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The Birth Of A Nation - Aufstand zur Freiheit
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
The Birth Of A Nation - Aufstand zur Freiheit
Von
Kein anderer Film ist in den vergangenen zwölf Monaten so brutal abgestürzt wie Nate Parkers „The Birth Of A Nation – Aufstand zur Freiheit“. Nachdem das Historiendrama beim Sundance Filmfestival im Januar 2016 sowohl den Großen Preis der Jury als auch den Publikumspreis für sich verbuchen konnte, wurde der Film direkt zum Oscar-Topfavoriten hochgeschrieben. Zudem entbrannte zwischen mehreren Filmverleihern und Netflix ein vielbeachteter Bieterwettstreit, an dessen Ende Regisseur, Produzent, Autor und Hauptdarsteller Nate Parker sogar auf 2,5 Millionen Netflix-Dollar verzichtete, damit sein Werk nicht nur gestreamt wird, sondern auch regulär in die Kinos kommt. Die 17,5 Millionen von Fox Searchlight bezahlten Dollar erschienen zu diesem Zeitpunkt als sichere Investition. Aber dann folgte die Vergewaltigungs-Kontroverse um Nate Parker, bei seinem US-Start im Oktober spielte der Film nur schwer enttäuschende 15 Millionen Dollar ein und bei der anstehenden Oscar-Verleihung wird er ziemlich sicher ohne einzige Nominierung leer ausgehen. Man mag zu seinem Schöpfer und seinen Taten stehen wie man will, aber dass der Film nach all dem anfänglichen Hype nun so sang- und klanglos untergeht, ist extrem schade: Zwar hat „The Birth Of A Nation“ auch unserer Meinung nach nicht den Oscar als Bester Film verdient, aber er bietet eine kraftvoll-provokante Perspektive auf das Ende der Sklaverei, wie sie zumindest derart forsch im Mainstreamkino noch nicht vorgebracht wurde.

Weil er als einziger ihrer Sklaven lesen kann, wird der junge Nat Turner (Tony Espinosa) von der Frau des Plantagenbesitzers (Penelope Ann Miller) dazu ermutigt, die Bibel zu studieren. Nach vielen Jahren harter Arbeit auf den Baumwollfeldern erhält Nat (nun: Nate Parker) dann schließlich einen anderen Job: Sein in finanzielle Schwierigkeiten geratener Besitzer Samuel (Armie Hammer) vermietet ihn nämlich an andere Plantagenbetreiber, damit er deren Sklaven die Bibel predigt - und zwar so, dass sie ergeben ihren Herren dienen und widerstandslos ihre Arbeit verrichten. Dabei sieht Nat eine kaum auszuhaltende Menge an Leid, denn im Vergleich zu Samuel gehen die anderen Plantagenbetreiber noch viel brutaler mit ihren Sklaven um. Zudem muss Nat erkennen, dass die herrschenden Weißen gar nicht wirklich der Bibel folgen, sondern die Heilige Schrift lediglich dazu nutzen, um ihre Sklaven weiter zu unterdrücken…



„The Birth Of A Nation“ wird immer wieder mit einem anderen Rebellen-Biopic verglichen – nämlich mit Mel Gibsons „Braveheart“ über den schottischen Freiheitskämpfer William Wallace. Und tatsächlich haben beide Filme eine bedeutende Szene, in der sich zwei Armeen gegenüberstehen und der Anführer des Aufstands noch schnell zu einer brennenden Rede ansetzt, bevor die Kombattanten anschließend schreiend aufeinander zustürmen. Allerdings gibt es da einen gewichtigen Unterschied, der „The Birth Of A Nation“ trotz seiner herkömmlichen Biopic-Erzählweise zum moralisch, ethisch und gesellschaftlich herausfordernden Werk macht – denn wo William Wallace trotz Rachegelüsten letztlich eindeutig als Held präsentiert wird, zieht Nat Turner mit seinen Mistreitern vor der großen finalen Konfrontation erst noch nachts von Haus zu Haus und ermordet auf bestialische Weise die Plantagenbesitzer und ihre Familien (etwa 60 Weiße werden getötet, nach der Niederschlagung des Aufstands werden Hunderte Schwarze als Vergeltung gehängt oder verbrannt). Bei der Schilderung der Schrecken macht Nate Parker in beide Richtungen keine Gefangenen – zu Beginn sehen wir am Wegesrand einen toten Schwarzen, dem Sklavenjäger den halben Schädel weggeschossen haben, später schlägt einer der Aufständischen seinem Besitzer mit einer Machete den Kopf ab.  

