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Vendetta - Alles was ihm blieb war Rache
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Vendetta - Alles was ihm blieb war Rache
Von
Am 1. Juli 2002 geschieht die Katastrophe. Über der deutschen Stadt Überlingen kollidieren ein Passagierflugzeug und eine Frachtmaschine. 71 Menschen sterben. Darunter befinden sich überwiegend Kinder und Jugendliche, die im Rahmen eines Schülerprogramms auf dem Weg nach Barcelona sind. Die späteren Untersuchungen ergeben, dass mehrere Faktoren zum Unglück führten: technische Einschränkungen, Unachtsamkeit, die Überlastung des verantwortlichen Fluglotsen und weitere menschliche Fehler. Für die Angehörigen bricht eine Welt zusammen. Zu ihnen gehört auch der Bauingenieur Witali Kalojew, der seine Frau und seine beiden Kinder verloren hat. Für ihn steht der Hauptverantwortliche fest: der diensthabende Fluglotse Peter Nielsen. Nachdem die Überlingen-Katastrophe und ihre Folgen unter anderem schon in dem deutschen TV-Film „Flug in die Nacht“ mit Ken Duken verarbeitet wurden, dienten sie nun auch dem spanischen Drehbuchautor Javier Gullón („Out of the Dark“, „Hierro - Insel der Angst“) als Vorlage. Er verlegte das Szenario für das vom Briten Elliot Lester („Blitz – Cop-Killer vs. Killer-Cop“) inszenierte Drama „Vendetta – Alles was ihm blieb war Rache“ in die USA, bleibt sonst aber nah an den Fakten: Die amerikanisch-britische Co-Produktion besticht durch die feinfühlige Aufarbeitung einer menschlichen Katastrophe.

Bauingenieur Roman Melnyk (Arnold Schwarzenegger) freut sich auf die Ankunft seiner Frau und seiner schwangeren Tochter, die er mit dem Flugzeug aus Kiew erwartet. Doch als er auf dem Flughafen eintrifft, erhält Roman die erschütternde Nachricht. Die Maschine mit den beiden Frauen und Hunderten weiteren Passagieren an Bord war in ein Unglück verwickelt und ist in großer Höhe mit einem anderen Flugzeug zusammengestoßen. Mit Überlebenden ist nicht zu rechnen. Erste Ermittlungen ergeben, dass der diensthabende Fluglotse Jacob „Jake“ Bonanos (Scoot McNairy) zum Zeitpunkt des Unglücks zwei Radarschirme im Auge behalten, ein verspätetes Flugzeug koordinieren und sich mit einer defekten Telefonanlage herumschlagen musste. In der Hektik widmete er den beiden Maschinen auf Kollisionskurs nicht die nötige Aufmerksamkeit…

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Wie geht man mit einer solchen Katastrophe um? Sowohl Roman als auch Jake sind am Boden zerstört. Der eine, weil er seine Familie verloren hat. Der andere, weil er sich für schuldig am Tod der verunglückten Menschen hält (im Film gibt es 271 Opfer). Regisseur Elliot Lester erzählt in von einigen Ausbrüchen abgesehen meist ruhigen Tönen von den Nachwirkungen der Katastrophe auf die beiden Protagonisten und kann sich dabei ganz auf sein Hauptdarstellerduo verlassen. Ganz stark ist Arnold Schwarzenegger („Terminator“) als völlig in seiner Trauer und Verzweiflung gefangener Roman. Es ist berührend zu sehen, wenn er auf dem Friedhof bei seinen Liebsten campiert oder den Anwälten der Fluggesellschaft ein Foto seiner Familie entgegenhält und eine Entschuldigung fordert. Der in der Vergangenheit immer wieder gern als darstellerisch limitiert belächelte Austro-Amerikaner hat zuletzt schon im Zombiefilm-Drama „Maggie“ bewiesen, dass er mehr kann als Action-Filme und Komödien und hier unterstreicht er dies mit einer ebenso beeindruckenden wie zurückhaltenden Darbietung. Ihm in nichts nach steht Scoot McNairy („12 Years A Slave“, „Batman V Superman“), der seiner schwierigen Figur menschliche Züge gibt. Er lässt den Zuschauer mitleiden, wenn Jake seinen Job, seine Familie, ja sogar seine Identität verliert und Rotz und Wasser angesichts seiner Fehler heult.

Lester erzählt behutsam und in ruhigem Tempo. Ganz allmählich kämpfen sich Roman und Jake ins Leben zurück, ohne die Unsicherheiten und Ängste je ganz abschütteln zu können. Langsam wird das Kartenhaus der Normalität wieder aufgebaut, es könnte aber jederzeit wieder in sich zusammenbrechen. Diese Gefahr bringt der Regisseur durch unruhig oder nicht ganz rund wirkende Einstellungen auch optisch zum Ausdruck. Mal ist die Kamera etwas zu weit links, mal zu weit rechts, die Welt der Protagonisten ist aus der Balance geraten. Der Film wird dabei zu einem regelrechten Leidensmarathon – er ist bewegend, aber auf Dauer auch etwas anstrengend. Wer die Hintergründe der Überlingen-Katastrophe und ihre Folgen kennt, der wird von der weiteren Entwicklung der Handlung nicht überrascht sein und sie womöglich auch als etwas zäh empfinden, denn die Macher bleiben sehr nah an den realen Ereignissen. Das gilt für den Hergang des Unglücks und auch für das spätere tragische Geschehen. Lediglich im Finale weichen die Macher deutlich von den tatsächlichen Ereignissen ab. Ihre Botschaft: Manchmal gibt es nur Opfer.

Fazit: Arnold Schwarzenegger und Scoot McNairy zeigen unaufdringlich-bewegende Leistungen in dieser neuen filmischen Aufarbeitung der Überlingen-Katastrophe. Gerade für die mit den realen Vorkommnissen vertrauten Zuschauer hat das Drama aber auch einige Längen.
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Kommentare

  • Hans H.

    Diese Kritik ist aber nicht neu. Habe ich bereits im Oktober hier gelesen.

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