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The Purge 3: Election Year
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
The Purge 3: Election Year
Von
Der aktuelle US-Wahlkampf ist für sich schon dermaßen absurd und abgehoben, dass die herkömmlichen Stilmittel der Satire kaum noch ausreichen, um ihn und seine Protagonisten angemessen durch den Kakao zu ziehen. Aber wo Late-Night-Komiker praktisch nur noch unkommentierte Mitschnitte der Reden von Donald Trump zeigen müssen, um die Lacher des Publikums auf ihrer Seite zu haben, gibt es sie jetzt doch noch - die ultimative WTF-Wahlkampf-Satire: Nachdem sich die Reihe schon vom simplen Home-Invasion-Thriller („The Purge – Die Säuberung“) zum bleihaltigen Anarchie-Actioner („The Purge 2: Anarchy“) gewandelt hat, präsentiert sich der dritte Teil des Franchises nun als zwar ausgestellt trashiger, aber deshalb keinen Deut weniger bissiger Polit-Horror. James DeMonacos „The Purge 3: Election Year“ ist ein kranker, abgründiger, vollkommen durchgeknallter und in seinem Kern dennoch hochmoralischer Genre-Bastard – ein Film, den dieses Scheißjahr 2016 verdient, und ein Film, den dieses Scheißjahr 2016 bitter nötig hat!

Seit mehr als 20 Jahren ist die Partei der New Founding Fathers Of America (NFFA) an der Macht, die die kollabierende US-Ökonomie mit der Einführung der Purge-Nacht wieder zum Schnurren gebracht hat: Einmal im Jahr sind für zwölf Stunden alle Verbrechen einschließlich Mord erlaubt – so können die Menschen ihre angestauten Aggressionen legal abreagieren und es hat den „netten“ Nebeneffekt, dass vor allem die Armen und Hilflosen weggemetzelt werden, während sich die Reichen und Mächtigen in ihren abgeriegelten Anwesen verschanzen. Aber es droht Widerstand: Nachdem ihre gesamte Familie vor 18 Jahren, als sie selbst noch ein Kind war, während einer Purge-Nacht gefoltert und getötet wurde, ist die Senatorin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell, „Lost“) inzwischen die größte Gegnerin des erlaubten Mordens – und bei der anstehenden Präsidentschaftswahl stehen ihre Chancen gar nicht schlecht. Aber dann kippt die NFFA nur einen Tag vor der Purge-Nacht plötzlich die Ausnahmeregel, dass hochrangige Politiker als einzige nicht ermordet werden dürfen – und damit ist klar, dass es die aktuellen Machthaber ganz offensichtlich auf ihre aufstrebende Herausforderin abgesehen haben…


Wie im Vorgänger gibt es auch in „The Purge 3“ wieder (Action-)Szenen purer Anarchie, etwa wenn eine Gruppe verzogener Teenie-Gören erst ihre eigenen Eltern ermordet und dann (ausgestattet mit christbaumbeleuchteten Autos, modeschmuckverzierten MGs und goldfarbenen Motorsägen) einen kleinen Supermarkt belagert, um einen verfickten Schokoriegel zu erbeuten. Aber im Zentrum von „Election Year“ steht dennoch eindeutig die politische Komponente: Dass die Befehlshaber kurzerhand die Gesetze ändern, um ihre Macht zu festigen, findet seine Parallele nicht nur im sogenannten Gerrymandering, bei dem die Grenzen einzelner Wahlkreise so verändert werden, dass die Chancen der aktuell herrschenden Partei besonders gut sind, sondern auch in den aktuellen Geschehnissen in der Türkei. Und dass es im Film diesmal Purge-Touristen gibt, der Murder Tourism sogar zu einem wichtigen neuen Wirtschaftszweig für die USA aufsteigt, erinnert an die europäischen IS-Kämpfer, die ins Kriegsgebiet nach Syrien reisen und von denen viele den Islam nur als Vorwand nehmen, weil sei einfach nur Bock auf Töten und Vergewaltigen haben.

Aber als solch ein Vorwand taugt eben jede Religion und jedes Moralgeschwafel – und so ist Charlie Roans Gegner bei der Präsidentschaftswahl dann auch der christliche Pfarrer Edwidge Owens (Kyle Secor), der in der Purge-Nacht vor seiner Gemeinde aus Superreichen und Geheimbündlern die reinigende Kraft des Mordens predigt, während sich sein Gesicht immer wieder zu ekstatischen Fratzen verzieht, als hätte er dabei einen Orgasmus nach dem anderen. Seine Helfer: eine White-Power-Hakenkreuz-Elitetruppe, die mit kalter Präzision Jagd auf die Senatorin macht. Eine bloße zynische Abrechnung, gerade wenn sie so konsequent abgründig ausfällt wie hier, hätte allein schon für eine gute Satire ausgereicht. Aber bei den ganz Großen des Fachs, von Jon Stewart bis Stephen Colbert, scheint selbst hinter den schärfsten Attacken immer auch eine tiefe Menschlichkeit durch – und das ist, so schwer das nach allem Beschriebenen zu glauben sein mag, auch bei „The Purge 3“ der Fall: Die Protagonisten um Senatorin Roan, ihren Bodyguard Leo Barnes (Frank Grillo), den Widerstandsführer Dante Bishop (Edwin Hodge), den schwarzen Supermarktbesitzer Joe Dixon (Mykelti Williamson) sowie dessen mexikanischem Angestellten Marcos (Joseph Julian Soria) stehen gerade im finalen Drittel im Zentrum einiger spannender moralischer Fragen: Am Ende des Films kann man sich da schon fragen, ob die Reichen wirklich Schutz vor den Armen brauchen oder ob es nicht eigentlich genau andersherum ist.

