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Predator - Upgrade
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Predator - Upgrade
Von
Eigentlich sollen der Sniper Quinn McKenna (Boyd Holbrook) und sein Team nur ein paar Kidnapper bei einer Übergabe ausschalten, aber dann stürzt nebenan ein Raumschiff vom Himmel und die kriegserfahrenen Soldaten stehen plötzlich einem Predator gegenüber. Der kann sich nahezu unsichtbar machen, explosive und skalpellscharfe Geschosse abfeuern, ist superschnell und superstark, hat Dreadlocks und eine megahässliche Visage. „Iron Man 3“-Regisseur Shane Black feuert in den ersten fünf Minuten von „Predator - Upgrade“ all das ab, was John McTiernan in seinem Arnie-Klassiker „Predator“ vor 31 Jahren noch über eindreiviertel Stunden verteilt hat.

Da fragt man sich schon kurz, was denn jetzt bloß noch kommen soll. Wir haben den Predator in seiner vollen Pracht gesehen und nun liegt er da auch noch bewusstlos am Boden rum. Kann man eigentlich auch gleich wieder nach Hause gehen. Aber Pustekuchen! Nachdem ein kopfüber am Baum hängender Soldat in der Mitte durchtrennt wird, platschen seine Gedärme genau dort auf den Boden, wo der noch „unsichtbare“ Predator liegt, dessen Konturen unter dem Blutschwall langsam sichtbar werden, bis sich mitten in der roten Soße plötzlich die gelbleuchtenden Augen des intergalaktischen Jägers öffnen. So geht cool! Shane Black inszeniert den inklusive Spin-offs bereits sechsten „Predator“-Kinofilm als konsequent unterhaltsame 80er-Hommage: „Predator - Upgrade“ ist quasi „Super 8“ für Erwachsene.

Nach seiner Begegnung mit dem Alien kann Quinn McKenna noch heimlich einige Ausrüstungsstücke des Predator an seinen autistischen Sohn Rory (Jacob Tremblay) schicken, bevor er in eine Station für psychisch auffällige Veteranen gesteckt wird. Weil außerhalb einer kleinen Gruppe von Eingeweihten niemand erfahren soll, dass ständig außerirdische Menschenjäger auf der Erde Zwischenstation machen, werden Zeugen entweder eliminiert oder in die Klapse gesteckt. Aber noch während McKenna seine neuen Gruppentherapie-Kollegen wie den ständig ungehörige Witze reißenden Coyle (Keegan-Michael Key) oder den am Tourette-Syndrom leidenden Baxley (Thomas Jane) kennenlernt, kann der gefangengenommene Predator aus der Militärbasis fliehen…

Predator - Upgrade Trailer DF

Shane Black hat nicht nur am Skript für den 1987er-„Predator“ mitgearbeitet, sondern dazu auch noch selbst einen der Soldaten aus dem Team von Anführer Major Dutch Schaefer (Arnold Schwarzenegger) verkörpert. Eine der ganz großen Stärken des Originals findet sich nun auch in „Predator - Upgrade“ wieder: tatsächlich zündende Action-Oneliner. Wer erinnert sich nicht an Arnies legendäres „If it bleeds, we can kill it!”? Nachdem man sich in den vergangenen Jahren fast schon darüber freuen musste, wenn die generischen Sprüche in einem Action-Blockbuster nicht allzu peinlich ausfallen, ist das neueste „Predator“-Sequel nun randvoll mit zitierwürdigen Onelinern: „I can do reverse psychology, too: don’t fuck yourself!” ist da nur ein Beispiel – und der Spruch stammt im Film von einem Zehnjährigen. Dazu kommen amüsante Meta-Dialoge wie das Gespräch über die immer höhere Schlagzahl der Predator-Besuche auf der Erde, wobei die Jahreszahlen sicherlich nicht zufällig mit den Veröffentlichungsdaten der bisherigen „Predator“-Filme übereinstimmen.

