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The Beatles: Eight Days A Week - The Touring Years
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
The Beatles: Eight Days A Week - The Touring Years
Von Michael Meyns
Die Beatles. John, Paul, George und Ringo. Für viele sind sie die beste Band aller Zeiten, mit Meilensteinen wie dem Album „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ sind sie auf jeden Fall eine der einflussreichsten. Von Dutzenden unvergänglicher Ohrwürmer ganz zu schweigen. Gibt es über diese Band noch irgendetwas Neues zu sagen? Nicht wirklich, aber dennoch lohnt sich der Kinobesuch bei Ron Howards Dokumentation „The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years“ nicht nur für die eingefleischten Fans der vier Pilzköpfe aus Liverpool. Denn der Regisseur von „Apollo 13“ und „A Beautiful Mind“ hat tatsächlich sehr seltenes, teilweise bisher unbekanntes Bildmaterial zusammengetragen und lässt mit den historischen Filmaufnahmen und Fotos von Konzerten und Promotion-Terminen die sprichwörtliche Beatlemania lebendig werden. Dazu dröhnt der neu abgemischte Sound in bestmöglicher Qualität aus den Kinoboxen und lässt gleichsam nebenbei umso klarer hervortreten, was für eine musikalisch brillante Band die Beatles gewesen sind.

 „Viele Songs zu schreiben ist einfach“, sagt der britische Komponist und Autor Howard Goodall in „Eight Days A Week“, die Schwierigkeit sei vielmehr, viele gute Songs zu komponieren. Er vergleicht die konstant herausragende Qualität der Beatles mit Schubert und Mozart. Vielleicht ist es ja tatsächlich einfach nur das enorm hohe Niveau ihrer Musik, das den Erfolg der Beatles erklärt – schon seit der Glanzzeit der Band in den 60er Jahren debattieren Musik-Journalisten und Pop-Historiker jedenfalls über die Gründe der Beatlemania, die auf ihrem Höhepunkt geradezu die gesamte (westliche) Welt in ihren Bann schlug. Man kannte solche Bilder von hysterisch kreischenden Teenagern, von Ohnmachtsanfällen, von wildgewordenen Menschenmengen, die die vier Musiker kaum in ihre Autos stiegen ließ, schon vorher, bei Ron Howard werden sind sie nun ganz besonders eindrucksvoll zur Geltung gebracht.



Warum gerade diese vier Jungs aus Liverpool innerhalb weniger Jahre einen solch sagenhaften Aufstieg hinlegten und schließlich -  um John Lennons berühmt-berüchtigten Satz zu zitieren – populärer waren als Jesus, das ist eine Frage, die auch Ron Howard nicht beantworten kann. Das versucht er aber auch gar nicht erst. Statt sich mit soziologischen oder esoterischen Spekulationen aufzuhalten, nutzt er die Fülle seines Materials dazu, dem heutigen Publikum ein Gefühl dafür zu vermitteln, was die Beatles ausmachte. Die historischen Dokumente ergänzt er mit aktuellen Interviews, neben den beiden noch lebenden Bandmitgliedern Paul McCartney und Ringo Starr lässt er weitere Zeitzeugen, Wegbegleiter und Fans zu Wort kommen - darunter auch Sigourney Weaver und Whoopi Goldberg, die sich mit verklärtem Blick an Beatles-Konzerte erinnern, die sie in ihrer Jugend besucht haben.

Dabei wurden die als einmalig beschworenen Konzerterlebnisse oft gar nicht so sehr durch die Musik als durch das Drumherum zu etwas Besonderem, denn das Kreischen zehntausender Fans machte es oft praktisch unmöglich, den Songs wirklich zuzuhören. Das ging der Band dann auch zunehmend auf die Nerven, bis sie schließlich in der späteren Phase ihrer Karriere fast ganz auf Liveauftritte verzichtete. In Ron Howards Film darf sich dafür nun die unfassbare Energie der meist kaum länger als zwei Minuten langen Songs neu entfalten. Die Fab Four, die  einst als rohe, ungeschliffene Rockband in den Clubs von Liverpool und Hamburg begonnen hatten, zeigten sich auf den großen Tourneen Mitte der 1960er als perfekt eingespielter Organismus, der gar nicht mehr aus vier einzelnen Musikern zu bestehen schien.

So schlicht frühe Songs wie „She Loves You“, „Hold Me Tight“ oder „I Want to Hold Your Hand“ auf den ersten Blick wirken, vom ersten Riff an sind sie kleine Pop-Meisterwerke, deren Wucht immer noch mitreißt. Diese Zeiten, in denen vier Jungs aus einfachen Verhältnissen die Welt eroberten und ein wenig besser machten, zelebriert Ron Howard in seinem Film. Die musikalisch deutlich ambitionierteren Werke der späteren Jahre spielen dagegen kaum eine Rolle – auch  Streit und Trennung oder das Privatleben der Musiker kommen so gut wie nicht vor. „The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years“ ist also kein umfassendes Porträt der Band, aber ein mitreißender Trip mitten hinein in die Beatlemania.

Fazit: Ron Howards energiegeladene Musik-Dokumentation über die Beatles und ihre großen Tourneen ist nicht nur für die Fans der Pilzköpfe eine unwiderstehliche Zeitreise in ein einmaliges Kapitel der Popgeschichte.

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Kommentare

  • Fain5
    Bei Ron Howard bin ich skeptisch. Klar hat er nachweislich große Filme gemacht aber nachdem er sich bei Sakrileg so sehr an den Mainstream und die Kirche angebiedert hat, hat er bei mir einen schweren Stand.
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