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    Mord in Pacot
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Mord in Pacot
    Von Niklas Pollmann
    „Mord in Pacot“ - was nach einem Whodunit vor exotischer Kulisse klingt (Pacot ist das Reichenviertel der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince), ist vielmehr der dramaturgisch ambitionierte Versuch, ein detailliertes Gesellschaftsporträt der haitianischen Bevölkerung nach der Erdbebenkatastrophe 2010 zu zeichnen. Ein bürgerliches haitianisches Ehepaar (Alex Descas / Ayo), dessen Villa nach dem Erdbeben kaum bewohnbar und vom Einstürzen bedroht ist, kommt notgedrungen in Kontakt mit der 17-jährigen Prostituierten und Vertreterin der kreolischen Unterschicht Andrémise (Lovely Kermonde Fifi), da sie die Geliebte des zahlungsfähigen weißen Mieters Alex (Thibault Vinçon) ist. Regisseur Raoul Peck („Moloch Tropical“) entwickelt daraus ein etwas unrundes, aber sehenswertes Drama.

    „Mord in Pacot“ bietet einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf Haiti, da nicht der prekäre Überlebenskampf des einfachen Volkes oder die Hilfsversuche der UNO-Unterstützer thematisiert werden, sondern ein bürgerliches Ehepaar beim organisatorischen Aufwand, ihre zerstörte Villa zu reparieren. Das eindeutige erzählerische Zentrum des Films ist ebendiese Villa und ihr Grundstück, auf dem der gesamte Film stattfindet. Dabei wird auch mit einer für den Zuschauer nicht direkt greifbaren, olfaktorischen Ebene gespielt, denn auf dem Grundstück liegt irgendwo die Leiche des adoptierten Sohnes Joel verschüttet, deren Gestank mehrfach angesprochen wird.


    Sowohl das marode Gebäude, das zu jeder Zeit einstürzen kann, als auch die ständeübergreifende Figurenkonstellation lässt sich als haitianisches Gesellschaftsabbild interpretieren. Triumphal behauptet dann auch die Proletarierin Andrémise, dass Haiti durch die Katastrophe erstmals allen Menschen und nicht einer kleinen Oberschicht alleine gehören würde. In einer späteren emblematischen Partyszene im einzigen bewohnbaren Zimmer der Villa bringt sie dann sogar Unterschicht und Oberschicht zum Tanzen und erzeugt somit die Momentaufnahme einer klassenlosen Gesellschaft.

    Zu den Stärken von „Mord in Pacot“ gehört der unkonventionelle dramaturgische Aufbau, der seinen Anteil daran hat, dass man Regisseur Peck zu keinem Zeitpunkt in die Karten schauen kann und immer wieder überrascht wird. Dazu kommt das pointierte Schauspiel der Akteure, zu denen u. a. die deutsche Sängerin Ayo gehört, die in der Hauptrolle der namenlosen Ehefrau brilliert. Einige unnötige psychologische Konflikte der Figuren, die sich dann gerade zum Ende hin nicht immer ganz glaubwürdig entladen, schmälern allerdings den sonst überzeugenden Handlungsbogen.

    Fazit: „Mord in Pacot“ ist ein schwieriger Film mit ungewöhnlichen dramaturgischen Entscheidungen, der alles in allem etwas unrund daherkommt. Für Interessierte am Haiti-Unglück 2010 ist er dank der genannten Stärken aber dennoch Pflichtprogramm.
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