashad (Common), was dessen ohnehin gern zeternde Ehefrau Terri (Eve) zur Weißglut treibt, während sich zwischen Jerrod (Lamorne Morris) und Bree (Margot Bingham) eine Romanze anbahnt. Der Chef Calvin hat indes andere Sorgen, denn sein Sohn Jalen (Michael Rainey Jr.) droht mit Rashads Sohn Kenny (Diallo Thompson) ins Milieu krimineller Straßengangs abzurutschen...


Die Story von „Barbershop: The Next Cut“ entfaltet sich – typisch Friseurgeschäft – vor allem in vielen, vielen Dialogen, wobei der titelgebende Salon fast der alleinige Schauplatz ist. Wie gehabt avanciert „Calvin's Barbershop“ zum Mikrokosmos der afroamerikanischen Bevölkerung Chicagos, zum lebendigen Schmelztiegel verschiedenster Figuren vom treusorgenden Familienvater über die bitch von nebenan bis zu gewaltbereiten Gangleadern, die Calvin nur mit Mühe beruhigen kann, wenn sich die Frisiertermine zufällig überschneiden. Bis auf den Inder Raja (Utkarsh Ambudkar) sind hier alle Afroamerikaner, auch die Cops. Und weil der Friseursalon der Treffpunkt schlechthin ist, wundert es auch nicht, dass sich ausgerechnet hier Widerstand gegen die ausufernde Ganggewalt auf den Straßen regt. Calvin und seine Kollegen können die zerstrittenen Bandenchefs zu einem Waffenstillstand überreden und funktionieren ihr Geschäft mit Hilfe von Plakaten und Twitter-Tweets zum Gemeindeforum um, wo die Nachbarschaft gemeinsam nach einer Lösung der Misere sucht.

Während der Blick auf die Geschlechterkonflikte, bei denen sich hier alles um eheliche (Un-)Treue und „Sidechicks“ dreht, betont lässig und komödiantisch ausfällt, geht es beim Thema Straßengangs etwas dramatischer zu: So kommt es etwa auf der Straße vor dem Salon zu einer Schießerei. Auch wenn Calvin mit herzlicher Väterlichkeit versucht, den abgerissenen Kontakt zu seinem Sohn wiederherzustellen, der als gewissermaßen rebellische Geste Dreadlocks trägt, hat „Barbershop: The Next Cut“ durchaus ernste Untertöne. Soziale Probleme werden hier nicht besonders tiefschürfend betrachtet, aber eben auch nicht ausgeklammert. Und natürlich geht es dabei auch um das Schwarzsein im Allgemeinen und in den USA im Speziellen. Die Filmemacher bemühen sich um eine versöhnliche „Black is beautiful“-Botschaft, die in einer ausgelassenen Tanzszene der Salonbelegschaft genauso zum Ausdruck kommt wie in einer flammenden Rede Rajas, der unter anderem mit Verweis auf Präsident Obama die Ansicht vertritt, dass es Afroamerikanern in den USA nie besser erging als in der heutigen Zeit.

Fazit: Der dritte Teil der „Barbershop“-Reihe liefert als versöhnliche und wortreiche Komödie mit Sitcom-Fair solide Unterhaltung.

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