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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Die Schöne und das Biest
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Das Zeichentrick-Märchen „Die Schöne und das Biest“ markierte im Jahr 1991 einen Meilenstein in der Geschichte des Disney-Konzerns. Nach 29 Produktionen aus dem sogenannten „Meisterwerke“-Kanon, zu denen unter anderem Klassiker wie „Bambi“, „Peter Pan“ und „Arielle, die Meerjungfrau“ gehören, wurde das Musical von Gary Trousdale und Kirk Wise als allererster animierter Spielfilm für einen Oscar als Bester Film nominiert, eine Ehre, die bislang noch keinem anderen 2D-Zeichentrickfilm zuteil wurde. „Die Schöne und das Biest“ avancierte schnell zur bekanntesten und beliebtesten Verfilmung des alten französischen Märchenstoffs, der unter anderem schon 1946 Jean Cocteau zu seinem poetischen Meisterwerk „Es war einmal“ inspirierte und zuletzt von Christophe Gans in ein bombastisches Romantik-Spektakel verwandelt wurde. Und nun mischt auch Disney wieder mit und adaptiert sich ein weiteres Mal selbst: Nach „Maleficent“, „Cinderella“ und „The Jungle Book“ ist Bill Condons „Die Schöne und das Biest“ nun schon die vierte Realfilm-Neuauflage eines Animationsklassikers aus dem eigenen Hause. Und was sollen wir sagen: Trotz kleiner Defizite in der technischen Umsetzung ist „Die Schöne und das Biest“ absolut magisch!

In einem kleinen französischen Dorf nahe der Hauptstadt Paris lebt die freigeistige, toughe Belle (Emma Watson) gemeinsam mit ihrem gutmütigen Vater und Uhrmacher Maurice (Kevin Kline). Ihre große Liebe gilt der Literatur – vor allem William Shakespeare hat es ihr angetan. Lediglich der selbstverliebte Macho Gaston (Luke Evans) bringt ihr Leben mit andauernden Avancen durcheinander und auch die Dorfbewohner halten die lebensfrohe, kluge Frau für merkwürdig. Eines Tages kommt ihr Vater mit seinem Pferdewagen vom Weg ab und landet in der Eingangshalle eines mächtigen Schlosses. Als er feststellt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, will er fliehen. Beim Versuch, seiner Tochter eine Rose aus dem Schlossgarten zu pflücken, nimmt ihn ein gewaltiges Biest (Dan Stevens) gefangen. Das Biest, ein einst aufgrund seiner Selbstsucht verwunschener Prinz, will Maurice ein Leben lang im Turmzimmer einsperren. Belle bietet an, den Platz ihres Vaters einzunehmen. Das Biest willigt ein, denn was Belle nicht weiß: Nur die Liebe einer Frau kann den Bann brechen, der den Prinz und all seine Angestellten im Schloss verwandelt hat…



Nachdem das Disney-Zeichentrickoriginal 2012 schon eine nachträgliche 3D-Konvertierung erfahren hat, folgt nun der nächste Schritt in Richtung Modernisierung. Anders als bei den neuen Versionen von „Dornröschen“, „Aschenputtel“ und „Das Dschungelbuch“ gehen mit der technischen Auffrischung nur behutsame inhaltliche oder stilistische Veränderungen einher. Regisseur Bill Condon („Breaking Dawn“ 1 und 2) orientiert sich bei seiner Interpretation des französischen Volksmärchens vielmehr penibel genau an der Zeichentrickvorlage, verwendet mitunter identische Kameraeinstellungen, zitiert ganze Dialog-Passagen und übernimmt natürlich die bekannten Songs: Es wirkt manchmal fast so, als erwache der Film von 1991 vor unseren Augen zu neuem Leben. Der Wiedererkennungseffekt der bekannten Melodien von Alan Menken wie „Diese Stadt“, „Belles Reprise“ oder „Gaston“ sorgt dafür, dass einen die entsprechenden Musicalszenen von Anfang an in ihren Bann schlagen. Angesichts dieses wohligen Mitsummgefühls haben es Menkens drei neukomponierte Lieder, die hier zusätzlich eingestreut werden, nicht ganz leicht, denn sie reißen uns vorübergehend aus unserem Nostalgietrip.

Musik spielt in „Die Schöne und das Biest“ eine fast noch größere Rolle als in der Zeichentrick-Vorlage. Auch hiermit unterscheidet sich dieser Film von den anderen Disney-Realverfilmungen. Griff man für „The Jungle Book“ lediglich auf die zwei bekanntesten Songs „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ sowie den King-Louie-Song zurück und verzichtete man bei „Maleficent“ ganz auf Gesungenes, bietet „Die Schöne und das Biest“ nicht bloß noch mehr Musik als das ohnehin melodienselige Original, sondern die Macher geben ihm auch den bühnenhaften Look eines Theater-Musicals. Das verleiht dem Film eine reizvolle Künstlichkeit, vor allem dem kleinen Dorf ist anzusehen, dass wir es mit einer Studiokulisse und nicht mit einem real existierenden Städtchen zu tun haben. Die ausgeklügelten Gesangs- und Tanzchoreographien mit teilweise Hunderten Statisten, die oft aus dem seit 1994 um die Welt reisenden offiziellen Disney-Musical entlehnt sind, werden hier zu bombastisch-bildgewaltigen Happenings, die mehr als einmal eine Gänsehaut auslösen – gerade weil ihre theatralischen Wurzeln nicht verleugnet werden.
 
