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    Wie Männer über Frauen reden
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Wie Männer über Frauen reden
    Von Thomas Vorwerk
    Beziehungskomödien sind in den drei Jahrzehnten seit dem Erfolg von Doris Dörries „Männer“ zu einem besonderen Dauerbrenner des deutschen Kinos geworden. Heute sorgt vor allem das Triumvirat aus Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz mit seinen gefühligen Lustspielen für einheimische Chartspitzenreiter, aber auch viele andere versuchen sich an dem Erfolgsrezept. Stärker noch als einst Dörrie mit ihrem vielsagenden und -versprechenden knappen Titel (der im Mai 2016 mit Nikolai Müllerschöns „Frauen“ übrigens ein filmisch unwürdiges Pendant bekommt), machen nun die Brüder Carsten Regel (Drebuch) und Henrik Regel (Regie) schon auf dem Filmplakat klar, was der Kartenkäufer bekommt: „Wie Männer über Frauen reden“ heißt es da und das soll das Publikum neugierig machen auf eine weitere Komödie über den oft erkundeten Graben zwischen den Geschlechtern. Auch hier werden selbstverständlich keine neuen Weisheiten über Männlein und Weiblein zu Tage befördert, aber der dramaturgisch wenig ausgefeilte Film bietet immerhin das authentische Flair des Berliner Kult-Kiezes am Kottbusser Tor.

    Die Freunde DJ, Frankie und Marco würden immer noch am Balzverhalten ihrer gemeinsamen jungen Jahre festhalten, wenn sie könnten, doch Marco (Kida Khodr Ramadan, „3 Türken und ein Baby“) ist inzwischen verheiratet und damit aus dem Rennen und DJ (Oliver Korritke, „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“) hat zwar immer noch die alten Sprüche drauf, aber inzwischen - mit 42 - eine deutlich geringere Erfolgsquote. Einzig Frankie (Barnaby Metschurat, „Solino“) ist mit 36 noch in seiner „Jäger und Sammler“-Phase und nutzt seinen gut laufenden Club am Kreuzberger „Kotti“ als Revier, um möglichst jede Nacht mit einer anderen jungen Frau nach Hause zu gehen. Einzig die wie DJ in Frankies Club arbeitende Kellnerin Tine (Ellenie Salvo González aus der Fernseh-Sitcom „Sekretärinnen - Überleben von neun bis fünf“) hat bei dem attraktiven Mittdreißiger einen festen Platz. Allerdings nur als beste Freundin: „Da läuft nix!“ Komplett anders eingestellt ist da DJs noch beim Papa wohnender Sohn Martin alias „Martini“ (Frederick Lau, „Victoria“), der auf der Suche nach der großen Liebe ist ...


    Es mag verwundern, dass im Inhaltsabsatz kaum eine konkrete Handlung erkennbar ist, aber das gehört hier gleichsam zum Programm. Abgesehen von zwei leicht vorauszusehenden genretypischen Entwicklungen bleibt der Film allenfalls episodisch, weil sich die Regel-Brüder an ihren eigenen Titel halten. Und das bedeutet: Es wird viel geredet. Auch eine vermeintlich traumatische Rahmenhandlung ändert daran nichts. Immerhin werden selbst abgeschmackte Dialogzeilen von den gut aufgelegten Schauspielern mit viel Schwung dargeboten, außerdem bekommen wir neben einigen klassischen Zitaten wie „Männer und Frauen können keine Freunde werden“ (das sich seit den Tagen von „Harry und Sally“ dutzendfach kinobewährt hat) immer wieder leicht Anzügliches oder Anstößiges zu hören – und hier und da auch zu sehen: So muss schon einmal ein Tampon in einer Bierflasche zur Illustration des Wesens der Frauen herhalten und wenn DJ ein T-Shirt im Tattoo-Stil mit der Aufschrift „Mumu ist die Beste“ trägt, dann ist das zumindest ziemlich frech.

    Mit der lebendig eingefangenen Szene am dauerpräsenten „Kotti“ und in seiner näheren Umgebung bis knapp hinter das Schlesische Tor evoziert man zwar womöglich Heimatgefühle bei Berlin-Fans, und neben manchen Uralt-Kalauern („Finger im Po - Mexiko“) finden sich auch zitierfähige Sprüche wie „Gerad' die Superschönheiten sind total unterbeschlafen“ oder „Mein Arsch hat vielleicht noch fünf gute Jahre“, aber es ist kaum zu übersehen, wie der mit dem Mangel an konkreter Handlung einhergehende Leerlauf durch auffällig beschleunigte Kamerafahrten und eine dazu passende dynamische Montage „cool“ kaschiert werden soll. Letztlich löst man sich trotz einer gewissen Low-Budget-Rauheit doch zu wenig von den glattgebügelten Komödien-Konventionen der Kommerz-Platzhirsche des deutschen Kinos. 

    Fazit: Sympathische Darsteller in einem hippen Kiez, die sich über das Thema Nr. 1 unterhalten: Das ist immer wieder durchaus witzig, aber nicht wirklich abendfüllend.
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