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    X-Men: The New Mutants
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    X-Men: The New Mutants

    Das wahre "X-Men"-Finale

    Von Björn Becher
    Der eine oder andere Zuschauer wird „The New Mutants“ mit einem Gefühl der Neugierde und Vorfreude verlassen – nämlich auf das, was da jetzt kommt für diese neuen Mutanten, die keine „X-Men“ sind. Doch informierte Leser wissen bereits: Da folgt nix mehr! Obwohl sich das Coming-Of-Age-Horror-Drama phasenweise wie ein Prolog für ein komplett neues Kapitel anfühlt, ist der durch eine direkt übernommene Szene lose mit „Logan - The Wolverine“ verbundene „The New Mutants“ das endgültige Ende der bisherigen „X-Men“-Saga des mittlerweile von Disney übernommenen Studios Fox.

    So muss man fast schon froh sein, dass der Film nach zahlreichen Verzögerungen und Problemen schon weit in der Vorproduktion nun überhaupt noch in die Kinos kommt. Dort ist er nun ein deutlich besserer Endpunkt der Mutantenfilmreihe, als es noch der misslungene „Dark Phoenix“ war – was vor allem an einem starken Cast rund um drei beeindruckende Hauptdarstellerinnen liegt und am Gespür von Regisseur Josh Boone für die Gefühle seiner jungen Figuren. Den oft angekündigten Horror sollte man aber nicht erwarten...

    Die neuen Mutanten in ihrem ersten und wohl auch letzten Auftritt.


    Als scheinbar einzige Überlebende eines mysteriösen Zwischenfalls in ihrem Cheyenne-Reservat wacht die junge Dani Moonstar (Blu Hunt) in einer mysteriösen Einrichtung auf. Dort informiert sie die sich als Ärztin ausgebende Dr. Reyes (Alice Braga), dass Dani Mutantenkräfte habe und nun in einer Klinik für junge Menschen wie sie sei. Das Ziel sei es, den neuen Mutanten den Umgang mit ihren Kräften zu lehren, bevor sie wieder in die Welt entlassen werden können. Doch stimmt das wirklich?

    Während ihre Mitinsassen, die immerzu angenervte Russin Illyana (Anya Taylor-Joy), der schüchterne Südstaatler Sam (Charlie Heaton), der brasilianische Beau Roberto (Henry Zaga) und die neugierige Schottin Rahne (Maisie Williams), bald von ziemlich realen Albträumen gepeinigt werden und Dr. Reyes herauszufinden versucht, was Danis Kräfte sind, wirkt das gespenstisch verfallene Anwesen mit all seinen Sicherheitsvorkehrungen auf die junge Neu-Patientin immer mehr wie ein Gefängnis…

    Starke Coming-Of-Age-Romanze


    Auf dem Papier war es definitiv eine hervorragende Idee, Josh Boone mit „The New Mutants“ einen sich komplett vom Actionbombast der Hauptreihe abhebenden, ganz eigenen kleineren „X-Men“-Film als Horror-Drama mit jungen Protagonisten machen zu lassen. Der Gruselkost-Liebhaber und „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“-Regisseur scheint die perfekte Wahl, um diese zwei Welten zu vereinen. Und immer wieder ist in „The New Mutants“ zu spüren, dass die Genres so hochklassig hätten verbunden werden können wie im ersten Teil der jüngsten Adaption von „Stephen Kings ES“.

    Doch am Ende überzeugt nur die eine Seite. Wie schon in seinen vorherigen Filmen beweist Boone nämlich erneut, dass er die (hier allerdings etwas weniger komplex dargestellten) Gefühlswelten von jungen Menschen auf der großen Leinwand erzählen kann. Wenn sich Dani und Rahne langsam annähern, ist dieses zarte Erwachen der ersten Liebe, sind die Schmetterlinge im Bauch der beiden jungen Frauen förmlich zu spüren. Der Regisseur muss seine Figuren nicht groß sprechen lassen, er findet die richtigen Bilder, eine wunderbar passende musikalische Untermalung und hat vor allem zwei großartige Darstellerinnen.

    Rahne verliebt sich das erste Mal.