So farbenfroh, rhythmisch und nahezu in jeder Hinsicht perfekt wie Bill Condons zweites Musical als Filmregisseur (auch „Dreamgirls“ hat er inszeniert) kommen sonst tatsächlich nur Animationsfilme daher, gleichzeitig bleibt das Ganze durch das Bühnenhafte immer bodenständig. Was wiederum nicht heißt, dass man sich hier mit Kitsch zurückhalten würde: Vor allem „Sei hier Gast“ – ohne Zweifel das Herzstück des Films – sowie die weltberühmte Tanzszene zu „Beauty and the Beast“ leben von dem dick aufgetragenen Zuckerguss, hier werden Märchenträume wahr. Da passt es dann umso besser, dass „Harry Potter“-Star Emma Watson das optische Idealbild einer Disney-Prinzessin mit einer starken, selbstbestimmten Attitüde kombiniert. Dan Stevens („Downton Abbey“) bleibt als via Motion-Capturing zum Leben erwecktes Biest dagegen fast schon ein wenig unauffällig, auch wenn ihm die Drehbuchautoren Stephen Chbosky und Evan Spiliotopoulos ein paar humoristische Ecken und Kanten zugestehen. Dass der verwunschene Prinz nicht ganz so gut zur Geltung kommt wie seine Partner liegt auch daran, dass die Animation der Figur trotz eines beeindruckenden Detailreichtums (man beachte nur die Fellhaare) nicht vollständig überzeugt: Wenn das Biest etwa über die Dächer des Schlosses springt, mit Wölfen kämpft oder Treppen steigt, fehlt das Gefühl für das Gewicht der Figur - und so fehlt ihr hier die physische Präsenz.

In den intimeren Szenen mit Emma Watson wie dem Abendessen und dem schon erwähnten gemeinsamen Tanz dagegen erwacht auch das Biest aus dem Rechner zu rundum beeindruckenden Leben. Genau wie all seine mit ihm verwunschenen Schlossmitarbeiter, die auch bei dieser Neuauflage einen großen Teil des Charmes ausmachen. Das Duo aus Ewan McGregor („T2: Trainspotting“) als Lumière und Ian McKellen („Der Herr der Ringe“) als von Unruh steht Belle bei all ihren Problemen zur Seite und sorgt nebenbei für jede Menge Witz, während Emma Thompson („Sinn und Sinnlichkeit“) als Madame Pottine mit ihrer mütterlichen Art auch in den dunkelsten Stunden viel Wärme und Weisheit ausstrahlt. Und wie Gastons Handlanger LeFou (Josh Gad), der vor dem Start des Film als erste offen homosexuelle Figur in einem Disney-Märchen für Schlagzeilen gesorgt hat, hier zu seinem Happy End findet, das ist mit angemessener Selbstverständlichkeit und viel beiläufiger erzählt als es die Nachrichten fürchten ließen.

Fazit: Die Realfilm-Neuauflage von „Die Schöne und das Biest“ ist noch musikalischer als die berühmte Zeichentrickvorlage, an der sich die Macher sehr eng orientieren. Das farbenprächtige Märchen kommt dabei auch jener Magie sehr nahe, mit der sich Belle und das Biest vor 26 Jahren in die Herzen des Publikums getanzt haben. Zauberhaft!

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  • GamePrince

    Sind nicht schön, sind kein Biest ... unwichtig. :-P

  • Peter Logik

    Ich war gestern im Kino um den Film zu sehen und wir waren einfach nur enttäuscht. Was Disney in den letzten Jahren veranstaltet ist eine Schande.
    Der Original "Die Schöne und das Biest" ist/war ein Meisterwerk, auch wenn ich persönlich kein Freund von Musical-Filmen bin. Ich wäre normalerweise auch nicht im Kino gewesen um diesen Film zu sehen, aber meine Freundin hatte sich sehr auf den Film gefreut und so kamen wir zum angesprochenen Kino-Abend.

    Um es einfacher zu gestalten, sage ich erst was uns gut gefiel.
    Die allgemeinen Effekte in 3D waren sehr gut, nicht zu viel und hauptsächlich an Stellen, die auch zum Geschehen auf dem Screen passen. Auch die 'Überarbeitung' des Schlosses mit vielen frischen und ineinander übergehenden Formen, sehr verspielt... das war toll anzusehen. Die meisten Charaktere waren gut besetzt, leider die entscheidenen eben nicht.

