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A Prayer Before Dawn
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
A Prayer Before Dawn
Von
„Basierend auf der unglaublichen wahren Geschichte“ heißt es auf dem Plakat des Action-Dramas „A Prayer Before Dawn“, das seine Premiere  außer Konkurrenz im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes 2017 feierte. Und in diesem Fall passt die Bezeichnung „unglaublich“ tatsächlich einmal, denn was der Brite Billy Moore durchgemacht hat, der wegen Drogenbesitz in einem thailändischen Gefängnis landete und allein dank seiner Boxkünste überlebte, ist schlicht unfassbar. Und der französische Regisseur Jean-Stéphane Sauvaire („Johnny Mad Dog“) verwandelt die atemberaubende Geschichte in ein schonungsloses Kinoerlebnis.

Bangkok. Der Brite Billy Moore (Joe Cole) verdient sein Geld mit Kickboxen und Drogenhandel, zwei Dinge, die ihn bald in den berüchtigten thailändischen Knast Klong Prem bringen, der den ironischen Spitznamen „Bangkok Hilton“ trägt. Mit hartgesottenen, am ganzen Körper tätowierten Gangstern teilt er sich einen engen und überfüllten Schlafsaal, brutale Gefängnisrituale und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Billy hat noch Glück und wird in das Boxteam des Zuchthauses aufgenommen. In der Arena kämpft er im wahrsten Sinne des Wortes um sein Überleben.


Vom ersten Moment an lässt Filmemacher Jean-Stéphane Sauvaire in dieser britisch-französischen Co-Produktion keinen Zweifel daran, dass er in den folgenden zwei Stunden dahin gehen wird, wo es so richtig weh tut. Schon im ersten Thaiboxkampf, dem zahlreiche weitere Prügeleien aller Art folgen, spritzt das Blut. Dass Billy die Gewohnheit hat, vor seinen Kämpfen eine Dosis Ya Ba zu rauchen macht die Sache nicht besser, denn diese in Thailand beliebte, passenderweise auch „Mad Dog“ genannte Mischung aus Metamphetaminen und Koffein, putscht auf und lässt den Schmerz selbst brutalster Tritte und Schläge in Gesicht und Magen vergessen. Billy steht somit ständig unter Strom und wird bei der kleinsten Irritation zu einer rasenden Bestie. Mit der schieren Kraft seiner Fäuste scheint er den Verhältnissen diesem Höllengefängnisses trotzen zu wollen, das den schlimmsten Klischees über einen Knast in einem Land wie Thailand entspricht: In tropischer Hitze herrscht hinter Gittern ein gnadenloses Faustrecht, die schwachen Neulinge sind „Frischfleisch“ für die ihre Tätowierungen wie Kriegsbemalung tragenden Langzeitinsassen und die Wächter mischen bei ihren schmutzigen Machenschaften eifrig mit.

Eine solche Parallelwelt wurde ähnlich zwar schon in zahlreichen Gefängnisfilmen porträtiert, aber Sauvaire wirft einen oft geradezu dokumentarischen Blick auf sie und sichert „A Prayer Before Dawn“ eine Extraportion Detailtreue und Realitätsnähe. Wenn die Kamera fast voyeuristisch über die Körper der Gefangenen fährt, dann wirkt der geradezu bleiche Billy im Vergleich zu den tintenübersäten einheimischen Insassen erst recht wie ein Fremdling. Diese Fremdheit wird noch zusätzlich durch den originellsten Einfall des Regisseurs betont, denn Sauvaire verzichtet fast vollständig auf Untertitel. So wenig wie die meisten ausländischen Zuschauer die thailändischen Wärter und Insassen verstehen, so wenig weiß Billy, was um ihn herum genau gesagt wird. Nur gelegentliche Brocken Englisch oder Französisch liefern rudimentäre Informationen, ansonsten bleibt nur das Körperliche, um sich auszudrücken, sich zu wehren und Respekt zu verschaffen.

Nachdem er bislang vor allem in Nebenrollen in Filmen wie „Green Room“ oder der Serie „Peaky Blinders“ zu sehen war zeigt der junge Brite Joe Cole als Billy gleich in seiner ersten großen Hauptrolle eine erstaunliche Leinwandpräsenz. Noch beeindruckender sind allerdings einige der thailändischen Nebendarsteller, die mit Ausnahme des aus „Only God Forgives“ bekannten Vithaya Pansringarm ausschließlich aus Exhäftlingen und Boxern rekrutierten wurden. Kein Wunder also, dass „A Prayer Before Dawn“ in einem Maße authentisch wirkt, wie man es im Genre des Gefängnisdramas selten erlebt.

Fazit: Das auf dem Tatsachenbericht des ehemaligen Häftlings und Boxers Billy Moore basierende wuchtig-brutale Knastdrama „A Prayer Before Dawn“ überzeugt vor allem durch seine wirklichkeitsnahe Inszenierung.

Wir haben „A Prayer Before Dawn“ im Rahmen der 70. Filmfestspiele in Cannes 2017 gesehen, wo er außer Konkurrenz als Midnight Movie gezeigt wird.
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