    Insbesondere Maisie Williams beweist (in der Originalfassung mit ungewohntem schottischen Zungenschlag) einmal mehr, dass sie nach ihrem Durchbruch mit „Game Of Thrones“ und dem Ende der gefeierten Fantasy-Saga nicht so schnell wieder von der Bildfläche verschwinden wird. Der aufgrund ihrer Superheldenkräfte nicht unwichtige, mehrfach bemühte Blick in ihre Augen wird von ihr immer mit subtilem Minenspiel begleitet. Ohnehin ist der Cast ein Prunkstück. Anya Taylor-Joy („Emma.“) hat aufgrund ihrer extrovertierten Figur die sicher am stärksten herausstechenden Momente. Daneben meistert die aus der Serie „The Originals“ bekannte Blu Hunt in ihrer allerersten Kinorolle den Identifikationspart.

    Durch ihre Augen lernen wir Zuschauer die mysteriöse Einrichtung kennen und fangen an, uns Fragen zu stellen. Was geht hier vor? Welche unterschiedlichen Kräfte haben all die jungen Patienten? Warum scheint Dr. Reyes allein das gesamte Personal zu bilden? Und was ist der wahre Zweck dieser Einrichtung, die ganz sicher keine Nachwuchs-X-Men ausbildet, wie die Jugendlichen anfangs noch spekulieren? Leider kommen auch hier die größten Schwächen ins Spiel. Boone versteht es zu wenig, uns mit diesen Mysterien zu fesseln, zu oft geht er viel zu platt vor.

    Wenig gruseliger Horror


    Das macht sich schon in den Drama-Momenten negativ bemerkbar, wenn die Verschiedenheit und die einzelnen Charakteristika der fünf Jung-Mutanten beim ersten gemeinsamen Auftritt in einer Gruppentherapie ziemlich unelegant mit dem Holzhammer eingebläut werden. Gerade im Horror-Thriller-Teil ist es aber besonders schmerzhaft. Insbesondere ist die Visualisierung der Albträume zu oft zu stumpf auf einen schnellen Schockmoment hin aufgebaut, der dann mangels guter Vorbereitung nicht einmal eintritt. Selbst eine von Schockrocker Marilyn Manson vertonte, als Mischung aus russischem Mafioso und zähnefletschender Monster-Fratze gelungen designte Horror-Gestalt lässt nur erahnen, was hier möglich gewesen wäre.

    „The New Mutants“ fehlt so die richtige Spannung. Das mit teilweise nur sehr durchschnittlichem CGI aufwartende Finale ist zudem eher von der Sorte belanglos, sodass selbst die kleineren etwas stärkeren Momente in dem eher uninteressanten Abarbeiten der vollen Präsentation der einzelnen Superkräfte untergehen. Der Showdown wirkt so eher wie eine Pflichtübung, eine Notwendigkeit, die eingebaut werden musste, weil das Publikum bei einer Superhelden-Comic-Verfilmung die große Schlacht am Ende gewöhnt ist. Aber irgendwie ist so ein Finale, das nicht so wirklich zum übrigen Film passen will, dann auch ein passender Abschluss für das „X-Men“-Franchise, bei dem über die Jahre ja auch sehr vieles nicht so richtig zusammenpasste.

    Fazit: Gelungene Comic-Of-Age-Geschichte trifft lahmen Horrorfilm.