Fazit: „The Purge“ ist vermutlich die einzige Horror-Reihe, die von Film zu Film immer besser wird.
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Kommentare

  • screener
    erinnert mich stark an die REC trilogie, dort war der dritte ebenfalls sehr überraschend der beste teil
  • natchan
    Aber so ziemlich nur für dich, oder?
  • ticorh
    Fand den auch sehr gut!!!Wobei mir der erste, damals als er raus kam, fast noch besser gefallen hat.Aber Rec3 war trotzdem, gerade durch das skurille, echt schon sehr gut.
  • greek freak
    Ich weiss,es "ist nur ein Film" und "Supension of Disbelief" etc. etc. aber die Prämisse ist das mit bescheuertste was ich jeh in einem Film gesehen habe.Eine jährliche "Purge" würe nicht,wie im Text erwähnt,"die US-Ökonomie zum schnurren bringen",das Gegenteil wäre der Fall.Ganz zu schweigen das die "Purger" sicher nicht nach den 12 Stunden,mit den ganzen morden,brandschatzen,klauen etc. aufhören würden und wieder zur Tagesordnung über gehen würden.
  • FAm Dusk Till Dawn
    " ein Film, den dieses Scheißjahr 2016 verdient, und ein Film, den dieses Scheißjahr 2016 bitter nötig hat!"Alles okay?
  • FAm Dusk Till Dawn
    Och, wir hatten schon schlimmere Jahre. Immerhin scheint die Sonne!
  • Knarfe1000
    Wenn er Scheiß-Filmjahr meinte, hat er absolut Recht.
  • SonnyC
    Kommt schon Leute.. mal auf Film und Fernsehen geschissen:Gibt es irgendjemanden der behaupten könnte, 2016 wäre ein gutes Jahr?!In diesem Sinne, ein Hoch auf Christoph Petersen. Ob das Jahr diesen Film braucht, kann ich nicht beurteilen.Aber Scheiße ist es und es ist erst kurz nach Halbzeit.BTT: Freu mich drauf, 2 war wirklich besser als 1. Gute Reihe !
  • Jimmy V.
    Da wäre ich gar nicht mal so sicher. Sicherlich, die Handlung IST absurd. Aber dass die Armen, für die Sozialhilfe gezahlt werden muss und die mit ihren Wahlstimmen einen Neokapitalismus nerven können, ist jetzt nicht wirklich so weit hergeholt. Das gab es schon in Marx' Schriften...
  • Jimmy V.
    Ich finde die Wortwahl auch etwas seltsam. Texte, die so geschrieben werden müssen, wirken oft effektheischernd. So erscheint mir das hier auch. Das Jahr 2016 ist gewiss kein gutes Jahr im politischen Sinne. Da kann so ein Film ein guter Kommentar sein. Aber wenn man eins nicht im Internet braucht, dann wäre das noch mehr hyperventilierende Wortwahl.Den Film schaue ich mir an. Ich mag das absurde Szenario. Und ich pflichte bei: Teil 2 war schon eine große Steigerung. Sicher kein Filmjuwel, aber wenn es noch besser wird, dann freut mich das!
  • greek freak
    Allein die Schäden,die jedes Jahr durch diese "Purge" anfallen,das muss ja in die Milliarden Höhe gehen.Die Versicherungen würden alle pleite gehen.Ganz zu schweigen das,während der 12 Stunden,die die "Purge" dauert,niemand arbeitet.Die Hälfte der Bevölkerung ist draussen und mordet,plündert,brandschatzt,vergewaltigt etc. fröhlich vor sich hin,während der Rest sich verbarrikadiert.Wirtschschaftlich betrachtet,ist das der grösste Blödsinn ever.Ganz zu schweigen,das in dem Moment wenn ein Staat,sein "Gewaltmonopol" abgibt,ist es vorbei.Die würden sofort zu ´nem "Failed State".
  • Jimmy V.
    Ja, das ist ja alles richtig und spricht natürlich vielfach dafür, dass es Blödsinn ist. Aber die Idee, die dahinter steht, ist nicht ganz soooo unplausibel - nennen wir es mal "mit Augenzudrücken eine überdrehte Version des Realen, die eine Kapitalismus- und Kulturkritik enhält". Das wollte ich damit sagen. Es ist einfach ein interessantes Experiment.
  • FAm Dusk Till Dawn
    Jetzt fall mir doch nicht in den Rücken :D
  • Edward;
    Ich finde den unsachlichen Ton in der Kritik auch unangemessen. Ein Journalist sollte eigentlich über elegantere sprachliche Mittel verfügen, um seinen Standpunkt auszudrücken.
  • SonnyC
    Danke Philipp.
  • alh8888
    Der Film ist für mich eine große Enttäuschung. Der "hochmoralische" Ton ist mit das nervigste in dem Film.
  • The_Lavender_Town_Killer
    Einfach nur niedlich wie Herr Petersen den Bad Boy mit diesem Geschwurbel raushängen lässt, zum Glück war Mutti gerade nicht daheim.
  • Jimmy V.
    Yo. Ich habe den Film auch gerade gesehen und würde das so unterschreiben. Eigentlich sind nur zwei Typen der Szenen cool: Entweder die, wo die sozialpolitischen Hintergründe illustriert werden, oder, wenn man einige der Freaks zusehen darf. Dazwischen aber war ziemlich viel redundante Handlung, die eben auch nur B-Movie-Überleben-Trash war.Insofern müsste man radikaler sein, jeweils in die eine oder die andere Richtung: Mehr Politthriller oder mehr Action-Horror. Aber so dazwischen geht's irgendwie nicht.
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