    *ab hier besteht eine gewisse Spoiler-Warnung*

    Und damit beginnt auch meine Kritik... Emma Watson ist eine grauenhafte Besetzung für Belle. Zu klein, zu schmächtig, absolut fehlende Weiblichkeit des Originals aus dem Zeichentrick, das falsche Auftreten, Schauspielerisch stellenweise sowas von unter ihrem Niveau, dass wir kurz davor waren, aus dem Kinosaal zu gehen.
    Gaston ist ebenfalls mit Luke Evans schrecklich besetzt... der gute Evans geht nur mit Müh und Not als Gaston durch, weil der unter der Kleidung mit Polstern bis zum geht nicht mehr 'aufgepumpt' wurde. Diese sind nicht nur stellenweise durch falschen Faltenwurf an der Kleidung zu sehen, sondern grade bei Tänzen und Kämpfen deutlich zu sehen. So gibt es eine Szene zum Ende (Das Biest hält Gaston über dem Abgrund am Schloss fest), wo der Jacken-Absatz extrem dick gepolstert zu sehen ist. Da hätte der liebe Herr Evans lieber ein paar Wochen mehr im Fitness Studio verbringen können, damit man sich diese plumpe Art der Täuschung hätte sparen können, oder gleich einen Schauspieler nehmen können, der eher zur Rolle passt.

    LeFou ist an sich gut gesetzt, auch die Schauspielerische Leistung ist ok. Allerdings stört diese absichtliche Orientierung des Charakters in die Homosexuelle Ecke. Im Original bekommt man (meiner Meinung nach) zu keinem Zeitpunkt das Gefühl LeFou könnte schwul sein. Er himmelt seinen 'besten Kumpel' zwar übertrieben an, aber von schwul oder homosexuell ist mir nie etwas aufgefallen. In der Real-Verfilmung allerdings bekommt man ab dem 2. Satz schon mit, was Disney hier versucht hat. Nämlich künstlich etwas zu erzeugen, dass im Original nicht war, um auch ja jede erdenkliche Zielgruppe abzudecken. Die Bar-Szene hält sich noch halbwegs an das Original, aber später wird LeFou immer schwuler dargestellt und sogar seine charakterliche Ausrichtung wird später vom Feind zum Freund geändert. Extrem plump und traurig. Auch die kurze Szene, in der 3 wütende Dorfbewohner die 'Kleiderschrank'-Dame angreifen, musste man natürlich dazu nutzen um schwule Elemente in dem Streifen einzubauen. So werden in der Gegenattacke/Verteidigung der 'Kleiderschrank'-Dame die 3 Dorfbewohner von Kleider eingehüllt, mit Schminke und Perücke versehen und einer der drei freut sich darüber. Absolut unnötig und aufgesetzt.

    Ewan McGregor Und Ian McKellen... tja, was sag ich dazu...?! Zum Glück ist deren Auftritt am Ende so kurz, dass man es Ihnen nicht wirklich übel nehmen kann. Zwar gibt es da weder Schauspielerisch noch Story-technisch irgendein Plus für den Film, aber das Ende allgemein ist sowieso eine seltsame Mischung aus zu albern und unnötig düster.
    Damit komme ich auch zu meinem grössten Kritik-Punkt an der Real-Verfilmung...
    Das Weglassen wichtiger Szenen aus dem Original und das unnötige hinzudichten neuer Story-Elemente.
    So wird zum Beispiel das sympathische und witzige Pferd Philippe (Animatorisches Vorbild für Maximus aus Rapunzel), welches im Original noch schöne Szenen hatte, wie zb das zögern an der Weggabelung, einfach zu einem Randcharakter degradiert, der 1 oder 2 mal namentlich erwähnt aber nie (wie im Original) als langjähriger geliebter Weggefährte dargestellt wird. Das Gegenstück dazu bildet die Fee, die plötzlich scheinbar Jahre-/Jahrzehntelang unter den Dorfbewohnern als Agathe, eine unverheiratete bettelarme Frau gelebt hat.
    Oder die Mutter von belle, die nun plötzlich einen 5 Minuten langen Abschnitt des Films beschert bekommt, der ungewöhnlich düster und vor allem unnötig ist. Die gute Frau von Belle's Vater ist an der Pest gestorben. Muss man sowas, mit Bildern der armen Frau mit Pestbeulen/-flecken im Gesicht, Kindern erzählen? Hat irgendwer vorher über die nie erwähnte Mutter nachgedacht? Nein... dies und andere ähnliche Elemente geben dem Film grade im letzten Drittel einen unnötigen düsteren Touch.

    Damit beende ich meine persönliche Kritik an diesem Machwerk.

    Gruss,

    Peter Logik

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