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Valley Of Love - Tal der Liebe
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Valley Of Love - Tal der Liebe
Von Carsten Baumgardt
Zwei Schwergewichte des französischen Kinos treffen in der unerträglichen Hitze des kalifornischen Death Valley aufeinander und beeindruckenden mit ihren feinjustierten Unterhaltungen – bis Regisseur Guillaume Nicloux („Die Entführung des Michel Houellebecq“) sein bei den 68. Filmfestspielen in Cannes 2015 im Wettbewerb uraufgeführtes Drama „Valley Of Love“ gegen Ende ins Esoterische abdriften lässt. Die Wendung sorgt für deutliche Irritation, doch Isabelle Huppert („Die Klavierspielerin“) und Gérard Depardieu („Cyrano de Bergerac“) haben „Valley of Love“ als geschiedenes Schauspieler-Ehepaar, das seinem verstorbenen Sohn widerstrebend den letzten Willen erfüllt und im amerikanischen Nationalpark gemeinsam eine Woche lang auf ihn wartet, da längst ihren unauslöschlichen Stempel aufgedrückt.

Der oft bis in die Dialoge hinein improvisiert wirkende Erzählgestus von Guillaume Nicloux' Film erinnert ein wenig an Richard Linklaters Trilogie „Before Sunrise“, „Before Sunset“ und „Before Midnight“. Der Tonfall wechselt dabei fließend von melodramatisch über sentimental bis zu humorvoll – jede Nuance wird von Gérard Depardieu und Isabelle Huppert („Liebe“, „Die Klavierspielerin“), die das erste Mal seit Maurice Pialats „Der Loulou“ aus dem Jahr 1980 wieder auf der Leinwand vereint sind, präzise zum Ausdruck gebracht. All das wirkt jederzeit natürlich und die Stars verstärken den Eindruck der schon durch die Anlage der Figuren (sie spielen schließlich Schauspieler namens Gérard und Isabelle) suggerierten Nähe zwischen ihren eigenen Persönlichkeiten und den Rollen noch. Wie sie die Vergangenheit zaghaft aufarbeiten, wie sie mit ihrer Verantwortung für den Freitod ihres in den USA lebenden Sohnes ringen, wie sie sich bekriegen, näherkommen und wieder abstoßen – all das ist faszinierend zu beobachten.


An diesem ur-amerikanischen Schauplatz wirken die beiden Vollblut-Franzosen wie Fremdkörper, was einen reizvollen kulturellen Gegensatz der etwas anderen Art ergibt. Die sengende Hitze des kalifornischen Todestals wird dabei zum wichtigsten Nebendarsteller. Die unmenschlichen Temperaturen machen insbesondere dem inzwischen schwer beleibten Gérard Depardieu mächtig zu schaffen. Er leidet physisch, verbrennt sich die Füße zu Matsch (den Anblick erspart uns der Regisseur), schleppt sich keuchend vorwärts. Aber seine Präsenz ist ungebrochen, Depardieu ist immer noch eine schauspielerische Urgewalt. Huppert wirkt dagegen zunächst ein wenig abweisend und distanziert, lässt aber gekonnt das Innenleben einer warmherzigen und mitfühlenden Frau aufscheinen. Von solcher Subtilität ist Nicloux' Abstecher ins Übernatürliche weit entfernt – er hätte sich besser auf das wahrhaftiger seiner Protagonisten verlassen.

Fazit: Die französischen Schauspiel-Granden Isabelle Huppert und Gérard Depardieu sind die Trümpfe in diesem soliden Zwei-Personen-Drama mit spirituellem Einschlag.
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