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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Ballerina
Von
„Glaube an deine Träume, denn dann kannst du alles erreichen!“ – wenn aus ehrgeizigen Häsinnen Polizistinnen werden können („Zoomania“) und eine vergessliche Doktorfischdame allen Hindernissen zum Trotz ganz allein zu ihren Eltern zurückfindet („Findet Dorie“), wieso sollte aus einem verarmten Waisenmädchen dann nicht auch eine Weltklasse-Balletttänzerin werden? Das ist die Prämisse des französisch-kanadischen 3D-Animationsfilms „Ballerina“, aber dabei geht es nicht halb so subtil zu wie in den erwähnten Beispielen aus Hollywood. Als die Hauptfigur Félicie einer gestrengen Waisenhaus-Aufseherin ziemlich zu Beginn von ihrem Traum erzählt, später einmal eine berühmte Ballerina zu sein, wird sie sofort mit den Worten ausgebremst, dass Träume bekanntlich Schäume seien und es sich viel einfacher leben ließe, würde man aufhören, dauernd irgendwelchen Luftschlössern nachzujagen… Zu dieser mitunter allzu groben Deutlichkeit gesellen sich dann noch diverse Pop-Songs, die das Geschehen bei jeder Gelegenheit akustisch kommentieren, was im historischen Setting trotz einiger Ohrwürmer manchmal deplatziert wirkt. Dafür wird auf anderen modernen Schnickschnack wie zeitgeistige Anspielungen und aufgesetzte Jugendsprache verzichtet – das Trickfilmmärchen von Eric Summer („Profiling Paris“) und Éric Warin (wirkte am Charakter-Design von „Das große Rennen von Belleville“ mit) hat bei allen Schwächen das Herz am rechten Fleck.

Félicie (Stimme im Original: Elle Fanning/deutsche Fassung: Maria Ehrich) wächst an der Seite ihres besten Freundes und Nachwuchs-Erfinders Victor (Dane DeHaan/Max von der Groeben) in einem französischen Waisenhaus auf. Doch das abenteuerlustige Mädchen zieht es hinaus ins aufblühende Paris, dort möchte es am renommierten Opernhaus zur Balletttänzerin ausgebildet werden. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelingt Félicie gemeinsam mit Victor die Flucht in die französische Hauptstadt. Dort angekommen schafft sie es mit einem Trick, an der Ballett-Akademie aufgenommen werden, wo sie fortan vom strengen Ballettlehrer Mérante (Joachim Llambi) trainiert wird und schnell Forstschritte macht. Als die hochnäsige Régine Le Haut allerdings erfährt, dass Félicie sich als ihre Tochter ausgegeben hat, um am Opernhaus tanzen zu dürfen, will sie sich rächen. Nun benötigt das Waisenmädchen sie nicht nur seine flinken Füße, sondern auch die Hilfe guter Freunde, um sich den Traum, eine echte Ballerina zu werden, zu erfüllen…



Indem sie die Geschichte ins Paris des Jahres 1879 verfrachten, sammeln die Macher „Ballerina“ eine Menge Originalitätspunkte, auch wenn die großen Hollywood-Animationsstudios rein produktionstechnisch sicher noch deutlich mehr aus diesem exotischen Setting herausgeholt hätten. Die mitunter äußerst detailreichen Hintergründe beißen sich hier mit den oft nur skizziert wirkenden Bewegungen von Mensch und Tier, aber die Szenerie ist trotzdem so lebendig, dass sich das Flair der damaligen Zeit regelrecht aufsaugen lässt. Für detaillierte historische Einschübe bleibt indes keine Zeit, das Regieduo Summer und Warin erlaubt es sich lediglich, Félicies Freund Victor zum Gehilfen von Frédéric-Auguste Bartholdi zu machen, jenem Bildhauer, der einst die Freiheitsstatue gestaltete (die in „Ballerina“ übrigens noch nicht ganz fertig ist). Ansonsten wird für Wiedererkennbarkeit und Vergleichbarkeit gesorgt: Wenn etwa die Klassenunterschiede im späten 19. Jahrhundert zum Thema werden, dann kann jedes Kind den Bogen zu den immer noch bestehenden Ungerechtigkeiten der Gegenwart schlagen.  

Insgesamt verläuft die „Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichte im „Waisenmädchen wird Ballerina“-Gewand in allzu vorhersehbaren Bahnen, bis hin zu den vielen Bildmontagen vom Tanztraining („Rocky“ lässt grüßen!). Auch die Auflösung des offenbar unvermeidlichen Zickenkrieges gerät nicht nur äußerst plakativ, sondern passt mit ihren abgehobenen Actioneinlagen nicht zur vorher noch so bodenständigen Handlung. So bleibt „Ballerina“ sowohl technisch (die Optik erinnert manchmal eher an ein Computerspiel der 90er als an einen Animationsfilm aus dem Jahr 2016) als auch erzählerisch insgesamt im Durchschnitt stecken. Ein ausdrückliches Lob verdienen jedoch ausnahmslos alle deutschen Synchronsprecher. Vor allem Maria Ehrich („Edelstein-Trilogie“), Max von der Groeben („Fack ju Göhte“) und der „Let’s Dance“-Juror Joachim Llambi als strenger aber fairer Ballett-Trainer erwecken ihre Figuren überzeugend zum Leben.

Fazit: Optisch wie erzählerisch kann der sehr schematisch angelegte „Ballerina“ nicht mit den besten Animationsfilmen mithalten. Aber die guten Sprecher, das originelle Setting und eine herzliche Ausstrahlung helfen über einige Schwächen hinweg.

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