Also war Nat Turner nun ein die Bibel predigender Freiheitskämpfer oder ein irre gewordener Massenmörder? Nate Parker spart nichts aus und beschönigt nichts, trifft dann aber für sich und seinen Film doch eine eindeutige Entscheidung, wenn er zum Schluss mit nur einem einzigen radikalen Schnitt den Bogen von Turners Aufstand im Jahr 1831 zum erst drei Jahrzehnte später beginnenden Amerikanischen Bürgerkrieg schlägt. Das ist ein Selbstverständnis und ein Selbstbewusstsein, das dem Kino über die Sklavenerfahrung bisher gefehlt hat – selbst in „12 Years A Slave“, der ja wie „The Birth Of A Nation“ ebenfalls von einem schwarzen Regisseur stammt, wird wie in so vielen Hollywoodfilmen zu diesem Thema der Eindruck erweckt, dass das Leid und die Entbehrung die Protagonisten letztendlich zu weiseren, erhabeneren Menschen machen. Aber das ist in aller Regel eben nicht so: Stattdessen zerstört ständig zu Unrecht zugefügtes Leid die Menschen und ihre Ideale – und es gibt ihnen womöglich sogar das moralische Recht, mit denselben Mitteln zurückzuschlagen (was es wiederum Filmemacher erlaubt, es als heroischen Akt der Befreiung zu feiern). Da muss man (als weißer) Zuschauer erst mal ganz schön schlucken, aber ein solches Vor-den-Kopf-Stoßen hat ja auch etwas Gutes.

Fazit: Ein herkömmlich erzähltes Historienepos mit einer ganz und gar nicht herkömmlichen Perspektive – ambivalent, provokant, kraftvoll.

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  • Jimmy V.

    Na dann, ich werde ihn auf jeden Fall noch gucken. Ist vielleicht genau der Film, den man sehen will. So gut "12 Years A Slave" auch war, fehlte doch etwas dabei, wenn mir auch nicht ganz klar ist, was. So jedenfalls mein Empfinden nach dem letzten Schauen.

  • Fain5

    Ihr hättet ruhig mal ne eigene News zu den "Vergewaltigungsvorwürfen" machen können anstatt so einen Artikel zu verlinken.

    Die Kritik liest sich gut und macht Lust auf den Film aber warum lieber Christoph soll ich als weißer Zuschauer schlucken? Weil ich automatisch als weißer mit Sklaventreibern in einen Topf geworfen werde?

  • Fain5

    Da kann ich dir nur zustimmen. Irgendwie war 12 years zu bequem. Alles, was den Sklaven angetan wurde hat man so schon mal gesehen. Und am Ende hab ich nicht das Gefühl gehabt dass er jetzt 12 Jahre lang von seiner Familie und Heimat weg war.

  • Yanky

    Ich gehöre dann wohl der Gruppe Menschen an, die die privaten Untaten eines Filmemachers oder Schauspielers nicht in Verbindung mit seinen Werken bringen. Mel Gibson oder Klaus Kinski sind Paradebeispiele für echt widerliche Zeitgenossen, von denen ich am liebsten nie etwas hören oder lesen will. Ihre Filme sehen will ich aber unbedingt.

  • Fain5

    Ok das macht Sinn. Wobei Django das ja schon aufgegriffen hat.

  • Fain5

    Sehr schöne Ausführung- Danke dafür.

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