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    Unter Freunden
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Unter Freunden
    Von Thomas Vorwerk

    Wenn durch die Zivilisation verweichlichte Männer in der Midlife-Crisis es sich noch mal beweisen wollen, ist das ein beliebter Komödienstoff („City Slickers“, „Born To Be Wild“ oder „Picknick mit Bären“). Der Franzose Olivier Baroux macht daraus eine Boulevard-Komödie, als deren Bühne eine Segelyacht herhalten muss - bis man sich in einer zunehmend eskalierenden Seenot-Situation tatsächlich „Unter Freunden“ beweisen muss. Die Mischung aus Comedy und effektgestütztem Seeabenteuer ist dabei aber weder Fisch noch Fleisch.

    Wie jedes Jahr lädt Richard (Daniel Autieul), ein Geschäftsmann Anfang 60, seine alten Schulfreunde Philippe (François Berléand) und Gilles (Gérard Jugnot) nebst Partnerinnen auf eine Schiffstour gen Korsika ein. Die größte Veränderung besteht dieses Mal darin, dass Richard statt seiner allen wohlbekannten Frau die deutlich jüngere Daphnée (Mélanie Doutey) mitgebracht hat, mit der sich Philippes missmutige Freundin Astrid (Zabou Breitman) nicht recht anfreunden kann. Die Spannungen auf der gecharterten Yacht legen die Nerven blank, was durch die Machtkämpfe des allenfalls eingeschränkt seetüchtigen, aber von sich sehr eingenommenen Richard mit dem offiziellen Kapitän, einem grummeligen Korsen, verstärkt wird. Einzig Gilles' Frau Carole (Isabelle Gélinas) scheint sich mit gutgelaunter Euphorie auf das maritime wie zwischenmenschliche Abenteuer einzulassen.

    Ob die Macher selbst gemerkt haben, dass ihr Film nicht witzig ist? Nachdem das Geschehen als Komödie nicht so recht zünden will, verwandelt sich „Unter Freunden“ in der zweiten Hälfte nämlich in eine „Titanic“-Katastrophe im Westentaschenformat. Dass auch dieser Teil ganz und gar nicht funktioniert, ist auch den Effekten geschuldet, denn abgesehen von einigen Hubschrauberaufnahmen der echten Yacht ist es offensichtlich, dass ein Großteil des Films im Studio aufgenommen wurde, mit Greenscreen, gelegentlich wackelndem Interieur und ein paar Eimern Wasser, die im richtigen Moment quasi „auf die Leinwand“ geschüttet werden. Noch weniger als die Effekte überzeugt aber die Figurenzeichnung. Man erfährt kaum etwas über die Menschen, die sich da größtenteils anzicken. Da können auch die routinierten und vielfach erprobten Darsteller nichts ausrichten. Zwischen der angeblich hochdramatischen Seenot-Handlung und den Bemühungen, wieder Harmonie zwischen den Freunden herzustellen, verliert sich das Geschehen endgültig. Die Bemerkung der Schiffsköchin Cathalina (Justine Bruneau als die sympathischste der acht Figuren auf der Yacht) „Ihr Deppen habt auf See nichts verloren“ kommt gefühlt eine Stunde zu spät, denn wer selbst beim Abtrocknen den Finger am Auslöser der Harpune behält, ist eine Gefahr für sich und andere - aber leider keine Basis für ein Filmvergnügen.

    Fazit: Die Filmhandlung ist zwischen schwer den zu vermittelnden Genres Boulevardkomödie und Katastrophenfilm so zerrissen wie die nominellen Freunde auf einer Bootsreise, die sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Anfänglich ist das noch amüsant, doch es nervt den Zuschauer schnell so sehr wie die Landratten sich gegenseitig.

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