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    Therapie für einen Vampir
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Therapie für einen Vampir
    Von Michael Meyns
    Was macht ein Vampir im Wien der 1930er Jahre, der mit sich und seiner unsterblichen Existenz hadert? Genau, er legt sich bei Professor Freud auf die Couch. Auf dieser ausgesprochen originellen Idee basiert David Rühms Blutsauger-Film „Therapie für einen Vampir“, der auch beim Fantasy Filmfest 2015 präsentiert wird. Ein wenig leichte Komödie, etwas Satire, Momente eines Liebesdramas gepaart mit einigem Wiener Schmäh formen sich zu einem selbstreflexiven Vergnügen: Rühm variiert die bekannten Elemente des Vampir-Genres auf clevere und erfrischende Weise. Sein unglücklicher Protagonist ist Graf Geza von Közsnöm (Tobias Moretti), der seit Jahrhunderten seiner großen Liebe hinterher trauert. Diese ist bedauerlicherweise nicht identisch mit seiner Gattin Elsa (Jeanette Hain), mit der er eine mondäne Villa bewohnt. Während Elsa der fleischlichen Lust frönt, lässt sich Geza das lebensnotwendige Blut von seinem treuen Diener und Chauffeur Radul (David Bennent) liefern und hat dadurch viel Zeit, mit seiner Existenz zu hadern und sich auf das Sofa von Sigmund Freud (Karl Fischer) zu legen...


    Selbst in den Teenie-Filmen der „Twilight“-Saga waren die für das Vampir-Genre typischen sexuellen Untertöne stets deutlich zu spüren, seine nicht wirklich subtilen Metaphern (der blutige Kuss am Hals, das Aussaugen) beflügelten die Phantasie unzähliger Autoren und Regisseure. Auch David Rühm haben sie inspiriert, das schlägt sich bei seinem vergleichsweise günstig produzierten Opus allerdings weniger im Visuellen nieder. Mit einem so bildgewaltigen Werk wie „Bram Stoker's Dracula“ von Francis Ford Coppola kann „Therapie für einen Vampir“ nicht mithalten, aber was hier an Opulenz fehlt, macht der Regisseur und vor allem auch der Drehbuchautor Rühm mit viel Witz und Originalität wett. Er setzt zwischen den Figuren einen ausschweifenden Reigen in Gang, ein anzügliches Wechselspiel mit der Lizenz zum Partnertausch. Die sexuellen Implikationen des Vampir-Genres wurden selten so treffend und mit allen ihren psychologischen Verwicklungen auf den Punkt gebracht wie hier: Auch ungezügelte Unsterbliche haben schließlich mit ihren Gefühlen zu kämpfen.

    Fazit: David Rühm legt die Blutsauger in „Therapie für einen Vampir“ kurzerhand auf die Couch und variiert clever und humorvoll die Muster des Vampirfilms.
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