Abgesehen davon erinnert das „Predator - Upgrade“-Drehbuch allerdings weniger an das Original, als vielmehr an Shane Blacks legendäre Buddy-Skripts zu Richard Donners „Lethal Weapon“ und Tony Scotts „The Last Boy Scout“. Das Herzstück ist hier definitiv die Gruppe an für verrückt erklärten – und sich auch dementsprechend danebenbenehmenden – PTSD-Patienten, zwischen denen einfach jeder Spruch sitzt und für die sich Black auch einige gleichermaßen politisch unkorrekte und doch auch auf verquere Art irgendwie süße Comedy-Szenarien überlegt hat. Etwa die Szene, in der die ganze Truppe um das Bett der bewusstlosen Wissenschaftlerin Casey Bracket (Olivia Munn) herumsteht und auf ihr Erwachen wartet (fast wie die sieben Zwerge und ihr Schneewittchen). Zum Glück steht Olivia Munn in dieser Macho-Gruppe gekonnt ihre Frau (ihr „Eat My Pussy“-Dialog ist zumindest im englischen Original grandios, aber für die deutsche Übersetzung legen wir unsere Hand an dieser Stelle sicher nicht ins Feuer).

Apropos Macho: Mehr Machismo als ein Alien, das von Planet zu Planet reist, um sich überall im Kampf mit den Stärksten einer Spezies zu messen, geht eigentlich gar nicht – und im originalen „Predator“ haben Arnie und seine Schauspielkollegen ja bekanntermaßen auch keinen Schweiß, sondern pures Testosteron ausgedünstet. In „Predator - Upgrade“ ist das nun auch wieder so, aber zugleich zelebriert Shane Black den Machismo auf eine Weise, die ihn immer wieder ironisch bricht. Was kann man sich schon Romantischers vorstellen als zwei alte Kriegskameraden, der eine aufgespießt in einigen Meter Höhe an einem Baum, der andere am Boden mit herausquellenden Gedärmen, die sich in diesen letzten Momenten verliebt anschauen und sich gegenseitig eine erlösende Kugel in die Stirn jagen. Das ist so absurd überhöht, dass es schon wieder funktioniert.

Sowieso hat sich Shane Black erstaunlich viele kleine Kniffe für seine splattrigen Actioneinlagen (ja, es werden Köpfe mitsamt Wirbelsäule abgerissen) einfallen lassen. Am besten zeigt sich das in einer Sequenz, in der einige der Protagonisten sich außen an einem startenden Raumschiff festklammern. So eine Szene hat man in „Star Trek“, „Star Wars“ & Co. schon etliche Male gesehen. Aber wie Black hier das Schutzschild des Schiffes einsetzt, um für Abwechslung, Überraschung und augenzwinkernde Gore-Effekte zu sorgen, ist schon ziemlich brillant. Wenig überraschend ist hingegen, dass Black auch wieder einige seiner üblichen Markenzeichen eingebaut hat: Natürlich spielt „Predator - Upgrade“ an einem Feiertag (diesmal Halloween statt wie sonst meist Weihnachten) und es übernimmt auch wieder ein Kind eine wichtige Rolle, was ja schon in „Iron Man 3“ vielen Fans sauer aufgestoßen ist, uns aber weder dort noch hier stört.

Die Story von „Predator - Upgrade“ hat auf einem Bierdeckel Platz – und da passt es ganz gut, dass sich Wissenschaftlerin Casey auch gerade selbst ein kühles Blondes reinpfeift, während sie Quinn die biochemischen Hintergründe des Predator-Upgrade-Plans verklickert. Aber während das kaum weiter stört, ist es schon schade, dass auch der Titelheld diesmal eher blass bleibt: Im Original heißt „Predator - Upgrade“ einfach nur „The Predator“, aber genau diesem Titel wird der Film nicht wirklich gerecht. Die Predatoren sind hier kaum mehr als funktionelle Filmbösewichte – und ihre Auftritte längst nicht so ikonisch wie im 87er-Original. „Predator - Upgrade“ funktioniert mit seinen herausragenden Buddy-Frotzeleien eben am besten als brutale 80er-Action-Comedy-Hommage irgendwo zwischen „Ghostbusters“, „Crocodile Dundee“, „Big Trouble In Little China“ und „Beverly Hills Cop“. Eigentlich wäre es gar keine schlechte Idee, Shane Black das Skript zum nächsten „Indiana Jones“-Teil schreiben zu lassen, nur dürfte er dort wohl kaum in jedem zweiten Satz ein „Fuck“ unterbringen.

Fazit: Von der ersten bis zur letzten Minute ein unheimlich unterhaltsames 80s-Nerdfest.
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