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    Kommentare

    • Björn Becher, FILMSTARTS.de
      Siehe oben. Es war keine zeitliche Verbindung gemeint, an der Stelle ist das missverständlich formuliert. Wobei New Mutants natürlich trotzdem nach der einen übernommenen Szene aus Logan spielt, die dort aber ja auch vor den Hauptereignissen angesiedelt ist.
    • Björn Becher, FILMSTARTS.de
      Hi. Es war keine zeitliche Danach-Verbindung gemeint, da ist die Stelle schlecht formuliert und wird daher von mir noch einmal leicht umgeschrieben. New Mutants stellt nur eine direkte Verbindung her - auch durch eine Szene, die direkt aus Logan übernommen wurde.
    • CineTin
      Ja, die Essex Corporation ist gemeint. Die Aufnahmen stammen aus Logan und sie wurde in Apocalypse bereits angeteasert.
    • Shiro
      Ja, das gab es in der Tat... aber das war so schnell... bekannte Gesichter konnte ich da nicht erkennen... wobei es so eine Einrichtung sicher über einen längeren Zeitraum gibt (also in diesem Film-Universum).
    • Tobias D.
      Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es das ist, aber ungefähr auf Hälfte des Films sieht Dani Visionen von wissenschaftlichen Einrichtungen, wo an Mutanten getestet wird. Das Footage ist aus Logan, wo man ja auch solche Aufnahmen sieht.
    • Shiro
      Für die, die sich keine Leinwandliebe geben wollen... welches Element denn? Diese Corporation, die einmal kurz prominent erwähnt wurde?
    • Tobias D.
      Jup. Es ist schlecht recherchiert. Ich würde sogar sagen, dass New Mutants eher lose Logan voraussagt...
    • Tobias D.
      Danke für deine faire Bewertung. Ist heutzutage leider eher selten anzutreffen.Ich würde den Film zwar höher bewerten, weil ich wirklich die Charaktere aus den Comics wiedererkannt habe und ich deshalb eher über die Fehler wegschauen konnte.Die Geschichten der New Mutants sind nicht Horror (also gut, dass Josh Boone daraus keinen reinen Horrorfilm gemacht hat) sondern primär Coming-of-Age.Aber auch ich kann mit den 3 Sternen von Filmstarts leben. Ist immerhin besser und fairer als die meisten anderen Bewertungen auf Letterboxd und anderen Ratingseiten.Es ist ein netter kleiner Film (hätte länger sein können, aber zu kurz war er für mich jetzt auch nicht) und wird für mich wahrscheinlich in die Kategorie Guilty Pleasure fallen.
    • Shiro
      Also ist die Kritik schlecht recherchiert, wenn da folgendes drinsteht:...ist der lose an „Logan - The Wolverine“ anknüpfende „The New Mutants...“Das impliziert m. M. n. eindeutig, dass die neuen Mutanten chronologisch NACH Logan spielen?!
    • Tobias D.
      Logan spielt 2023, New Mutants spielt davor.
    • Shiro
      Wo und wie soll dieser Film denn an Logan anknüpfen?! Ist zwar schon etwas her... aber waren die X-Men in Logan nicht schon längst Geschichte? Gejagt und vernichtet? Man verfolgt doch gerade die letzten Überbleibsel (Prof X und Logan), wie sie versuchen einen der letzten freien Mutanten zu retten?!Wie können die neuen Mutanten also davon träumen, eines Tages ein X-Men zu werden?!
    • Piet
      Ich fand ihn auch weitaus besser als er bei den Kritikern wegkam. Hatte sogar ein, zwar richtig starke Szenen (magneto vs phoenix stichwort nahaufnahme)
    • Hans Heinrich
      ok.
    • CineTin
      Edit: Nachdem ich den Leinwandliebe Podcast gehört habe, muss ich gestehen, dass wohl doch ein Element aus bisherigen X-Men Filmen übernommen wurde. Es war aber eher subtil, sodass ich es nicht bemerkt habe. 😅
    • Hubertmitkah
      Was ist mit Charles?
    • Hubertmitkah
      Klar hat jeder die. Und mittelmäßig ist schon was anderes als ein Stern. Und da darf ich dann schon hinterfragen, was für Filme der Kritiker generell gut oder schlecht findet.
    • Bond, James Bond
      Und jeder hat SEINE Meinung. Und ja, ich finde den Joker von 2019 auch eher durschnittlich.
    • Hubertmitkah
      Gab eine Liste auf der jeder Redakteur seine Punkte vergeben hat.
    • Hans Heinrich
      Soviel ich sehe gabs für Joker 2 Sterne und der Rezensent war jemand anders.
    • Hubertmitkah
      Der man der dem Joker nur 1 Stern gibt und die neuen Star wars gut fand versucht uns tatsächlich etwasin die Hose gegangenes schön zu reden? Next.
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