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    Moonwalkers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Moonwalkers
    Von Christoph Petersen
    Dass die Amerikaner damals gar nicht wirklich auf dem Mond gelandet sind, sondern die Landung stattdessen von „2001“-Regisseur Stanley Kubrick in einem Filmstudio inszeniert wurde, zählt zu den am weitesten verbreiteten Verschwörungstheorien überhaupt - William Karel wurde für sein großartiges Mockumentary „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ 2003 sogar mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. In „Moonwalkers“ spinnt Antoine Bardou-Jacquet diese Idee nun noch weiter – denn hier plant die CIA zwar auch eine Fake-Mondlandung, der nach London abgesandte Vietnam-Veteran Kidman (Ron Perlman) kann allerdings nicht auf Kubrick persönlich zurückgreifen, sondern muss sich mit dem ständig mit Drogen aller Art vollgepumpten Leon (Robert Sheehan) begnügen, der dem berühmten Filmemacher zwar minimal ähnlich sieht, aber zunächst nicht bereit ist, sich als „der Pedo-Regisseur“ (eine Anspielung auf Kubricks 1962 erschienenen „Lolita“) auszugeben…

    „Moonwalkers“ ist irgendwie alles, zugleich aber auch nichts so richtig: Los geht’s als simple Verwechslungskomödie, die sich ausgiebig im Zeitgeist der Swinging Sixties suhlt – der dauerkoksende, dandyhafte Manager Derek Kaye (herrlich schmierig: Stephen Campbell Moore) hat in seinem Büro sogar einen Tisch in Form einer devoten barbusigen Frau mit schwarzen Strapsen stehen. Zudem entwickelt sich auch noch ein trocken-selbstironischer, zugleich aber auch superbrutaler Gangsterfilmplot mit Anklängen an Quentin Tarantino und die frühen Filme von Guy Ritchie („Snatch – Schweine und Diamanten“) – wenn hier Leute umgenietet werden, explodiert in der Regel gleich der ganze Kopf. Auch eine politische Satire steckt noch irgendwie mit drin – so hat Kidman seit seinen Spezialmissionen in Vietnam eine posttraumatische Störung, weshalb er ständig und überall halbzerfetzte Vietcong rumstehen sieht, und der amerikanische Colonel Dickford (Jay Benedict) bringt wunderbar auf den Punkt, warum die USA im vergangenen Jahrzehnt Abermilliarden Dollar rausgepustet haben, um vor den Russen auf dem Mond zu landen:   

    If the Russians make it first, we’re going to look like dicks!


    Meta-Spielereien dürfen in einem Film wie diesem auch nicht fehlen – und so findet sich auf dem Soundtrack NATÜRLICH auch die Einleitung zu Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ aus „2001 – Odyssee im Weltraum“. Gähn! Wesentlich kreativer und sehr viel lustiger ist hingegen der Abschnitt um den Hippie-Amateur-Dreh der Fake-Mondlandung im Anwesen von Regisseur Renatus (wunderbar exzentrisch: Tom Audenaert) geraten: Der zweite Kubrick-Ersatz entpuppt sich als deutschstämmiger Kunstfilmer irgendwo zwischen Rainer Werner Fassbinder und Andy Warhol, der gerade ein zehnjähriges Experimentalfilmprojekt beendet hat, bei dem dicke Männer in Windeln mit Hühnern zusammen trampolinspringen – in Schwarz-Weiß und Superzeitlupe! Am liebsten würde der eigenwillige Renatus (der Eingang seines Schlosses ist einer Vagina nachempfunden) den Mond im Stil einer Sixties-Rockoper mit schwebend-leuchtenden Quallenwesen bevölkern – schließlich sei ja noch niemand dort gewesen, deshalb sei eine gewisse künstlerische Freiheit ja wohl erlaubt. Abschließend also die Frage: Passt das alles zusammen? Nicht wirklich! Macht es trotzdem Spaß? Die meiste Zeit über schon!

    Fazit: Ein bisschen Quentin Tarantino, ein bisschen „Yellow Submarine“, ein bisschen „Dr. Seltsam“, ein bisschen durchschnittliche Verwechslungskomödie – trotz des chaotischen und völligen überladenen Plots unterhält „Moonwalkers“ über weite Strecken ordentlich.

    „Moonwalkers“ läuft auf den Fantasy Filmfest Nights 2016 – hier geht’s zum vollständigen Programm.
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