Mein FILMSTARTS
    31 - A Rob Zombie Film
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    31 - A Rob Zombie Film
    Von Christian Horn
    Allein der Name schon: Rob Zombie. Klar, dass hinter diesem Künstlernamen ein Horrorfan steckt. Seit der Frontmann der Heavy-Metal-Band White Zombie im Jahr 2003 mit dem kruden Splatterfilm „Haus der 1000 Leichen“ als Kinoregisseur debütierte, folgten unter anderem die Fortsetzung „TDR - The Devil's Rejects“ und das umstrittene „Halloween“-Remake plus Sequel. Sein neuestes Werk „31 – A Rob Zombie Film“ finanzierte der inzwischen zur eigenen Horror-Marke avancierte Regisseur nun via Crowdfunding. Die Handlung der Low-Budget-Hommage an das Grindhouse- und Horrorkino der 70er- und 80er hat Zombie auf das Allernötigste reduziert, um einen blutigen Abzählreim anzustimmen. Der Film punktet mit einer dichten an die historischen Vorbilder angelehnten Atmosphäre, während die Darsteller, darunter Veteranen wie Malcolm McDowell („Uhrwerk Orange“) und Meg Foster („Sie leben“), die zweite Geige spielen.

    1976 fährt eine Gruppe Schausteller in der Nacht vor Halloween mit einem Bus durch das amerikanische Hinterland. Nach einer Rast an einer gruseligen Tankstelle versperren Vogelscheuchen den Highway und die Hippies werden von  Psychopathen in eine verlassene Industrieanlage verschleppt. Hier zwingen drei als französische Aristokraten verkleidete Sadisten (Malcolm McDowell, Judy Geeson, Jane Carr) die Entführten zur Teilnahme an einem Spiel: Charly (Sheri Moon Zombie), Venus (Meg Foster), Panda (Lawrence Hilton-Jacobs), Levon (Kevin Jackson) and Roscoe (Jeff Daniel Phillips) müssen zwölf Stunden überleben, um freizukommen. Mit simplen Waffen wie einem Baseballschläger sehen sie sich grotesk geschminkten Clown-Psychokillern wie Doom-Head (Richard Brake) gegenüber, die ihnen nach dem Leben trachten.



    Im schwarzweißen Prolog tritt der diabolische Doom-Head mit einer Axt in der Hand aus der Unschärfe. Einer stumpfen Axt, wie der Psychopath seinem Opfer gegenüber betont. Er tritt nah an die Kamera und referiert über das Töten. Die atmosphärische Eröffnungsszene nimmt die Psychospiele vorweg, die den restlichen Film prägen. Doch erst einmal steckt Rob Zombie mit einem 8mm-Vorspann in Sepiafarben das 70er-Setting ab, in dem seine Hippies mit ihrem Bus über verlassene Highways fahren. Es folgt eine typische Horrorfilmszene an einer unheimlichen Tankstelle (inklusive Redneck-Tankwart), doch anstelle der sonst üblichen Hinterwäldler sind es hier als Aristokraten geschminkte steinreiche Sadisten, die die Reisegruppe entführen.

    Das tödliche Spiel ums Überleben dient Rob Zombie als Vorwand für die Inszenierung von Slasher-, Splatter- und Psychopathen-Szenen, in denen er Referenzen quer durch das Horrorgenre und die Popkultur unterbringt. Wenn ein irre lachender, kleinwüchsiger Hitler-Clown auftritt oder der kaltblütige Doom-Head seinen Opfern ellenlange Referate hält, zählt nur der möglichst irrwitzige Moment. Stimmung geht hier eindeutig vor Story. Und so kann man sich ein mildes Lächeln kaum verkneifen, wenn eine der Protagonistinnen verzweifelt fragt: „What the fuck is going on?“ An Erklärungen ist Zombie eindeutig nicht interessiert, auch die Figurenzeichnung ist entsprechend zweitrangig - dafür wird die marode Industrieanlage zum wahren Protagonisten.

    In der Fabrikruine tropft überall Wasser durch die Decke, hinter jeder Ecke könnte der Tod lauern, oft blockieren Gitter die labyrinthischen Korridore. Mit Nebelmaschinen und einer expressionistischen Lichtsetzung erzeugt Rob Zombie auf ganz altmodische Weise eine unbehagliche Atmosphäre. Der kreative Einsatz von Standbildern und ein Synthesizer-Soundtrack à la John Carpenter tun das Übrige, um ein nostalgisches Flair herzustellen. Mal wähnt man sich in den Albtraumsequenzen aus „Nightmare - Mörderische Träume“, mal in „The Running Man“ und immer wieder in „The Texas Chainsaw Massacre“. Tobe Hoopers berüchtigtem Klassiker huldigte Rob Zombie bereits mit „Haus der 1000 Leichen“, in „31“ erinnern nun vor allem der Anfang und das Ende im Hinterland an das Original (und natürlich das Kettensägen-Killerduo).

    Fazit: Rob Zombies Low-Budget-Horrorfilm ist klassisch-derbes Terrorkino mit viel Kunstblut und grotesk geschminkten Psycho-Clowns.

    Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
    • Die neuesten FILMSTARTS-Kritiken
    • Die besten Filme aller Zeiten: Usermeinung
    • Die besten Filme aller Zeiten: Pressemeinung

    Kommentare

    • FAm Dusk Till Dawn
      Hmmm ..ja ... also eher weniger!
    • Jimmy V.
      Stilwillen und Atmosphäre, den richtigen bizarren Moment herausholen - all das kann Rob Zombie. Aber gerade deswegen sollte er seine Stärke nutzen, um die eigene Schwäche auszubügeln. "The Lords of Salem" hätte ein Klassiker werden können, wenn das nur alles etwas besseres Tempo, etwas mehr Inhalt gehabt hätte.
    • Fain5
      Ich werd ihn sehen.
    • Bruce W.
      Ich weiß ja nicht. House of the 1000 corpses ist, wie ich finde, gnadenlos überbewertet und nicht halb so gut wie sein Ruf. Zombie hat zwar ein Talent dafür krude Ideen in seine Filme einzubauen, aber von Erzählstruktur versteht der Mann nichts. In Hot1000c (ist das eine legitime Abkürzung?) sind lediglich die ersten 20 Minuten und die letzten 15 Minuten zu empfehlen, alles dazwischen ist langweiliger mit Subplots ausgestatteter Leerlauf, ohne Sinn und Verstand. Die Charaktere sind absolute Abziehbilder und selbst die Psychos im Film fangen nach einer Weile an zu nerven (vor allem Baby). Das einzige was mich gegen Ende noch interessierte war die Legende um Dr. Satan. Ach ja, die filmischen Stilmittel die Zombie eingebaut hat, haben schon nach kurzer Zeit angefangen mir höllische Kopfschmerzen zu bereiten, ein Glück dass er sich nicht so in Halloween ausgetobt hat. Von Devils Rejcts müssen wir gar nicht erst anfangen. 31 klingt immerhin ganz interessant, ich hoffe nur dass Zombie sich dieses Mal auf die wesentlichen Dinge eines Filmes konzentriert hat.
    Kommentare anzeigen
    Back to Top